Fremder, kommst Du nach Ulm, so sei gewarnt: Dir droht Gefahr! Die Menschen hier bewegen ihre Fuhrwerke anders, als Du es gewohnt bist, und an einer Stelle ihrer Stadt haben sie ein Monument erbaut, das nicht der Verkehrsführung, sondern vielmehr dem Erhalt der örtlichen Autowerkstätten dient: den Blaubeurer Ring!
Der Blaubeurer Ring in Ulm (Luftbild: Google) - groß klicken!
Es vergeht kaum ein Tag, an dem es auf dem zweispurigen Kreisverkehr nicht kracht. Hier, am Knotenpunkt der Bundesstraßen 10, 19 und 28, den zwei innerstädtischen Verkehrsachsen Karl- und Blaubeurer Straße und der Zufahrt zur A 8, kulminieren die Existenzberechtigungen von Polizeiarbeit, Kfz-Reparaturen, Abschleppdiensten, Neuwagenverkäufern, Versicherungsunternehmen und Ulmer Stadtkämmerer.
Tatsächlich ist der Blaubeurer Ring seit Jahren als Unfallschwerpunkt der Stadt bekannt. Was sich, bzw. woran, die Verkehrsplaner damals gedacht haben, als sie diese Schnittstelle konzipierten!? Die Gefahrenstellen im Einzelnen:
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Man kommt von der B 28 (Blaubeurer Straße, auf dem Foto links) und will in die Innenstadt, also einmal halb um den Kreisverkehr herum. An der Einmündung zum Kreisel gilt es, die Vorfahrt zu achten: Von oben, von der B 10/Autobahn oder der B 19 her kommend, flitzen die Karossen heran, die in die gleiche Richtung wollen – oder gleich darauf scharf abbremsen, weil sich auf der unteren Zufahrt zur B 10 der Verkehr staut. Wer jetzt nicht aufpasst, nur mit ungeduldigem Blick nach links die Verkehrslücke nutzt, Gas gibt und mit quitschenden Reifen nach rechts abbiegt, der knallt ins Heck des stehenden Vordermanns.
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Zwar führen beide Spuren des Kreisels weiter Richtung Innenstadt (B 19, auf dem Foto rechts) – zur Auffahrt der B 10 in Richtung A 8 jedoch nur der linke, innere Streifen! Das indes erwartet kaum ein Ortsunkundiger, egal, ob Kleinwagen- oder Lasterfahrer. In der Folge passieren hier die meisten Unfälle, weil der rechts Fahrende dem links Fahrenden, der den Kreisverkehr verlassen will, die Vorfahrt nimmt. Karambolagenvariante Zwo: Wer von unten her in den Kreisverkehr einfahren will, unterschätzt das Tempo und die Absicht der auf der inneren Spur heranbrausenden Autos. Die Folge: scharfes Abbremsen, Kollision, stehende Autos – und 30 Meter weiter hinten, an Gefahrenstelle 1, knallt es deswegen auch gleich wieder.
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Wer beide Gefahrenstellen glücklich überwunden hat und und nun aus dem Kreisverkehr fröhlich heraus in die Karlstraße (B 19) Richtung Innenstadt beschleunigt, den erwartet die nächste Überraschung: das neue Passfoto. Denn genau hier, 20 Meter hinterm Kreisverkehr, steht ein stationärer Blitzer. Er düfte einer der ertragreichsten der ganzen Republik sein. Und ist der perfide Abschluss einer skrupellosen Verkehrsplanung. Läge Ulm am Meer, fiele diese Falle unter aktive Strandräuberei.
Drei spontane Gedanken zum unten abgebildeten Foto – bitte wählen Sie die eine Erklärung aus, die Ihnen am plausibelsten erscheint:
1. Wer behauptet, dass Frauen nicht einparken können?! Männer sind nicht in der Lage, angemessen große Parkflächen auf den Asphalt zu malen!
2. Wer gerne wissen möchte, was eigentlich aus Mandy so geworden ist: Es geht ihr gut. Sie lernt derzeit korrektes Einparken.
3. Wer sich dagegen fragt, was Mandy aus der Kamera des Fotografen gemacht hat, nachdem er dieses Bild ihrer Parkkünste veröffentlicht hat, der klicke hier.
Schon, als ich vor wenigen Monaten meiner Verwunderung über hiesige Verhaltensweisen im Straßenverkehr Ausdruck gab, war mir insgeheim klar: du bist nicht allein!
Heute nun erreichte die Südwest Presse der Leserbrief eines weiteren Frisch-Ulmers (Neu-Ulmer kann ich aus landsmannschaftlichen Gründen nicht schreiben), der zwar seinem Ärger Luft macht, diesen allerdings nicht in der Zeitung veröffentlicht haben mag. Auch möchte er anonym bleiben; ein Gefallen, dem wir Herrn G. gerne tun. Wir dokumentieren sein Schreiben in Auszügen:
Als “Neigschmeckter” wundert mich dieses Verhalten des Herren, der eine Delle in das vermeintliche “Feindauto” getreten hat, überhaupt nicht. Hier in der Region herrscht ein manischer – und zum Teil schon pathologischer – Zwang bei einigen Autofahrern, völlig enthirnt andere Autofahrer mit aller Gewalt überholen zu müssen – und sei es ganz kurz vor einer roten Ampel. Hauptsache, der geneigte Ulmer/Neu-Ulmer kann sich so einen Vorteil in Form einer Pkw-Länge herausfahren, ganz egal, wie hirnrissig dieser Überholvorgang ist. Und wehe, man kommt solchen Zwangshandelnden in die Quere…
Besonders ist mir als gebürtiger Süd-Niedersachse die massive Aggression hier im Strassenverkehr aufgefallen: Da wird gedrängelt und genötigt, dass man glaubt, mitten in einer Psychiatrie gelandet zu sein. Das grundlegende Problem ist, dass sich gefühlte 80 Prozent vernünftig verhalten, während sich gefühlte 20 Prozent im Strassenverkehr wie die letzten – man entschuldige den Ausdruck – Arschlöcher benehmen.
Letzterer These erlaube ich mir in Teilen zu widersprechen: Schliessmuskelöffnungen auf den Straßen sind kein ulm-spezifisches Problem, sondern über die Grenzen der Donaustadt hinaus weit verbreitet. Beweise? Das Internet ist voll davon.
Ulm hat nicht nur den höchsten Kirchturm der Welt, Ulm ist auch Produktionsstandort für Automobile. Hier werden große und teure Karossen gebaut – richtig große: Die dicken Brummis von Iveco brettern seit 1975 über die Kontinente und genießen rund um den Globus Ansehen.
Ein neues Sondermodell der norditalienischen Lkw-Bauer aus dem Donautal wird nun dafür sorgen, dass der Name “Ulm” bald auf allen Fernstraßen dieser Erde ein Begriff sein wird. Fette 450 PS, Zwölf-Gang-Getriebe, Retarder, Standheizung, Klimaanlage, ein zusätzliches Bett in der Fahrerkabine – und das alles für netto nur 78.700 Euro. Zum Vergleich: Dafür bekäme man in Stuttgart-Zuffenhausen noch nicht einmal einen einfachen Carrera, den billigsten 911er.
Der erwachsene PS-Gigant aus der Donaustadt bietet jedoch für weniger Geld nicht nur deutlich mehr Material als das flache PS-Spielzeug aus Zuffenhausen. Er wartet auch auf mit, obacht, jetzt Werbetext: den “Tugenden eines echten Schwaben: sparsam, vielseitig, äußerst leistungsorientiert”. An rächter Ulmer, halt.
Bayerisches Idyll als Hort der Widerspenstigen (Foto: wullenstetten.de)
Wullenstetten? Ein Nest Dorf von 3400 Einwohnern (Stand: 2004), liegt in Bayern, ist ein Ortstteil von Senden und offensichtlich ein Hort zivilen Widerstands. Und das in einem Landstrich, wo ein Polizist noch Vollzugsbeamter genannt wird und nicht Bulle.
In Wullenstetten also hatte am Wochenende eine Vollzugsbeamteneinheit die hehre Absicht, im Sinne der Geschwindigkeitsbegrenzung nächtens eine mobile Blitzanlage in der Römerstraße, der örtlichen Hauptstraße, aufzubauen. Der Versuch indes scheiterte am massiven Einspruch (“Unverschämtheit! Abzocke!”) dreier Anwohner. Sie beharrten vehement darauf, dass die Beamten ihre Einfahrt verlassen sollten.
Zu Recht, denn: “Ein Fuß des Gerätedreibeins stand nämlich nicht auf öffentlichem Grund und Boden, sondern auf deren Grundstück”, teilte die Polizei am Montag mit. Klingt nach einem klassischen Fall von Platzverweis – den doch sonst üblicherweise die Ordnungsmacht erteilt… Dumm gestanden.
“Um weiteren Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen”, heißt es tapfer in der Pressemeldung, hätten die Beamten ihre Messstelle verlegt. “Dem Erfolg der Messung tat dies keinen Abbruch, da auch an der neuen Stelle eine ganze Reihe nicht unerheblicher Verstöße festgestellt wurden.”
So, so. Da hat ja wohl der Wunsch als Vater des Gedankens die Tastatur betätigt: Die Formulierung “eine ganze Reihe nicht unerheblicher” klingt eher wie eine Allegorie denn wie eine Erfolgsmeldung. In Wahrheit wird der neue Standort der Radaranlage in der breiten Römerstraße die potentiellen Blitzeropfer wohl kaum noch gejuckt haben.
Höchstens so viel, wie die widerborstigen Wullenstetter der mahnende Finger der Polizeipressestelle kratzen dürfte, die abschließend formulierte: “Es bleibt zu hoffen, dass die Gegner der Geschwindigkeitsüberwachung von Schäden durch Raser verschont bleiben.” Ein frommer Wunsch.