2. April 2012
Seit zwei Jahren schreiben wir nun schon dieses Blog. Aber an den Klassiker für eine Redaktion, nämlich ungewollt schräge Formulierungen, hat während dieser Zeit noch keiner von uns gedacht. Dabei finden sich manchmal richtig schöne Stilblüten in den Publikationen (leider auch in unseren).
Nicht nur die Brause mit Taurin verleiht Flügel:
“Drei junge Männer aufgeflogen…”
(Aus der Unterzeile des Artikels “Drogentreff in Garage eingerichtet”, Südwest Presse, Printausgabe, 17.03.2012, Seite 17)
Übermäßiger Alkoholgenuss lässt einen Helikopter Beistand leisten:
“Rettungshubschrauber hilft 28-Jähriger nach vier Flaschen Wodka”
(Überschrift eines Artikel in der Online-Ausgabe der Heidenheimer Zeitung, hz-online.de, 7.3.2012)
Pädagogen wagen mit spitzen Fingern die Temperaturprobe:
“Denn insbesondere das kalte Wasser, in das Lehrer geworfen werden, wenn sie einen kranken Kollegen ersetzen sollen, erfordere viel Fingerspitzengefühl …”
(Aus dem Print-Artikel “Student statt Lehrer“, Neu-Ulmer Zeitung, 10./11.03.2012)
Gewagte, hochenergetische Metapher, das:
“Nach einer Stunde nahm der Spannungsbogen wieder Fahrt auf.”
(Aus dem Print-Artikel “Die Lage bleibt günstig“, Südwest Presse, 2.4.2012)
Man kann schon Platz, wenn kürzt:
“Renaturierung. Mit der Säge wurden Sex-Touristen die Verstecke madig zu machen. Keine Feuchtgebiete, dafür flacheres Ufer. 50 Parkplätze entstehen ‘Im Steinle’ “
(Unterzeile des Print-Artikels ” ‘Porno-Island’ ist jetzt abgeholzt”, Neu-Ulmer Zeitung, 3.4.2012)
Das muss ein furchtbarer Unfall gewesen sein:
“Gutachter gespalten”
(Überschrift eines Print-Artikels, Südwest Presse, 11.04.2012, Seite 2)
21. März 2012
Es gibt diese Tage, an denen man im einen Augenblick (fast) triumphiert und im nächsten nur die anderen noch was zu lachen haben.
Aber fangen wir vorne an. Heute wurde der seit den ersten Frühlingssonnenstrahlen gehegte Plan des Boule-Spielens in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit Kollege R. und Kollege T. wollte man die Mittagspause mit ein wenig “Alt-Herren-Sport” (ruhige Kugel schieben und so….) die Sonne genießen.
Problem 1: Die Stillosigkeit
Die Idee der Herren R. und T.: R. bringt die Kugeln mit, T. die Handtücher zum Kugeln abwischen und “Du bringst den leichten Weißwein, das Baguette, die Weintrauben und den Käse mit”. Meine Antwort: “Keine Zeit zum einkaufen, wir holen uns ‘nen belegten Semmel und fertig!”
Problem 2: Die Spielstätte
Eigentlich spielt man Boule auf Sand. Hatten wir aber nicht. Idee von Kollege R.: Wir spielen auf dem Schotterparkplatz. Die ängstlichen Blicke der Kollegen, die dort ihr Auto abgestellt hatten, brachten R. zur Besinnung. Nur gut, dass Hausmeister J. uns von einer Maulwurfplage im Innenhof-Garten der Villa berichtet hatte. Ergo: Wenn Maulwürfe (und Moos) bereits den Rasen verunstaltet haben, können es die Wurfkrater der Boule-Kugeln auch nicht mehr schlimmer machen. Gesagt, getan!
Problem 3: Frauen werden unterschätzt
Kollege R. und T. sind nun allgemeinhin nicht als Chauvis verschrieen, wenn es jedoch um den “sportlichen” Ehrgeiz geht, blitzt auch hier durch: Frauen ist nichts zu zutrauen. Ursprünglich suchten wir noch einen vierten Mitspieler. Also eigentlich einen, der es nicht kann. Den Loser! Kollege R: “Wir dachten, die Rolle übernimmst du!” AHA!
Das Spiel:
Ich will es einmal so formulieren: Obwohl die Frau als einzige Spielerin ohne Sonnenbrille angetreten ist, hat sie von Beginn an geführt. Zwischenzeitlich sogar deutlich (3-0-0 oder auch 5-3-1). Die “Männer” konnten sich irgendwie unbemerkt – nachdem der erste Schock über die frühe Führung überwunden war – herantasten (7-7-7, 8-8-8). Noch einmal ging die Frau in Führung. In der letzten Runde konnte sich Kollege T. mit einem Glückswurf noch den Sieg holen. Kollege R., der noch vor Beginn des Spiels sicher war, dass die Frau auf jeden Fall verliert, war etwas geplättet: Er hatte verloren!!!!! (Olé, olé, olé). Aber wie Männer eben so sind, wurde die Ausrede gleich nachgeliefert. “Oh, das leichte Bier war wohl doch zu viel. Außerdem war es doch schon ganz schön warm in der Sonne!” ACH!
Anmerkung für die Tierfreunde: Keiner hat mit der Boule-Kugel einen Maulwurf erwischt!
Einen Maulwurf zwar nicht, aber tierisch ging der Tag dennoch weiter:
Die Redakteurin ist neugierig und immer auf der Suche nach einer Geschichte. Da wird auch mal der Kleinanzeigenteil beackert, “vielleicht ist ja was witziges dabei”.
Die Entdeckung:
Biberschwänze abzugeben. So stand es im Mittwochsmarkt schwarz auf weiß. Ja schau’ mal an. Da schreiben wir immer über das Biberproblem und da scheint es jemand in Eigenregie (besser: Selbstjustiz) zu lösen. Ob da jemand mit den Schwänzen toter Nager handelt. Das kommt doch gleich hinter Elfenbein und Nashörnern. Skandal!
Und ab mit der Botschaft in die Redaktion. Kollege C., der gerne auch mal Glossen schreibt, hat ein Händchen für solche Geschichten. Die Idee setzt sich durch, C. meldet sich auf die Anzeige. Hmm, es nimmt niemand ab. Egal, ist eh nicht aus dem Stadtgebiet, das soll mal die Regionalredaktion bearbeiten. Kollege C. kommt schon gar nicht mehr dazu, die Geschichte der armen Biber zu erzählen, die lieben Kollegen beginnen schallend zu lachen. Warum?
Die Aufklärung:
Kollege C. und die neugierige Redakteurin, die ihm den Tipp geliefert hatte, waren wohl die einzigen, die von der Doppeldeutigkeit des Wortes “Biberschwanz” nichts gewußt hatten. Dass über eine Annonce jemand Dachziegel loswerden wollte, das konnte ja keiner (na ja, jedenfalls nicht C. und seine Kollegin) ahnen.
Da die Geschichte über die Blamage der beiden Redakteure nun keinen Platz in der Zeitung finden wird, soll sie eben hier gelesen werden!
Die Erkenntnis:
Man kann nicht alles wissen! Selbstironie gehört dann aber auch zum Geschäft!
26. Oktober 2011
Zahlenangaben aus einem Agenturartikel (dapd) vom 26. Oktober:
Die letzte große Atombombe der USA sei jetzt demontiert worden, sie “hatte eine Sprengkraft von neun Megatonnen und war damit 600 mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima”. Drei Absätze weiter: “Auf Hiroshima warfen die USA zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Atombombe von 1,5 Megatonnen ab.”
Wir tun das, was jede Redaktion mit Zahlenangaben machen muss: prüfen. Also: 9 Megatonnen geteilt durch 600 macht 15 Kilotonnen. Nicht 1,5 Megatonnen. Den Widerspruch lösen wir auf, indem wir ins Internet schauen. Ergebnis: “Little Boy”, wie die Hiroshima-Bombe genannt wurde, hatte eine Sprengkraft von um die 15 Kilotonnen des Sprengstoffs TNT.
Die Redaktion schreibt also “Sprengkraft von 15 Kilotonnen” und fügt auch die Einheit, nämlich TNT, hinzu. Theoretisch tut sie also ihren Job. Die Wirklichkeit sieht anders aus, der Blick ins Internet frustriert: Ob FAZ.net, welt.de, derwesten.de und mehr (Stand 12.16 Uhr), die dapd-Meldung wird mit Fehler übernommen.
Eine andere Version bringen stern.de, freiepresse.de und andere, sie basiert auf einem Text der Nachrichtenagentur afp und ist nicht besser: “eine Sprengkraft von neun Megatonnen – ein Hundertfaches der Atombombe von Hiroshima.” Frage: Sind 9 Mt das Hundertfache von 1,5 Mt oder von 15 kt?
Auf die Gefahr, dass ich mich auf kurzer Strecke wiederhole: Wir tun das, was jede Redaktion mit Zahlenangaben machen muss: prüfen! Mal sehen, was am 27. Oktober in den Printausgaben steht.
3. Mai 2011
Es ist ungewohnt ruhig in der Redaktion. Kein Wunder – ist ja auch kaum einer da. Die schreibende Belegschaft des Mutterschiffs streikt, das heißt, ein Teil der KollegInnen befindet sich mit rund 400 anderen Redakteuren aus Baden-Württemberg auf der Kundgebung der Gewerkschaft in Stuttgart. Der andere Teil hat rechtzeitig einen Urlaubsantrag eingereicht.
Und dann gibt es noch die Volontäre, die laut Ausbildungsstatut nicht streiken dürfen, sowie die so genannten Funktioner (Chefredaktion, Ressortleiter, Chefs vom Dienst, u.a.) von denen erwartet wird, dass sie nicht in den Ausstand gehen, sondern eine Zeitung zusammenbauen. Keine Notausgabe, aber, abgestimmt auf die Personalverhältnisse des heutigen Tages, eine Ausgabe mit verringertem Umfang.
Dennoch werden 24 20 aktuelle Seiten zusammen kommen, gefüllt mit den wichtigsten Infos der vergangenen Stunden und ergänzt um ein, zwei Erzählgeschichten aus dem Fundus, der im Redaktionsdeutsch “Stehsatz” heißt. Vermutlich sogar würde dem Gros der Leserschaft der Streik entgehen, würde er nicht mit einem kurzen Hinweis auf der morgigen Titelseite thematisiert.
Nicht im Ausstand sind übrigens die Onliner – für die ist der heutige ein ganz normaler Arbeitstag. Wie gewohnt. Heute, am Gedenktag der internationalen Pressefreiheit.
6. April 2011
Das wird die Arbeit in den Redaktionen der Republik revolutionieren: Mit seiner jüngsten Entwicklung “Typescreen” hat Apple endlich die Brücke schlagen können zwischen Tradition und Moderne, zwischen Konservativen und Progressiven, zwischen Holz(medium)köpfen und Digital Natives – die iPad-Erweiterung “Olympia” ist da!

Dumm nur, dass es sich dabei um einen Aprilscherz handelt… (via @isilayerol)