10. Juli 2010
Match Day –1, so bezeichnet der offizielle Fifa-Sprachgebrauch den Tag vor einem Spiel in einem Stadion. Heute ist Match Day –1 im Johannesburger Soccer-City-Stadion vor dem großen WM-Finale am Sonntag zwischen den Niederländern und Spanien.
Im größten WM-Oval haben heute die Vorbereitungen für die Abschlussfeier begonnen. Der Rasen muss speziell abgedeckt werden, damit er keinen Schaden nimmt, wenn Künster vor der letzten Partie das Land Südafrika und die Fans feiern werden. Das ist jedenfalls das Motto der großen Abschiedsparty. Danach soll das Feuerwerk auf dem Rasen beginnen. Auf alle Fälle wird es einen neuen Weltmeister geben, denn weder Deutschlands Nachbar noch der Europameister 2008 haben die Trophäe bisher gewinnen können.
Gestern besuchte auch Shakira das Stadion, schaute sich nochmal die Gegebenheiten an. Die kolumbianische Rock-Pop-Sängerin wird bei der Abschlussfeier einmal mehr „Waka Waka“ zum Besten geben, den offiziellen WM-Song. Ihr Auftritt sei als Hommage an alle afrikanischen Frauen gedacht, die den Kontinent am Leben erhalten haben, sagte die 33-Jährige, die kein Hehl daraus machte, dass sie sich eher einen Sieg der Spanier als der Holländer wünscht.



6. Juli 2010
Jetzt geht es um die Wurst im ersten Halbfinale zwischen den Niederländern und Uruguay in Kapstadt – eine Partie, die man so in der Runde der letzten vier Mannschaften nicht unbedingt erwartet hat.
Wer also wird Gegner der deutschen Nationalmannschaft… Okay, das ist natürlich zu früh.
Die insgesamt rund 5000 Holländer im Green-Point-Stadium, in der Mehrheit nicht mit dem Wohnwagen angereist (ein kleiner Rest hat das aber tatsächlich getan/deshalb der platte Gag), haben Kapstadt einen deutlich orangefarbenen Anstrich gegeben. Da war das Himmelblau-weiß der Südamerikaner quasi nur ein dunkler Schatten. Einige Oranje-Fans haben sich vormittags am Atlantischen Ozean ausgeruht und Kraft getankt für das abendliche Spektakel (siehe Bild unten).
Einige Anhänger der Uruguayer feiern übrigens immer noch Luis Suarez, der mit dem Handspiel in der 120. Minute gegen Ghana letztlich dafür gesorgt hat, dass sein Team jetzt im Halbfinale steht. Es hat weiterhin einen bitteren Nachgeschmack.
Der Wetterdienst vermeldet 11 Grad, 65 Prozent Luftfeuchtigkeit und Wind, der mit 5 Kilometer in der Stunde weht. Das nennt man wohl gute Bedingungen.


3. Juli 2010
Deutschland gegen Argentinien, wo nur gucken in Pretoria. Die Idee, es einfach mal bei der Botschaft der Argentinier in Pretoria zu versuchen, erschien mir ideal und eine journalistische Herausforderung zu sein. Die Adresse war schnell herausgefunden: Hilda Street 440 in Hatfield, Pretoria.
Kein Problem mit einem Navigationsgerät, wenn da nur nicht die etwas andere Organisation der Hausnummern in Südafrika wäre. Was heißt schon Organisation, das System erschließt sich einfach nicht immer, sollte ich später denken.
Also hin zur Botschaft in der Hoffnung, dort vielleicht Public Viewing genießen zu gönnen bei argentinischem Bier und einem Steak. Leider hat das nicht funktioniert. Die Hilda Street hoch und runter gefahren, vier Leute auf der Straße nach der Embassy gefragt, nur Kopfschütteln und Achselzucken geerntet – und überlegt, ob denn Deutschland heute wirklich gegen Argentinien spielt? Gibt es Bielefeld wirklich?
Vielleicht dann in Soweto das Spiel anschauen. Haben Kollegen schon gemacht, ich war dann aber doch etwas zu spät dran. Immerhin hat es noch gereicht, durch die South Western Townships, die südwestlichen Wohngebiete, zu fahren. Soweto, das heute zu Johannesburg gehört, gilt seit dem Soweto-Aufstand als Sinnbild der Apartheid.
Besucht habe ich auch das Hector Pieterson Memorial. Hector Pieterson war ein südafrikanischer Schüler, der 1976 im Alter von zwölf Jahren bei einer Demonstration während des Soweto-Aufstandes erschossen wurde.
Das Fußballspiel habe ich dann auch noch gesehen und mich danach richtig auf das letzte Viertelfinale Spanien gegen Paraguay gefreut. Und das fängt gleich an.

Der sterbende Hector Pieterson

Straßenverkäufer in Soweto
1. Juli 2010
Lagerkoller? Was ist das denn? Wenn schon von offizieller Seite geleugnet wird, dass bei Mannschaften ab dem Viertelfinale einer WM Stänkereien ausbrechen, dann gilt das natürlich auch für die Journalisten-WG, in der ich die Zeit in Südafrika verbringe.
Ich wohne mit acht Kollegen von Regionalzeitungen aus Deutschland zusammen. Jeder hat natürlich ein Einzelzimmer. Morgens wird gemeinsam gefrühstückt, dann wird abgesprochen, wer wo hingeht und wie die vier Autos, die uns zur Verfügung stehen, aufgeteilt werden. Tatsächlich hat das bisher bestens funktioniert, ohne Streit, ohne Probleme. Das ist eher ungewöhnlich für eine zum Teil zufällig zusammen gekommene Gruppe von Menschen.
Wenn es die Zeit zulässt und der Last-Order-Gongschlag im „Dros“, einer Kneipe in der Nähe, noch nicht ertönt ist, gibt es noch ein Bier, ein Mineralwasser, eine Mahlzeit.
In den nächsten Tagen wird es jedoch etwas ruhiger zugehen in unserer WG. Die meisten Kollegen fliegen nach Kapstadt zum Spiel der deutschen Mannschaft. Da ich mich um den „Rest“ der WM kümmere, während sich mein Kollege Gerold Knehr jeden Tag mit dem DFB-Team beschäftigt, bleibe ich hier und gehe zu den zwei Viertelfinalpartien in Johannesburg – keine schlechte Alternative.
Eine richtige Einstimmung gibt es heute Abend. Da hat uns die Handelskammer Johannesburg eingeladen zu einem Bierabend.
28. Juni 2010
Diego Maradona und die Medien. Eine Pressekonferenz mit dem argentinischen Nationltrainer ist immer unterhaltsam. Zum Beispiel war das so nach der Achtelfinalpartie gegen Mexiko, die die Argentinier mit 3:1 gewonnen hatten.
Der Fußball-Weltverband Fifa schreibt vor, dass diese Fragestunde rund 15 Minuten nach dem Schlusspfiff beginnen soll.
Diego „die Hand Gottes“ Maradona ließ die Medienvertreter eine geschlagene Stunde warten, bis er sich dann doch die Ehre gab.
Die meisten seiner Antworten sind schlicht Floskeln. Einige Antworten sind patzig, weil der ehemalige Superstar hinter jeder Frage eine Verschwörung wittert.
Einige Antworten sind keine Antworten. Auf die Frage eines argentinischen Journalisten, was er denn zum Aufeinandertreffen mit der deutschen Nationalmannschaft sagen könne, meinte er: „Ich freue mich erst einmal über unseren heutigen Sieg, morgen denke ich dann über das Deutschland-Spiel nach. Aber wissen Sie was, schreiben Sie doch einfach, was Sie wollen. Schreiben Sie, was ich vermutlich über das Spiel denke. Das machen Sie doch sowieso.“
Als der Fifa-Offizielle die Pressekonferenz beenden wollte, fragte Maradona: „Was, das soll es schon gewesen sein?“ Und dann blieb er einfach sitzen und beantwortete weiter Fragen.
Diego Maradona: Er ist immer noch so unberechenbar wie früher als Spieler auf dem Platz, als ihm grandiose Dinge gelungen sind.
