5. Oktober 2011

Sie mich auch!

Category: Allgemein,Familie und Frauen — Tags: , , , , , , , – Robert Dönges @ 15:48

Sehr geehrter Herr Doenges,
heute schreibe ich Ihnen im Auftrag von Frau Krug, Abteilung Geschenke und Prämien. Sie hat mich gerade darauf hingewiesen, dass hier bereits seit einiger Zeit ein fantastischer Artikel bereit liegt. Es handelt sich um:
Ihr Dankeschön: die elegante Jacke WunderWarm

~~~~~~~~

Sehr geehrte Frau Aydt,
von Herzen Dank für Ihr freundliches Schreiben, das mich dieser Tage doch etwas überraschend erreicht hat. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass wir uns kennen bzw. zwischen uns eine geschäftliche Beziehung besteht. Daher war mein erster Impuls nach Öffnen Ihres Briefes, diesen ungelesen in die Tonne zu stopfen. Doch dann streifte mein Blick flüchtig Ihre Botschaft – und ich konnte nicht mehr loslassen!

~~~~~~~~

Zusätzlich hatte ich Ihnen vor einigen Wochen, am 19. August 2011, den neuen Katalog mit außergewöhnlichen Angeboten zugeschickt.
Ja genau! Erinnern Sie sich Herr Doenges! Sie hatten die Chance, diese fantastische Jacke WunderWarm zu erhalten.
Aber ich habe bis heute daraufhin keine Antwort von Ihnen erhalten, es sei denn, unsere Post hat sich gekreuzt.

~~~~~~~~

Liebe Frau Aydt, das tut mir so leid. Im August weilte ich unvorsichtigerweise anlässlich eines Urlaubsaufenthalts im Ausland. Hätte ich geahnt, dass Sie mir schreiben, gar außergewöhnliche Angebote unterbreiten würden, nie wäre ich nach Kreta geflogen! Von daher konnte ich Ihnen gar nicht antworten, auch wenn sich die Vorstellung, unsere Briefe, wenn nicht gar wir, hätten uns gekreuzt… Verzeihen Sie meine Torheit!

~~~~~~~~

Und ich mache mir Sorgen, weil Sie vielleicht meinen Brief Mitte August nicht bekommen haben.
Es würde mir nicht gefallen, wenn Sie jetzt alle Ihre Vorteile verlieren, Herr Doenges!

~~~~~~~~

Ihre Zeilen berühren mich sehr, Frau Aydt. Mein tief empfundener Dank dafür.

~~~~~~~~

Deshalb ist es mir gelungen, eine außergewöhnliche Verlängerung Ihrer Rechte hinsichtlich dieses tollen Dankeschöns und Ihrer anderen Vorteile zu veranlassen.

~~~~~~~~

Dass Sie das für mich tun! Ich bin … sprachlos und weiß im Moment wirklich nicht, wie ich Ihnen danken soll, hochverehrte Frau Aydt!

~~~~~~~~

Also warten Sie nicht länger! Senden Sie Ihren gelben Coupon, die “Verlängerung Ihrer Anrechte”, mit Ihrer Anforderung zurück.
Nur so erhalten Sie Ihre Jacke WunderWarm. Versäumen Sie auch nicht das Superangebot: den passenden, schicken Schal in der Trendfarbe Beere.

~~~~~~~~

Ja, Verehrteste, das werde ich tun. So rasch wie möglich, ach was: gleich jetzt!!

~~~~~~~~

Wenn Sie Ihre Jacke WunderWarm und den passenden, schicken Schal nicht erhalten möchten, was ich mir nicht vorstellen kann, dann schicken Sie mir die Verzichtserklärung (den grauen Coupon) zurück. Dann werde ich veranlassen, dass eine andere Person Ihre Jacke WunderWarm und Ihre Vorteile bekommt.

~~~~~~~~

NEIN! Bitte, tun Sie das nicht, Frau Aydt! Ich gehorche! Ich will! Unbedingt! ICH WILL!

~~~~~~~~

Und zusätzlich können Sie bald den absoluten Kaffee-Genuss genießen!
Voll automatisch und traumhaft lecker!

~~~~~~~~

Äääh… Moment. Wieso Kaffee? Kaffee-Ge-was? Wie? Was hat denn…

~~~~~~~~

Gratis für die schnellsten Einsender: Einen Kaffeevollautomaten von Bosch!
Ja, es ist wirklich wahr, Sie erhalten einen Kaffeevollautomaten, wenn Sie einer unserer ernannten Gewinner sind!

~~~~~~~~

Oh.
Ach so…
Es gibt also auch noch … andere Gewinner. Außer mir.
Ihre Botschaft … hatte mir das Gefühl vermittelt, ich sei der einzige. Ausgewählt von Ihnen und Ihren zarten Händen… Dem ist ja dann wohl… nicht so?

~~~~~~~~

Ich hoffe, dass ich schnell Nachricht von Ihnen erhalte. Aber falls sich unsere Post gekreuzt hat, machen Sie sich keine Sorgen. Ihr Auftrag wird zweifellos mit Vorrang behandelt.

~~~~~~~~

Ich mache mir keine Sorgen, ich mache mir Gedanken. Etwa darüber, wie viele (vermutlich ältere) Ihrer Kunden auf dieses Schreiben reagieren werden. Darüber, wo meine persönliche Schamgrenze liegen würde, müsste ich als Marketingmensch solche Werbebriefe formulieren. Und darüber, wer sich eigentlich diesen bescheuerten Namen für diese billige Vollsynthetik-Jacke ausgedacht hat.

~~~~~~~~

Mit freundlichen Grüßen, Gudrun Aydt, Geschäftsleitung

~~~~~~~~

Sie mich auch. Ich empfehle mich. Robert Dönges, Gelegenheits-Blogger

Die Jacke WunderWarm: das Wunschobjekt (ohne Inhalt) Foto: 3pagen.de

Das Wunschobjekt: Die Jacke WunderWarm (ohne Inhalt) Foto: 3pagen.de

21. März 2011

Zwangshandlungen im Auto

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 18:47

Schon, als ich vor wenigen Monaten meiner Verwunderung über hiesige Verhaltensweisen im Straßenverkehr Ausdruck gab, war mir insgeheim klar: du bist nicht allein!

Heute nun erreichte die Südwest Presse der Leserbrief eines weiteren Frisch-Ulmers (Neu-Ulmer kann ich aus landsmannschaftlichen Gründen nicht schreiben), der zwar seinem Ärger Luft macht, diesen allerdings nicht in der Zeitung veröffentlicht haben mag. Auch möchte er anonym bleiben; ein Gefallen, dem wir Herrn G. gerne tun. Wir dokumentieren sein Schreiben in Auszügen:

Sehr geehrte Lokalredaktion,
ich beziehe mich auf den Artikel Streit endet in Sachbeschädigung

Als “Neigschmeckter” wundert mich dieses Verhalten des Herren, der eine Delle in das vermeintliche “Feindauto” getreten hat, überhaupt nicht. Hier in der Region herrscht ein manischer – und zum Teil schon pathologischer – Zwang bei einigen Autofahrern, völlig enthirnt andere Autofahrer mit aller Gewalt überholen zu müssen – und sei es ganz kurz vor einer roten Ampel. Hauptsache, der geneigte Ulmer/Neu-Ulmer kann sich so einen Vorteil in Form einer Pkw-Länge herausfahren, ganz egal, wie hirnrissig dieser Überholvorgang ist. Und wehe, man kommt solchen Zwangshandelnden in die Quere…

Besonders ist mir als gebürtiger Süd-Niedersachse die massive Aggression hier im Strassenverkehr aufgefallen: Da wird gedrängelt und genötigt, dass man glaubt, mitten in einer Psychiatrie gelandet zu sein. Das grundlegende Problem ist, dass sich gefühlte 80 Prozent vernünftig verhalten, während sich gefühlte 20 Prozent im Strassenverkehr wie die letzten – man entschuldige den Ausdruck – Arschlöcher benehmen.

Letzterer These erlaube ich mir in Teilen zu widersprechen: Schliessmuskelöffnungen auf den Straßen sind kein ulm-spezifisches Problem, sondern über die Grenzen der Donaustadt hinaus weit verbreitet. Beweise? Das Internet ist voll davon.

4. Januar 2011

Shakhira hat keinen Bock

Category: Journalismus und Internet — Tags: , , , , , , , , , – Robert Dönges @ 14:57

Selbst Vater dreier Kinder, ist Leser Baldur W. entsetzt über eine schockierende Kontaktanzeige aus dem Raum Ulm, die er auf einem kostenlosen Online-Portal gefunden hat. Unter dem Schutz des anonymen Internets verschachern Eltern hier offenbar meistbietend (“Bestes Angebot”) ihr Töchterlein (“Shakhira”), zu vergeben an einen potenten Hünen (“gross”, “kräftig”, “jung”). Gefordert wird vom Bieter eine einwandfreie Abstammung (“Stammbaum mitbringen”) sowie robuste Gesundheit: Der junge Mann soll “velvetfrei”, also vermutlich frei von jedweden Krankheiten, sein.

Das Mädchen und seine Familie dagegen haben allem Anschein nach einen Migrationshintergrund (“Shakhira ist eine Violett Ebony mit Velveteinschlag”). Skrupellos soll das Kind für volle zwölf Monate vermietet werden (“Bock bis 1 Jahr gesucht”); mögliche Interessenten mögen sich umgehend mittels eines anonymen Kontaktformulars melden (“schreibt schnell … mit Bild und Penis” – verlesen, “Preis”).

Desweiteren beeinhaltet die Annonce eine Anzahl von Codeworten (“Weissvio”, “Chins”, “Donautalzwerge”), deren wahre Bedeutung einem Unbedarften nicht bekannt ist. In Verbindung mit dem deutlichen Hinweis auf Sodomie, der sich im letzten Satz der Anzeige findet (“dort seht ihr auch, wie unsere Tiere leben”), lassen die Codes jedoch das Schlimmste vermuten.

Baldur W. hat Polizei und Staatsanwaltschaft auf das abscheuliche Inserat im Internet aufmerksam gemacht.

15. Oktober 2010

Ekelig

Category: Allgemein,Familie und Frauen — Tags: , , , , , , – Robert Dönges @ 17:29

Manche Menschen feuchten gedankenverloren ihre Finger an, bevor sie die nächste Seite eines Buches oder einer Illustrierten umschlagen. Das kann man tolerieren.

Es gibt Eltern, die schlabbern ohne Skrupel den Schnuller sauber, der ihrem Baby gerade aus dem Mund gerutscht ist. Damit kann ich leben – solange ich es nicht genau so machen muss.

Andere Eltern stecken sich das angelutschte Stück Brezel, an dem ihr Kleinkind nicht mehr nagen mag, in den eigenen Rachen. Auch da kann ich wegschauen. Und ich habe mich sogar daran gewöhnt, dass unsere Tochter, zwei Jahre alt, im Sandkasten ab und an eine Handvoll Gesteinskörnchen einwirft. Das, sagt der Kinderarzt, fördere die Verdauung und stärke die körpereigenen Abwehrkräfte: “Sieben Kilo Dreck im Jahr sind gesund!” Na, dann.

Aber es gibt Dinge im Verhalten mancher Zeitgenossen um mich herum, die bleiben einfach – widerwärtig. Oder, um es mit den Worten meiner kleinen Tochter zu sagen: “Dasiss eeeeegelich!”

Heute mittag in der Leseecke des Foyers der SÜDWEST PRESSE, Ulm. Eine betagte Dame sitzt, den Zeitungshalter in den Fingern, neben ihrer Henkel-Handtasche auf der hochwertigen Klippan-Couch und studiert unser Blatt. Dann muss sie plötzlich niesen. Da ihre beiden Hände die Gazette halten, niest sie notgedrungen mitten hinein in das bedruckte Papier vor ihrer Nase. Der Auswurf ist so nass, dass man vom gläsernen Treppenhaus aus (meinem Standort) die runden, dunklen Flecken auf der Zeitung sehen kann. Was die Seniorin entweder nicht bemerkt und/oder nicht stört. Sie blättert seelenruhig einfach eine Seite weiter.

Das erinnert an eine Episode aus dem Pressehaus Stuttgart, meinem früheren Arbeitsplatz. Dort stand einst ein Besucher mittleren Alters, Krawatte, Jacket, vor mir sinnierend vor der Liftanlage, den Gebäudeplan studierend, um dann seinen Zeigefinger einmal abzulutschen und damit zielsicher den Aufzugsknopf zu drücken.

Das Fiese daran: Selbst heute noch denke ich an diesen nassgesabberten Finger, wenn ich, egal wo, einen Fahrstuhl heranholen muss.

21. September 2010

Abenteuer Seefahr’n

Category: Allgemein — Tags: , , , , , , , – Robert Dönges @ 14:49

Echtes Wasser. Echtes Wetter. Echte Yachten. Echte Wettfahrten! (Foto: rod)

Echtes Wasser. Echtes Wetter. Echte Yachten. Echte Wettfahrten! (Foto: rod)

DIE AUFGABE

Sieben Crews verschiedener Medienhäuser, bestehend aus je einem erfahrenen Skipper und ausgelosten Lesern, Hörern oder Usern, haben sich vergangenen Sonntag auf dem Bodensee ein erfrischendes Segelrennen geliefert. Der Herausforderung Medien-Cup, der zum zweiten Mal im Rahmen der Messe Interboot in Friedrichshafen organisiert wurde, stellten sich auch die Teams von SÜDWEST PRESSE und swp.de.


Team I – SÜDWEST PRESSE (PRINT)

Die Besatzung:

Skipper Michael, drei Leserinnen, drei Leser, Redakteur Robert. Vier der Acht an Bord haben einen Segelschein, die anderen vier keinen Schimmer vom Seefahr’n.

Die Strategie:

Mit der geballten Kompetenz der Crew und der Erfahrung des ehrgeizigen Skippers Michael sollte die Verteidigung des Vorjahrestitels eine Erholungsfahrt werden.

Das ausschlaggebende Moment:

Derweil sich die vier Landratten, darunter der Redakteur, an den Winschen einen Muskelkater kurbeln, diskutiert der Rest der hochsee-erfahrenen Besatzung die Befehle des Skippers auf ihre Bedeutung, Richtigkeit und Notwendigkeit hin aus. Die Konkurrenz rauscht dabei back- und steuerbord an uns vorbei.

Echte, seemänische Schwerarbeit: Der Autor beim Check der Vorschott (Foto: Dana)

Echte, seemänische Schwerarbeit: Der Autor beim Check der Vorschott (Foto: Dana)

Der Erfolg:

Das Boot legt die mit Abstand besten Wenden und Halsen hin und überquert bei vier der sechs Rennen die Startlinie aus der Pole Position. Hintenraus läuft’s leider nicht ganz so gut (siehe vorheriger Absatz,”Ausschlaggebendes Moment”, Unterpunkt: “Debatten”). Gemeinsam mit dem “Reutlinger General-Anzeiger” reicht es letzlich nur zu Platz fünf. Immerhin haben wir noch die “Westallgäuer” hinter uns gelassen…


Team II – SWP.DE (ONLINE)

Die Besatzung:

Skipper Michi, fünf Leser, keiner jünger als 30 40 45 (geschätzt), Volontärin Dana (26). Außer Michi verfügt lediglich ein Mann der Besatzung über seglerische Vorerfahrungen.

Die Strategie:

Dana erobert die Herzen ihrer Crew im Sturm, in dem sie die Altmännerrunde sofort und konsequent mit “meine Jungs” anspricht. Fortan folgen die Herren aufs Wort.

Das ausschlaggebende Moment:

Bei zwei Durchgängen lassen die Jungs die gebürtige Hamburgerin Dana ans Ruder. Die Deern, stilsicher in Rock, Strickhaube und Schwimmweste gewandet, steuert ihr Schiff daraufhin souverän als Erste ins Ziel. Ob sich sein Sicherheitsarm, den Skipper Michi an Danas Hüfte entlang anlegt, positiv auf den Rennverlauf auswirkt, ist unklar.

Der Erfolg:

In sechs Wettfahrten passieren die Newcomer je zwei Mal als Erste und Zweite die imaginäre Ziellinie. Letztlich reicht es nicht ganz zum Sieg; das Team platziert sich hinter der “Thurgauer Zeitung” (Schweiz) als beste deutsche Equipe auf Rang zwei.

Nur echt mit Strickmütze und Schwimmweste am Steuer: Kollegin Dana

Nur echt mit Strickmütze und Schwimmweste am Steuer: Kollegin Dana

Ein paar Impressionen vom Tag auf dem See finden sich unter: www.swp.de/bilder