4. Januar 2012
Das Santa Marta ist eine der Bars, in denen der Straßenkünstler neben dem Schlipsträger sitzt, ohne dass der eine dem anderen auffällt. Am hafennahen Ende der Strandpromenade von Barcelona gelegen, hebt sich das Lokal sowohl preislich als auch optisch von vielen anderen Restaurants im früheren Fischerviertel Barceloneta ab. Die Stühle sind aus Kunststoff, die Tischdecken aus Plastik und die Bedienungen gepierct. Unprätentiös ist vermutlich das Attribut, das den Stil und die Stimmung und die Gäste des Santa Marta am treffendsten beschreibt.
Wer hier Platz nimmt, hat Muße mitgebracht. Tagsüber sitzt man draußen, knabbert an seinem Tostada, blinzelt in die Sonne und schaut über den freien Platz aufs Meer hinaus. Ruhe. Chillaxen. Kein Stress. Wärme. Für den Nordeuropäer, der deutlich kälteres Wetter gewöhnt ist, besonders im Winter ein Genuss.
Das Publikum ist international gemischt. Am Wochenende schlürfen eher Einheimische ihren Café con Leche in der Carrer de Grau i Torras 59; werktags sind die ausländischen Studenten und Touristen, die im Viertel übernachten, in der Überzahl. Viele von ihnen sind deutsch; angenehm überrascht, dass man es ihnen meistens nicht gleich ansieht. Ein Indiz für den fremdländischen Gast jedoch ist der Rollkoffer, der neben dem Tisch steht. Er ist Beleg dafür, dass der Tourist spätvormittags das Zimmer räumen musste, sein Flieger aber erst am Nachmittag geht.
Wahrscheinlich ist auch das Santa Marta ein Straßencafe wie viele andere. Vielleicht bewirkt nur Sentimentalität, dass es die Erinnerung verklärt. Doch beobachteten wir in jenen Tagen, in denen wir dort saßen, etwas Außergewöhnliches: Fast jeder der Gäste kehrte zurück, weil er etwas im Santa Marta vergessen hatte. Die junge Mutter mit dem Kinderwagen die Milchflasche ihres Babies. Die Dame vom Nachbartisch ihren Seidenschal. Der Banker im Anzug seinen Autoschlüssel. Der andere seine Zigaretten und sein Zippo.
Wir haben hier nur die Zeit vergessen.

Alles ruhig in der Wintersonne vorm "Santa Marta" im Stadtteil Barceloneta
12. August 2011
Es ist zuletzt etwas still geworden in diesem Blog. Und es wird hier noch stiller: In wenigen Minuten werde ich meinen Rechner ausschalten, mich bei Facebook, Twitter und Google+ ausloggen und “Ade!” schreiben. Die Abschiedsposts sind bereits formuliert, die meisten Newsletter schon abgestellt, die Benachrichtigungsmails verschickt und der Abwesenheitsassistent ist eingerichtet.
Urlaub. Drei Wochen Ruhe.
Keine Mails, keine Statusnachrichten, keine Anfragen, keine SMS. Stattdessen werde ich mich um meine Familie kümmern. Und im Meer baden. Vielleicht gehe ich auch ein wenig tauchen. Oder jagen. Oder reiten. Obwohl: Es gibt da einen prominenten Urlauber, der macht das alles sehr viel besser, als ich es je könnte. Deutlich… medienbewusster, nicht zu sagen: pressegeiler. Womöglich bloggt er auch noch?!
Ich dagegen habe jetzt pressefrei. In diesem Sinne: Ade.

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2011 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2009 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2007 - Foto: dpa
Nachtrag, 14.09.2011 (mit Dank an @ubermarkus für den Linktipp):
Die US-amerikanische Zeitschrift “The Atlantic” hat noch viel mehr beeindruckende Bilder vom “Action Man” im Archiv gefunden – http://www.theatlantic.com/infocus/2011/09/vladimir-putin-action-man/100147/
14. September 2010
Am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub fallen die Unterschiede zwischen dort, Ferien, und hier, Job, besonders gravierend aus. Angefangen von der Dunkelheit, die einen plötzlich morgens beim Aufstehen umgibt, über die Außentemperatur, die gefühlt um weitere 20 Kelvin unter der tatsächlichen liegt, hin zur Atemluft, die nicht mehr frisch nach See und Pinienduft riecht, sondern muffig nach Büro, Teppich und Toner.
Aber so ist es halt, wenn man vom Hochsommer Kretas in den Frühwinter auf der Schwäbischen Alb wechselt.
In aller Konsequenz bedeutet das für dieses Jahr: Nie wieder barfuß draußen laufen können. T-Shirts nur noch unterm Pullover. Im Wagen läuft die Heizung statt der Klimaanlage. Die angebrochene After-Sun-Lotion wandert in den Müll, da sie 2011 ohnehin abläuft. Und was ist mit Grillen – barbrüstig, Sonnenbrille, Bier in der Hand?
Vielleicht mal kommendes Jahr wieder. Wie hoffentlich auch der nächste Urlaub.

Ziemlich frisch, heute. Dienstag, 14. September 2010, 8 Uhr morgens.
21. Juni 2010
Die eine Hälfte der Bevölkerung meiner zweiten Heimat freut sich wie Bolle: Barack Obama, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, soll in diesem Sommer Urlaub auf Kreta machen! Vermeldet zumindest die deutschsprachige “Griechenland Zeitung” in Athen. Alexi Giannoulias, Schatzmeister des US-Staates Illinois und Mitarbeiter Obamas, habe den US-Präsidenten nach Hóra Sfakíon (auch: Sfakiá) auf der Südseite der Insel eingeladen.
Der Hintergrund: Giannoulias’ Mutter stammt aus Chania, der größten Stadt in der Nähe (übrigens genau so wie Yannis Anastassakis, der Vater der US-Schauspielerin Jennifer Aniston); früher lebte die Familie im Sommer hier, in der größten Gemeinde der Präfektur Chania.
In Hóra Sfakíon legt außerdem die Fähre nach Loutro ab, den Ort, an dem sogar ein Präsident seine Urlaubsruhe findet: keine Straßen, kaum Infrastruktur, wunderschön gelegen in einer idyllischen Naturbucht, abgeschlossen vom Rest der Welt und nur per pedes (zwei Stunden Fußmarsch über die Berge) oder per Wassertaxi zu erreichen. Ich weiß das. Ich war da schon mal. In diesem abgelegenen Winkel der Insel wird sich Familie Obama garantiert ein paar Tage erholen können.
Ach so: Die andere Hälfte Kretas glaubt das Gerücht natürlich nicht.

Das Örtchen Loutro im Süden der Insel Kreta
21. Mai 2010
Von Bord der Internationalen Raumstation ISS aus sendet der japanische Langzeit-Astronaut Soichi Noguchi täglich tolle Aufnahmen aus dem Weltall. So wie dieses eindrucksvolle Foto hier. Griechenland ist zwar pleite. Aber schön!
Und eine der schönsten Gegenden Hellas’ liegt auf dem großen Filetstück im Vordergrund. Genauer gesagt, auf der Halbinsel Akrotiri nahe der Stadt Chania im Westen der Insel. Um exakt zu sein: hier. Dort lebe ich. Als Teilzeitkreter.

Griechenland von ganz weit oben. Im Vordergrund unten: die Insel Kreta
Weitere wunderbare Bilder vom Astronauten Soichi Noguchi (alias Astro_Soichi) hier.