26. Oktober 2011

Zahlenangaben muss man prüfen . . !

Zahlenangaben aus einem Agenturartikel (dapd) vom 26. Oktober:

Die letzte große Atombombe der USA sei jetzt demontiert worden, sie “hatte eine Sprengkraft von neun Megatonnen und war damit 600 mal so stark wie die Atombombe von Hiroshima”. Drei Absätze weiter: “Auf Hiroshima warfen die USA zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine Atombombe von 1,5 Megatonnen ab.”

Wir tun das, was jede Redaktion mit Zahlenangaben machen muss: prüfen. Also: 9 Megatonnen geteilt durch 600 macht 15 Kilotonnen. Nicht 1,5 Megatonnen. Den Widerspruch lösen wir auf, indem wir ins Internet schauen. Ergebnis: “Little Boy”, wie die Hiroshima-Bombe genannt wurde, hatte eine Sprengkraft von um die 15 Kilotonnen des Sprengstoffs TNT.

Die Redaktion schreibt also “Sprengkraft von 15 Kilotonnen” und fügt auch die Einheit, nämlich TNT, hinzu. Theoretisch tut sie also ihren Job. Die Wirklichkeit sieht anders aus, der Blick ins Internet frustriert: Ob FAZ.net, welt.de, derwesten.de und mehr (Stand 12.16 Uhr), die dapd-Meldung wird mit Fehler übernommen.

Eine andere Version bringen stern.de, freiepresse.de und andere, sie basiert auf einem Text der Nachrichtenagentur afp und ist nicht besser: “eine Sprengkraft von neun Megatonnen – ein Hundertfaches der Atombombe von Hiroshima.” Frage: Sind 9 Mt das Hundertfache von 1,5 Mt oder von 15 kt?

Auf die Gefahr, dass ich mich auf kurzer Strecke wiederhole: Wir tun das, was jede Redaktion mit Zahlenangaben machen muss: prüfen! Mal sehen, was am 27. Oktober in den Printausgaben steht.

6. August 2010

Internet statt Printmedium

Wie der Kollege bereits im vorangegangenen Blog-Eintrag schrieb, kann man mit einem Printmedium mühelos lästige Fliegen eliminieren.

Allerdings ist dies auch problemlos mit neuen Medien und Tablet-Computern möglich, wie das nachfolgende Bild anschaulich demonstriert:

Fliege mit dem iPad töten

Spezieller "use-case": Fliege mit dem iPad töten

5. August 2010

Warum die gedruckte Zeitung niemals sterben wird

Category: Journalismus und Internet — Tags: , , – Robert Dönges @ 15:31

Die Zeitung ist der Mücke Tod

Die Zeitung ist der Mücke Tod... (Foto: Steffen Wolff)

Diese Liste wurde ursprünglich einmal als Antwort an all jene Blogger und unverbesserlichen Rechthaber formuliert, die das analoge Holzmedium längst schon virtuell begraben sahen sehen. Das war im November 2009. Gerade habe ich den Text wieder gefunden und Hah! mittlerweile betreiben wir selbst ein Blog und können den digitalen Besserwissern angemessen antworten.

Die Zeitung soll also keine Zukunft mehr haben? Hat sie sehr wohl doch (wenn auch vielleicht nicht in der Charakteristik, wie sie heutzutage im Briefkasten steckt). Zumindest aber währt ihre Zukunft so lange, wie die Leser noch Neuigkeiten mit Händen greifen und Kindergärtnerinnen noch mit Pappmachee basteln wollen.

Zehn bierernste Gründe, warum die gedruckte Zeitung niemals sterben wird:

Erstens
Weil sich Salatköpfe traditionell noch immer am besten von Schlagzeilen einwickeln lassen.

Zweitens
Es ist die leichteste Art, Nachrichten zu begreifen.

Drittens
Weil es nichts Dienlicheres gibt, um sich beim Sonntagsfrühstück zu verstecken.

Viertens
Aus einem PC oder iPad lassen sich weder Papierhüte noch Schiffchen falten.

Fünftens
Weil man Wichtiges weiterhin Schwarz auf Weiß vor sich sehen will.

Sechstens
Mit was soll man denn sonst Glasscheiben putzen, Öfen anfeuern, Porzellan einwickeln und Vogelkäfige auslegen?

Siebtens
Weil ein Morgen ohne Zeitung so fade ist wie ein Espresso ohne Zucker.

Achtens
Mücken mit der Tastatur zu erschlagen hinterlässt unschöne Macken in der Wand.

Neuntens
Weil das Wort “Zeitung” den Begriff  “Zeit” beinhaltet – die Grundvoraussetzung für Genuß.

Zehntens
Haben Sie schon mal versucht, nasse Schuhe mit einem Laptop auszustopfen?!

6. Juli 2010

Aufstieg

Category: In Ulm und um Ulm,Journalismus und Internet — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 14:49

Neues aus der Redaktion: Steffen Wolff, begnadete Rampensau, brillianter Glossenschreiber und knallharter Dirigent der Online-Redaktion, ist befördert worden. Er zeichnet von heute an als “Channel Manager Online Content” für den Auftritt des Mutterschiffs verantwortlich. Was für eine Erfolgsgeschichte!

Auch über den Autoren dieses Beitrags gibt es Überwältigendes zu berichten: Er hat es, nach nur 18 Monaten in Diensten des Unternehmens, ins Impressum der “Südwest Presse” geschafft. Ein kleinergroßer Schritt für mich. Ein großerkleiner Schritt für die Reputation im Hause.

2. Juli 2010

Verkehrsunfall

Category: Allgemein,Journalismus und Internet — Tags: , , – Robert Dönges @ 15:48

Heute morgen, auf dem Weg ins Büro, bin ich zu einem Verkehrsunfall in der Nähe meines Wohnorts geordert worden. Ich hatte erwartet, ein paar Kreidestreifen auf der Straße zu fotografieren und den Einsatzleiter zu interviewen. Aber als ich ankam, schnitten die Feuerwehrleute gerade eine tote Frau aus einem völlig demolierten Golf. Das war mein Start in den Arbeitstag.

Natürlich habe ich trotzdem meinen Job gemacht. Fotos geschossen. Die Rettungskräfte befragt. Mit einem Zeugen gesprochen. Und bin dämlich herumgestanden. Bis endlich der Leichenwagen kam. Und uns alle, die wir dort warteten, erlöst hat. Ich weiß nicht, ob es den Feuerwehrern, den jungen Polizisten, den Straßenarbeitern auch so ging. Aber es fühlte sich so an, als sei es falsch, von hier weg zu gehen, so lange das Opfer noch da lag.

Ich habe jetzt mehrere Stunden überlegt, ob und was ich darüber bloggen sollte. Was wirklich wichtig ist. Ich weiß es nicht. Ich schreib halt nur. Über die Eindrücke, die mich seit heute morgen beschäftigen.

Das abgerissene Deutschland-Fähnchen auf dem Asphalt.

Der irritierend warme, angenehme Geruch der Wiese.

Die Unwillkürlichkeit, mit der ich mich beim Anblick der Leiche bekreuzigt habe.

Wie schmächtig der Körper unter dem weißen Tuch aussah.

Und dass dieser Arbeitstag weit länger dauern wird, als der Zeitpunkt, an dem ich mich heute nacht ins Bett legen und die Augen schließen werde.