24. April 2012

Ulms fiese Fremden-Falle

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , , , , – Robert Dönges @ 18:12

Fremder, kommst Du nach Ulm, so sei gewarnt: Dir droht Gefahr! Die Menschen hier bewegen ihre Fuhrwerke anders, als Du es gewohnt bist, und an einer Stelle ihrer Stadt haben sie ein Monument erbaut, das nicht der Verkehrsführung, sondern vielmehr dem Erhalt der örtlichen Autowerkstätten dient: den Blaubeurer Ring!

Der Blaubeurer Ring in Ulm (Luftbild: Google) - groß klicken!

Der Blaubeurer Ring in Ulm (Luftbild: Google) - groß klicken!

Es vergeht kaum ein Tag, an dem es auf dem zweispurigen Kreisverkehr nicht kracht. Hier, am Knotenpunkt der Bundesstraßen 10, 19 und 28, den zwei innerstädtischen Verkehrsachsen Karl- und Blaubeurer Straße und der Zufahrt zur A 8, kulminieren die Existenzberechtigungen von Polizeiarbeit, Kfz-Reparaturen, Abschleppdiensten, Neuwagenverkäufern, Versicherungsunternehmen und Ulmer Stadtkämmerer.

Tatsächlich ist der Blaubeurer Ring seit Jahren als Unfallschwerpunkt der Stadt bekannt. Was sich, bzw. woran, die Verkehrsplaner damals gedacht haben, als sie diese Schnittstelle konzipierten!? Die Gefahrenstellen im Einzelnen:

1
Man kommt von der B 28 (Blaubeurer Straße, auf dem Foto links) und will in die Innenstadt, also einmal halb um den Kreisverkehr herum. An der Einmündung zum Kreisel gilt es, die Vorfahrt zu achten: Von oben, von der B 10/Autobahn oder der B 19 her kommend, flitzen die Karossen heran, die in die gleiche Richtung wollen – oder gleich darauf scharf abbremsen, weil sich auf der unteren Zufahrt zur B 10 der Verkehr staut. Wer jetzt nicht aufpasst, nur mit ungeduldigem Blick nach links die Verkehrslücke nutzt, Gas gibt und mit quitschenden Reifen nach rechts abbiegt, der knallt ins Heck des stehenden Vordermanns.

2
Zwar führen beide Spuren des Kreisels weiter Richtung Innenstadt (B 19, auf dem Foto rechts) – zur Auffahrt der B 10 in Richtung A 8 jedoch nur der linke, innere Streifen! Das indes erwartet kaum ein Ortsunkundiger, egal, ob Kleinwagen- oder Lasterfahrer. In der Folge passieren hier die meisten Unfälle, weil der rechts Fahrende dem links Fahrenden, der den Kreisverkehr verlassen will, die Vorfahrt nimmt. Karambolagenvariante Zwo: Wer von unten her in den Kreisverkehr einfahren will, unterschätzt das Tempo und die Absicht der auf der inneren Spur heranbrausenden Autos. Die Folge: scharfes Abbremsen, Kollision, stehende Autos – und 30 Meter weiter hinten, an Gefahrenstelle 1, knallt es deswegen auch gleich wieder.

3
Wer beide Gefahrenstellen glücklich überwunden hat und und nun aus dem Kreisverkehr fröhlich heraus in die Karlstraße (B 19) Richtung Innenstadt beschleunigt, den erwartet die nächste Überraschung: das neue Passfoto. Denn genau hier, 20 Meter hinterm Kreisverkehr, steht ein stationärer Blitzer. Er düfte einer der ertragreichsten der ganzen Republik sein. Und ist der perfide Abschluss einer skrupellosen Verkehrsplanung. Läge Ulm am Meer, fiele diese Falle unter aktive Strandräuberei.

18. April 2012

Geronten-Treffen

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , , , , – Robert Dönges @ 15:06

Plakat gesehen, grinsen müssen. Handy gezückt, Foto geschossen. Sicherer Blog-Stoff. Und würde ich meinem ersten Impuls folgen, würden sich die folgenden Zeilen mit schnellen Assoziationen zu Geronten, Gebißreinigern, Rollatoren-Versammlung, Tena-Warenprobenverteilung und Klassentreffen der Vorkriegsjahrgänge füllen.

Das wäre leicht zu schreiben, schnell zu lesen und vielleicht ungerecht?

Zweiter Impuls: nachdenken. Seltsamerweise kenne ich die drei auf dem Foto ja alle. Max Greger ist der mit der Bigband. Hugo Strasser hatte ein Tanzorchester. Und Paulchen Kuhn ist “der Mann am Klavier” mit der charakteristischen Zahnlücke. In meiner diffusen Erinnerung gesellen sich dazu Joachim Kulenkampff, Peter Frankenfeld und Hans Rosenthal. Gute, alte TV-Zeiten. Damals, in den 70ern… (als das Fernsehen nur aus ARD, ZDF und einem Dritten bestand, die Fernbedienung die Beine der Kinder waren und das Programm weit vor Mitternacht mit der Nationalhymne endete).

Zurück im Büro google ich alle drei Musiker. Max Greger, geboren 1926, nahm zwischen 1955 und 1977 über 3000 verschiedene Titel auf Schallplatte auf. Hugo Strasser, geboren 1922, hat von 1966 bis 1996 jedes Jahr mindestens eine Platte produziert. Paul Kuhn, geboren 1928, gilt als Jazz-Pianist, komponierte unter anderem die Kirmeszelt-Hymne “Es gibt kein Bier auf Hawaii” (jetzt bitte nicht ins Summen verfallen!). Jeder von ihnen hat zig Millionen Platten verkauft. Damals, als man tatsächlich noch Platten gekauft hat.

Max Greger ist 86 Jahre alt, Hugo Strasser gerade 90 geworden, Paul Kuhn zählt 84 Lenze. Macht zusammen geballte 260 Jahre Lebens- und Musikerfahrung. Seit Sommer 2000 touren die drei Herren zusammen mit der SWR Big Band als Swing Legenden durch die Lande und machen das hier.

Dritter Impuls: Ich denke, der untadelige Begriff Geronten trifft es doch.

4. April 2012

Hasenbobbel

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 17:15

Jahrzehntelang galt er als beinahe ausgestorben, überlebte nur in der Werkzeugkiste und fristete ansonsten, in freier Wildbahn, ein Nischendasein als Pointe in alten Mantafahrer-Witzsammlungen. Doch nun scheint sich seine Popularität zu erholen, ist er entlang der Donau wieder auf dem Vormarsch: der Fuchsschwanz.

Dies ist die Auslegware im Schaufenster eines Ulmer Pelzhauses. Was im ersten Moment an ausgestopfte Meerschweinchen erinnert und im zweiten an langmähnige Seeigel, sind in Wirklichkeit verschiedenfarbige Fellknödel, schlicht “Bommel” genannt. Als Bommel (auch Plümmel, Bolle, Boppel oder Pompon) bezeichnet man laut Wikipedia textile Schmuckelemente ohne eine eigenständige Funktion (Posamente).

Gefertigt aus Kaninchen- oder Fuchsfell, finden die poussierlichen Kugeln Verwendung als Zierde an Mützen, Reissverschlüssen oder Schlüsselanhängern. Das erklärt, warum sie zum Teil mit Lederschlaufe versehen sind. Spätestens hier schließt sich der Kreis zum historischen (80er Jahre!) Fuchsschwanz. Wenn jetzt noch die Opel AG eine moderne Version ihres berühmten Sportcoupés auf den Markt wirft…

2. April 2012

Stilblüten

Category: In Ulm und um Ulm,Journalismus und Internet — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 15:18

Seit zwei Jahren schreiben wir nun schon dieses Blog. Aber an den Klassiker für eine Redaktion, nämlich ungewollt schräge Formulierungen, hat während dieser Zeit noch keiner von uns gedacht. Dabei finden sich manchmal richtig schöne Stilblüten in den Publikationen (leider auch in unseren).

Nicht nur die Brause mit Taurin verleiht Flügel:
“Drei junge Männer aufgeflogen…”
(Aus der Unterzeile des Artikels “Drogentreff in Garage eingerichtet”, Südwest Presse, Printausgabe, 17.03.2012, Seite 17)

Übermäßiger Alkoholgenuss lässt einen Helikopter Beistand leisten:
“Rettungshubschrauber hilft 28-Jähriger nach vier Flaschen Wodka”

(Überschrift eines Artikel in der Online-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung, hz-online.de, 7.3.2012)

Pädagogen wagen mit spitzen Fingern die Temperaturprobe:
“Denn insbesondere das kalte Wasser, in das Lehrer geworfen werden, wenn sie einen kranken Kollegen ersetzen sollen, erfordere viel Fingerspitzengefühl …”
(Aus dem Print-Artikel “Student statt Lehrer“, Neu-Ulmer Zeitung, 10./11.03.2012)

Gewagte, hochenergetische Metapher, das:
“Nach einer Stunde nahm der Spannungsbogen wieder Fahrt auf.”
(Aus dem Print-Artikel “Die Lage bleibt günstig“, Südwest Presse, 2.4.2012)

Man kann schon Platz, wenn kürzt:
“Renaturierung. Mit der Säge wurden Sex-Touristen die Verstecke madig zu machen. Keine Feuchtgebiete, dafür flacheres Ufer. 50 Parkplätze entstehen ‘Im Steinle’ “
(Unterzeile des Print-Artikels ” ‘Porno-Island’ ist jetzt abgeholzt”, Neu-Ulmer Zeitung, 3.4.2012)

Das muss ein furchtbarer Unfall gewesen sein:
“Gutachter gespalten”
(Überschrift eines Print-Artikels, Südwest Presse, 11.04.2012, Seite 2)

20. März 2012

Geheimtipp Ulm

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 19:21

Das hat Ulm nicht verdient. Im Ruhrpott treibt eine Stimmungskanone ihr Unwesen, die mit Titeln wie “Feuer in der Nacht”, “Schick mir einen Engel”, “Adios Amor” oder auch “Im Feuerwerk deiner Liebe” reüssiert. Alle Ortsansässigen, die bereits solche Liedtitel für befremdlich halten, müssen jetzt ganz, ganz stark sein: Der Schlagersänger nennt sich Ulm. Michael Ulm.

Rund 1850 Menschen mit dem schönen Nachnamen “Ulm” leben in Deutschland, wenn man eingängigen Internet-Quellen Glauben schenken darf. Dass sich darunter zwangsweise ein, zwei schwarze Schafe verstecken, liegt innerhalb der statistischen Wahrscheinlichkeit. Klar, dass nicht jeder Ulm als Zahnarzt, Kampfpilot oder Vorstandvorsitzender Karriere machen kann. Berufe, die dem Namen zur Ehre gereichen. So, wie auch nicht jeder Gönner ein Politiker wird. Aber ausgerechnet ein Schlagerbarde? Das schmerzt.

Der Autor weiß ein Lied davon zu singen. Immerhin soll sich sein Namensvetter, Jürgen Dönges, früh ein Pseudonym zugelegt haben und seit Jahrzehnten unter “Jürgen Drews, König von Mallorca” firmieren. Das ehrt ihn – und wirft keinen billigen Schatten auf den guten Geburtsnamen.

Doch zurück zu Herrn Ulm. Auf seinem neuen Blog schreibt der 43-Jährige über sich (selbst in der dritten Person), er habe “bereits im Alter von 8 Jahren den Kontakt zur Musik” gefunden. Die Frage wo?, bleibt indes unbeantwortet. Der “geborene Autodidakt, der neben seiner Stimme auch die Instrumente Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug zum Einsatz bringen kann” sei nicht nur Sänger, sondern auch Komponist, Texter und Produzent, verfüge über eine “unverwechselbare Stimme” und eine “außergewöhnliche Bühnenpresenz” [sic]. Kein Wunder “wird der sympathische Künstler in Fachkreisen schnell als ‘Geheimtipp’ gehandelt”.

Bei soviel positiver Selbstdarstellung kommt man um eine Sangesprobe nicht herum.

Und in der Tat, erste Liedzeile: So etwas wie ihn habe ich noch nie erlebt.