16. Dezember 2011

Einkaufen, neu erfunden

Category: Journalismus und Internet — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 14:40

Was für eine grandiose Idee: Den Kunden nicht in den Supermarkt zu schicken, sondern den Supermarkt zum Kunden! Bevorzugt an einen Ort, an dem Menschen ohnehin nicht wissen, was sie gerade tun sollen – weil sie nämlich auf den Zug warten.

In Südkorea hat der Discounter “Home plus“, eine Tochter der globalen Handelskette Tesco, große Werbetafeln mit Bildern seiner Warenregale in den U-Bahn-Stationen aufhängen lassen. Unter jedem Produkt prangt ein QR-Code, den der Kunde mit seinem Smartphone aufnehmen (scannen) und damit erwerben kann. Ein Lieferservice bringt den Einkauf danach zur gewünschten Uhrzeit bis an die Haustür.

Die Kunden überbrücken ihre Wartezeiten auf sinnvolle Weise, ersparen sich den Weg und die Hetze ins Einkaufszentrum. Und der Konzern, der sich damit vor allem den Bau neuer Supermärkte ersparen wollte, feiert einen großen Erfolg: Der Umsatz der täglichen Einkäufe via Smartphone stieg laut Unternehmen um 130 Prozent.

5. Dezember 2011

Adventskalender

Gefühlte 80 Prozent aller Internet-Dienstleister Deutschlands haben in diesen frühen Dezembertagen alle die gleiche, tolle Idee: Sie wollen ihre Kunden froh und glücklich machen. Auch mich. Zu diesem Zweck haben sie auf ihren Webseiten Adventskalender eingerichtet und erinnern mich nun täglich daran, nicht zu vergessen, eines ihrer virtuellen Türchen zu öffnen. Damit ich ja nichts verpasse von ihren überraschend unglaublichen Angeboten.

Wirklich eine ganz tolle Idee.

So habe ich jeden Morgen die Auswahl zwischen einer extrem günstigen Hotelübernachtung in einer der angesagtesten Metropolen Europas; einem von 24 hochinteressanten, im Preis sehr reduzierten Sportartikeln; einem täglich neuen, unverschämt günstigen Vorsorge-Angebot, um mein persönliches Versicherungsprofil zu vervollständigen. Dazu kommen weitere Offerten wie Einkaufsgutscheine, Fitnesstrainings, Wurstpakete oder Familienjahreskarten fürs städtische Hallenbad.

Dabei habe ich längst einen Adventskalender. Einen traditionellen (analogen). Hinter seinen gefalzten Türen verstecken sich lauter leckere kleine Schokoladenquadrate. Es hätte, so habe ich im Handel gesehen, auch Weihnachtswartezeitverkürzer anderen Inhalts gegeben: Gummibärchen etwa. Oder Lego-Figuren. Oder Schnapspralinen. Oder Bierdosen. Aber, egal: Mein Schoko-Adventskalender war ein Geschenk. Und einem geschenkten Gaul haut man nicht aufs Maul!

Außerdem fahre ich jeden Abend auf dem Weg nach Hause an Ulms allertollstem Adventskalender vorbei. Er steht in der Blaubeurer Straße, vor der Ponte Bordello zum Eselsberg, und hinter jedem seiner Fenster wartet eine andere Überraschung.

Ulms größter Adventskalender in der Blaubeurer Straße

Ulms größter Adventskalender in der Blaubeurer Straße

5. Oktober 2011

Sie mich auch!

Category: Allgemein,Familie und Frauen — Tags: , , , , , , , – Robert Dönges @ 15:48

Sehr geehrter Herr Doenges,
heute schreibe ich Ihnen im Auftrag von Frau Krug, Abteilung Geschenke und Prämien. Sie hat mich gerade darauf hingewiesen, dass hier bereits seit einiger Zeit ein fantastischer Artikel bereit liegt. Es handelt sich um:
Ihr Dankeschön: die elegante Jacke WunderWarm

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Sehr geehrte Frau Aydt,
von Herzen Dank für Ihr freundliches Schreiben, das mich dieser Tage doch etwas überraschend erreicht hat. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass wir uns kennen bzw. zwischen uns eine geschäftliche Beziehung besteht. Daher war mein erster Impuls nach Öffnen Ihres Briefes, diesen ungelesen in die Tonne zu stopfen. Doch dann streifte mein Blick flüchtig Ihre Botschaft – und ich konnte nicht mehr loslassen!

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Zusätzlich hatte ich Ihnen vor einigen Wochen, am 19. August 2011, den neuen Katalog mit außergewöhnlichen Angeboten zugeschickt.
Ja genau! Erinnern Sie sich Herr Doenges! Sie hatten die Chance, diese fantastische Jacke WunderWarm zu erhalten.
Aber ich habe bis heute daraufhin keine Antwort von Ihnen erhalten, es sei denn, unsere Post hat sich gekreuzt.

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Liebe Frau Aydt, das tut mir so leid. Im August weilte ich unvorsichtigerweise anlässlich eines Urlaubsaufenthalts im Ausland. Hätte ich geahnt, dass Sie mir schreiben, gar außergewöhnliche Angebote unterbreiten würden, nie wäre ich nach Kreta geflogen! Von daher konnte ich Ihnen gar nicht antworten, auch wenn sich die Vorstellung, unsere Briefe, wenn nicht gar wir, hätten uns gekreuzt… Verzeihen Sie meine Torheit!

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Und ich mache mir Sorgen, weil Sie vielleicht meinen Brief Mitte August nicht bekommen haben.
Es würde mir nicht gefallen, wenn Sie jetzt alle Ihre Vorteile verlieren, Herr Doenges!

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Ihre Zeilen berühren mich sehr, Frau Aydt. Mein tief empfundener Dank dafür.

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Deshalb ist es mir gelungen, eine außergewöhnliche Verlängerung Ihrer Rechte hinsichtlich dieses tollen Dankeschöns und Ihrer anderen Vorteile zu veranlassen.

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Dass Sie das für mich tun! Ich bin … sprachlos und weiß im Moment wirklich nicht, wie ich Ihnen danken soll, hochverehrte Frau Aydt!

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Also warten Sie nicht länger! Senden Sie Ihren gelben Coupon, die “Verlängerung Ihrer Anrechte”, mit Ihrer Anforderung zurück.
Nur so erhalten Sie Ihre Jacke WunderWarm. Versäumen Sie auch nicht das Superangebot: den passenden, schicken Schal in der Trendfarbe Beere.

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Ja, Verehrteste, das werde ich tun. So rasch wie möglich, ach was: gleich jetzt!!

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Wenn Sie Ihre Jacke WunderWarm und den passenden, schicken Schal nicht erhalten möchten, was ich mir nicht vorstellen kann, dann schicken Sie mir die Verzichtserklärung (den grauen Coupon) zurück. Dann werde ich veranlassen, dass eine andere Person Ihre Jacke WunderWarm und Ihre Vorteile bekommt.

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NEIN! Bitte, tun Sie das nicht, Frau Aydt! Ich gehorche! Ich will! Unbedingt! ICH WILL!

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Und zusätzlich können Sie bald den absoluten Kaffee-Genuss genießen!
Voll automatisch und traumhaft lecker!

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Äääh… Moment. Wieso Kaffee? Kaffee-Ge-was? Wie? Was hat denn…

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Gratis für die schnellsten Einsender: Einen Kaffeevollautomaten von Bosch!
Ja, es ist wirklich wahr, Sie erhalten einen Kaffeevollautomaten, wenn Sie einer unserer ernannten Gewinner sind!

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Oh.
Ach so…
Es gibt also auch noch … andere Gewinner. Außer mir.
Ihre Botschaft … hatte mir das Gefühl vermittelt, ich sei der einzige. Ausgewählt von Ihnen und Ihren zarten Händen… Dem ist ja dann wohl… nicht so?

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Ich hoffe, dass ich schnell Nachricht von Ihnen erhalte. Aber falls sich unsere Post gekreuzt hat, machen Sie sich keine Sorgen. Ihr Auftrag wird zweifellos mit Vorrang behandelt.

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Ich mache mir keine Sorgen, ich mache mir Gedanken. Etwa darüber, wie viele (vermutlich ältere) Ihrer Kunden auf dieses Schreiben reagieren werden. Darüber, wo meine persönliche Schamgrenze liegen würde, müsste ich als Marketingmensch solche Werbebriefe formulieren. Und darüber, wer sich eigentlich diesen bescheuerten Namen für diese billige Vollsynthetik-Jacke ausgedacht hat.

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Mit freundlichen Grüßen, Gudrun Aydt, Geschäftsleitung

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Sie mich auch. Ich empfehle mich. Robert Dönges, Gelegenheits-Blogger

Die Jacke WunderWarm: das Wunschobjekt (ohne Inhalt) Foto: 3pagen.de

Das Wunschobjekt: Die Jacke WunderWarm (ohne Inhalt) Foto: 3pagen.de

30. September 2011

Hier werden Sie gesurft

Telekom-Werbung

Jetzt surfen Telekom Kunden??

Ahnung von Rechtschreibung zu haben, das ist eine aussterbende Begabung. Das Schild “Autoreperatur” am Straßenrand, die Aufschrift “Vöringen” auf dem Firmenauto, die Schreibweise “DaimlerChrysler”, mit der krampfhaft verbunden wurde, was weder inhaltlich noch formal zueinander gepasst hat, das FeministInnen-Kauderwesch, die Lücken Frei Lass Schreibweise: alles Käse.

Großen Käse verzapfen im Moment mal wieder die Werbetexter der Telekom. Für das iPad 2 werben sie mit dem Spruch “Jetzt surfen Telekom Kunden zum Nulltarif.” Vermutlich ist gemeint, dass die Kunden surfen sollen (wer auch sonst?). Aber dann müsste es “Telekom-Kunden” heißen, die Wörter also mit einem Bindestrich verbunden werden (der heißt deshalb auch so). Oder “Telekomkunden”, zusammengeschrieben ohne Bindestrich.

Der gelegentlich als – natürlich rein subjektiv – merkwürdig empfundene Umgang der Telekom mit ihren Kunden könnte natürlich auch etwas anderes implizieren. Dass nämlich die Telekom mit ihren Kunden surfen will. Dem Pluralis Majestatis Telekom das Pluralprädikat “surfen” voranzustellen, das ergibt in dem Zusammenhang durchaus Sinn: Ihre Majestät, die Telekom, surfen ihre Kunden zum Nulltarif.

Zugestanden, jemanden zu surfen ist inhaltlich nicht sehr gehaltvoll. Neuhochdeutsch: Mangel an Content. Aber wer kann zum Nulltarif schon Content verlangen? (Außer der Piratenpartei . . .). Dennoch scheint diese Interpretation des Werbetextes die glaubhaftere zu sein, würde ein so geschätztes Unternehmen wie die Telekom ihren Kunden doch nicht das falsche Versprechen geben, sie könnten kostenlos surfen.  Andererseits: Ein bisschen klingt die Aussicht, “Jetzt surfen Telekom Kunden” eher wie eine Drohung; wer weiß, was die unter Surfen verstehen. Surfen essen Kunden auf, wie Rainer Werner Fassbinder sagen würde.

Aber vielleicht ist das alles zu weit gedacht und die Werbetexter der Telekom sind gelernte Baden-Württemberger. Oder sie halten Sprachmüll (oder Müll Sprache?) einfach für cool. Wie auch immer: Mir stellt sich die Frage, weshalb die Wörter auf der Homepage der Telekom richtig geschrieben sind – von der “App-Idee” bis zum “F.A.Z.-Institut” – und in den Anzeigen Un fug ver zapft wird.

29. Juni 2011

Süße Sushi

Category: Essen und Kochen,Journalismus und Internet — Tags: , , , – Robert Dönges @ 11:13

Ich mag Sushi. Manchmal. Je nach Tagesform und Magenzustand (gab’s morgens Frühstück oder doch nur wieder ‘nen doppelten Espresso) schmeckt das japanische Fingerfood entweder superlecker. Oder nach dem, was es ist: kalter Klebreis mit totem, rohem Fisch. Für Asiaten wahrscheinlich vergleichbar mit hiesigen Spezialitäten wie hartgekochtem Ei in Aspik. Auch das ist Geschmackssache. Gar nicht streiten dagegen lässt sich über diesen Werbeclip. Der ist nämlich echt süß. Vor allem sie.