27. September 2010

WeTab – ein Erfahrungsbericht eines wechselwilligen iPad-Users und Apple-Hateboys

Als jahrzehntelanger (*sigh*) Unix/BSD/Linux-Fan, mehrmonatiger iPad-Benutzer und trotz schwerer Kommandozeilenabhängigkeit begeisterte mich die angekündigten Leistungsdaten und das offene System des WeTab der deutschen Firma Neofonie sehr, da damit der grausame iTunes-Zwang und das Monopol der Firma Apple auf Tablet-Computer zu enden schienen.
Die WeTab-Oberfläche nach dem Start des Gerätes
Ich habe deshalb das WeTab 16GB/Wifi bereits am 8. Mai 2010 kurz nach der Ankündigung bei Amazon vorbestellt und es am Donnerstag, den 23.9.2010 erhalten. Nach dem Auspacken fiel mir auf, dass neben dem WeTab sowohl eine kleine Stofftasche als auch ein Microfaser-Reinigungstuch mitgeliefert werden. Das machte schon mal einen guten Eindruck, da Touch-Geräte geschützt und regelmässig gereinigt werden müssen. IPad-User kennen dies bereits. :-)
Nach dem Einschalten und der Konfiguration der Wifi-Verbindung hat sich das WeTab selbstständig installliert bzw. aktualisiert. Bis hierher war alles TOP!
Als das Gerät nach ca 20 Minuten mit dem “Ich mach mich nur kurz frisch”-Vorgang fertig war, erkundete ich die Oberfläche und stellte rasch fest, dass das spiegelnde Display extrem blickwinkelabhängig ist. Legt man es auf den Tisch und schaut schräg auf das Display, kann man kaum etwas erkennen. Das sollte bei einem Gerät, das fast 500,- Euro kostet nicht passieren, zumal es Netbooks mit vergleichbarer Technik (Intel N450, 1 GB RAM, 16 GB SSD) schon ab 350,- Euro gibt.
Hier meine Erfahrungen nach 3 Tagen Nutzung
Multimedia-Fähigkeit
  • Youtube-Videos und MKV-Dateien werden zwar abgespielt, aber HD-Material (720p) ruckelt und wird nicht flüssig wiedergegebenFotos können bequem angeschaut werden. Es gibt auch einen Diashow-Modus.
  • MP3-Sounddateien werden problemlos (auch im Hintergrund) abgespielt
  • Das Tagesschau-Video-Widget, das die “Tagesschau in 100 Sekunden” direkt auf der Pinnwand abspielt, macht richtig Laune
  • Die Mediengalerie (Foto-Viewer/Diashow, Filme) sieht zwar nett aus, stellt aber Videos mit Vorschaubildchen als “corrupt” dar.
  • Der Banshee-(Musik)-Player (V1.7) funktioniert wie gewohnt
  • Die WebCam funktioniert, aber was man ausser Standbilder schiessen damit machen kann, ist noch unklar.

Anwendungen

  • Der installierte Dateimanager (Filebrowser) ist sehr minimalistisch. Man hat nur eine Symbol-, aber keine Listendarstellung und man kann auch keine Dateien/Ordner umbenennen. Ein Midnight-Commander oder Gnome-Nautilus würde die Produktivität deutlich erhöhen.
  • Multitasking funktioniert wunderbar und man kann sehr schnell zwischen Anwendungen hin- und herschalten.
  • Die Pinnwand ist nett, wird aber leicht unübersichtlich und überladen
  • Die meisten “Apps” im WeTab-Market sind nur Lesezeichen, die man auf den Desktop legt und keine “Native Apps”. Echte “News-Apps” für das angekündigte “Medienwunder wie auf dem iPad (z.B. Welt-App oder Flipboard) gibt es derzeit (noch) nicht. Das Neofonie-WeMagazine konnte ich nicht entdecken.
  • Internet-Surfing ist klasse, auch geflashte” Webseiten funktionieren prima
  • Claws-Mail funktioniert im Zusammenspiel mit meinem IMAP-Server mit self-signed-X509-Zertifikat überhaupt nicht und stürzt bereits beim Start ab. Wieso gibt’s keinen Thunderbird?
  • Android-Apps stehen (noch) nicht zur Verfügung. Anscheinend soll Android 2.2 (Froyo) in einer virtualisierten Umgebung noch folgen…Das WeTab zeigt auch Webseiten an, die Flash-Applets enthalten
Handling
  • Multitouch funktioniert (noch) nicht, d.h. ausser tippen und ziehen gibt’s noch keine weiteren Gesten
  • Angeschlossene USB-Geräte (z.B. Kartenleser mit CF-Karte, USB-Stick, Kamera) werden erkannt und man kann auf die Daten zugreifen
  • Viele Anwendungen (z.B. Banshee-Musikplayer, OpenOffice) sind nicht für Touch-Screens optimiert, d.h. man muss millimetergenau auf die Schaltflächen/Menüs tippen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
  • Bootzeit aus dem ausgeschalteten Zustand ~25 Sekunden, aus dem Standby < 3 Sekunden
  • Die RootShell funktioniert wunderbar. Nachdem openssh und rsync per sudo yum install openssh-server rsync auf dem WeTab installiert ist, klappt die Befüllung mit Daten problemlos.
  • Die Bildschirmtastatur ist schön groß und es gibt sogar einen Slash! (Nein, nicht DER! :-)
  • Per “yum” kann man weitere Software-Pakete nachladen, die aber nicht auf der Oberfläche/Pinnwand erscheinen. Ich habe die Bildbearbeitung gimp und thunderbird installiert und konnte diese dann über die Kommandozeile starten.
  • Es gibt keinen Schalter, mit dem ein versehentliches Drehen des Bildschirms verhindern werden kann. Dies führt dazu, dass je nach Haltung das Display einfach wegkippt und man gegensteuern muss. Desweiteren ist die Drehung des Bildschirminhalts beim Kippen/Bewegen des Gerätes nicht so elegant wie beim iPad. Beim WeTab wird der Bildschirm kurz schwarz und erst danach sieht man den gedrehten Bildschirminhalt.
  • Es gibt keinen Lautstärkeregler am Gerät – that’s really bad!
  • Das Netzteil hat einen richtigen EIN/AUS-Schalter. Das ist SUPER!
Security
  • Das WeTab ist NICHT mehrbenutzerfähig (wie das iPad). Da (zumindestes bei meinem Wifi-only-Modell) kein Passwort/PIN für die Nutzung erforderlich ist, kann jeder auf persönliche Daten zugreifen, der das WeTab in den Händen hält. Ich würde dem WeTab deshalb eigentlich keine persönlichen und sensitiven Daten anvertrauen.
  • Ich habe keine Möglichkeit gefunden, dass Gerät in den Auslieferungszustand zurückzuversetzen.
  • Ein Portscanner (nmap) hat offene TCP-Ports gefunden: DNS (53), ipp/Printing (631), X-Windows/X11 (6000). Dies sollte auf einem Linux-basierten System nicht sein. Schliesslich gibt’s ja iptables/Netfilter out-of-the-box.Hier erhält der Benutzer einige Infos und kann einige wenige Dinge anpassen.
  • Zur Datensicherheit gehört auch ein Backup-Konzept für die Datensicherung und das Wiederherstellen von Daten. Hier muss man neidvoll anerkennen, dass dies iTunes vorbildlich löst. Beim WeTab muss man selbst dafür Sorge tragen, regelmässig daran denken und auch noch händisch machen, indem man beispielsweise per Filebrowser die Daten auf eine SD-Karte oder eine USB-Platte sichert.
Hardware
  • Das WeTab 16GB-Wifi ist mit 1005 Gramm deutlich schwerer als mein iPad-32GB-UMTS mit 715 Gramm.
  • Das Display hat die perfekte Größe (1366×768 Pixel, quasi HD-ready), aber durch die starke Blickwinkelabhängikeit ist es für mich nicht vernünftig nutzbar.
  • Der verbaute Lüfter läuft häufig, sein (leises) Geräusch empfinde ich nicht als störend.
  • In meinem WeTab kommt eine SanDisk pSSD S2 16GB zum Einsatz
  • Batterielaufzeit: vermutlich irgendwas zwischen 3 und 6 Stunden, abhängig vom Nutzungsprofil. Gefühlt waren es ca 4 Stunden.
Das offene Konzept des Gerätes und die Idee finde ich nach wie vor fantastisch, aber es gibt noch so viele offene Punkte und grobe Fehler, die für mich eindeutig zur Abwertung des WeTab führen. Ich werde es deshalb wieder zurückschicken und auf eine bessere Alternative warten. Vielleicht ist das angekündige und Android basierte Samsung Galaxy Tab eine Alternative zum iPad.
Für die angepeilte Zielgruppe “Otto-Normaluser” ist das Gerät meiner Meinung nach derzeit so gut wie nicht brauchbar.


Die englische Version von OpenOffice lässt sich etwas schwierig bedienen, da die Schaltflächen/Menüs nicht für Touch-Bedienung ausgelegt sind.
Derzeit stehen nur wenige Programme im Market zur Verfügung. Meist sind es keine Native-Apps, sondern nur Links auf Webseiten.



Hier noch ein Test der Kollegen von PCWELT

16. September 2010

Nachtrag: Ohne Netz

Category: Allgemein — Tags: , , – Robert Dönges @ 09:07

Schade: Heute morgen, keinen Tag, nachdem ich den Beitrag “Ohne Netz” ins selbige gestellt habe, ist das Video mit dem mehrdeutigen Titel “Stairway to Heaven”, um das sich der Beitrag drehte, nicht mehr im Internet verfügbar.

Der Film zeigte über rund sieben Minuten den mehr oder minder freihändigen Kletter-Aufstieg eines Arbeiters auf einen 539 Meter hohen Fermnmeldeturm in Nordamerika. Während des Aufstiegs sicherte sich der Mann nur sporadisch und mit einem einfachen Haken am Metallgestänge des Turms. Dazu erschreckte die Perspektive, aus der das Video aufgenommen worden war – der Typ trug eine Helmkamera mit Weitwinkel, die natürlich sämtliche Kopfbewegungen mitmachte und aufzeichnete.

Auf dem Blog von theonlineengineer.org, auf dem das Horror-Video für Betriebsschutzbeauftragte erschien, hat Blogbetreiber Russell Brown nun eine Erklärung veröffentlicht, warum er den Film zurückziehen musste.

Quelle: http://www.theonlineengineer.org/TheOLEBLOG/

Quelle: http://www.theonlineengineer.org/TheOLEBLOG/

Update 21.09: Seit gestern ist das Video (wie zu erwarten war – das Internet vergisst bekanntlich nichts) wieder verfügbar. Ich habe den Originalartikel neu verlinkt und verweise hier noch einmal auf die verlinkte und eine weitere Adresse, unter denen der Film auf YouTube (derzeit) abrufbar ist:
World’s Scariest Job sowie Stairway to Heaven – Climbing Towers