14. Februar 2012

Berlinale, Randnotizen (III)

Category: Journalismus und Internet — Tags: , , – Thomas Veitinger @ 12:41

Natürlich lebt der Berlinale-Besucher nicht nur von der Berliner Luft und dargebotenen Kunst alleine. Zwischen den Filmen verlangt auch der Körper seinen Tribut. Doch beim Essen und Trinken sieht es zwischen Kino-Komplex, Hotel und Berlinale Palast tradtionell mau aus.

Mittendrin liegen die „Arkaden“, eine Einkaufspassage, die vor allem ausländischen Besuchern den Hunger aus dem Magen treibt. Zwischen fettiger Wurst, den üblichen amerikanischen Klopsbratereien und einem Steakhaus bringen sich Jounalisten auch oft nur mit dem Sandwich eines Kaffeehauses über den Tag. Vor allem für südländische Gäste eine echte Zumutung. Manche machen sich sogar ihre Stulle selbst. Gestern im Kino fing eine englischsprachige Kollegin an, ein Salamibrot zu mampfen – und das kann ein ganz schöner Angriff auf die Riechnerven sein.

Überhaupt die lieben Nachbarn im Kino. Liegt es am eigenen Alter oder an den vielen Filmen, die in schneller Abfolge eine Art Routine darstellen, über die hinaus die Umgebung intensiver wahr genommen wird?

Da wird während der Vorstellung versteckt, aber immer noch sichtbar mit hellem Bildschirm, das E-Mail-Postfach gecheckt. Oder mit dem Nachbarn der Film diskutiert. Es gibt auch die Rüberlehner, die englische Untertitel koreanischer Filme nicht lesen können und einem so nahe kommen, dass man jede Schuppe einzeln auf der Kopfhaut zählen kann. Und dann natürlich Nicht-ganz-so-gut-Riecher, die zu wenig vom Berliner Wasser abbekommen.

Das alles hat natürlich auch handfestere Folgen für die Gesundheit: Der Wechsel von Minusgraden vor und trockener bis warmer Luft in den Kinosälen treibt die Zahl Verschnupfter drastisch in die Höhe. Dazu kommt die Ansteckung untereinander. Je länger die Berlinale läuft, desto mehr wird neben, vor und hinter einem geschnieft und gerotzt. Kein Wunder bei der ungesunden vitaminlosen Ernährung.

13. Februar 2012

Berlinale, Randnotizen (II)

Category: Journalismus und Internet — Tags: , , – Thomas Veitinger @ 16:34

Warum eigentlich schaut man sich auf Festivals Filme an, denen man im Normalleben keinen Blickes würdigen würde? Oder die im Fernsehen nur einen schnellen Weiter-Zapper wert wären?

Ein Kurzfilm etwa handelt von einem Jungen in Brasilien, der seine Mutter auf einer Polizeiwache besuchen will. Nachdem er abblitzt, kommt seine Schwester, drückt ihm ihr Baby in die Hand und versucht ihrerseits, die Mutter herauszuholen. Dann ist der Film aus.

Ein weiterer Kurzfilm zeigt Gespräche einer Frau im Gefängnis, möglicherweise in Norwegen oder Finnland, die über ihre baldige Entlassung spricht, auf Finnisch oder Norwegisch. Manchmal gibt es Außenaufnahmen vor dem Gefängnis mit Kühen oder einem Vogel in der Luft. Dann ist der Film aus.

Im dritten Kurzfilm besingen drei Homosexuelle im Matrostenlook, wie sie an Bord eines Schiffes gehen und laufen dabei die Auffahrt eines Parkhauses hinauf. Dann ist der Festivalbesucher aus dem Kino gegangen. Und zwar in einen Film, der einen Ägypter zeigt, der eine Dokumentatiton über eine Madonnenerscheinung filmen will. Ein Film im Film also. Weil er aber nicht so recht weiterkommt, filmt er seine Familie. Dann geht ihm das Geld aus und seine Mutter nimmt das Filmprojekt in die Hand.

Das ist jetzt natürlich alles wahnsinnig ungerecht. Natürlich klingen die meisten Filme seltsam bis banal, wenn sie nur in einigen Sätzen wiedergegeben werden. Aber manchmal schafft man es auch nicht mit vielen Worten etwas herauszukitzeln. Aber dann wieder spricht Angelina Jolie zu Journalisten über ihren Film und überstrahlt dabei alles. Es funkelt und blitzt auf der Videowall, die vor dem Berlinale Palast aufgestellt ist. Fans und Touristen fotografieren Jolie von der Videowall ab und stellen sich vor ihr auf und lassen sich mit dem Star im Hintergrund fotografieren.

Doch ihr Film soll auch etwas eindimensional sein, heißt es. Aber immerhin mit dem wichtigen Thema Balkankrieg. Bei Jolie würde auch jemand hinschauen, wenn er in Norwegisch oder Finnisch wäre und von Kühen handelte.

US-Schauspielerin Angelina Jolie bei der Berlinale 2012 (Foto: dpa)

US-Schauspielerin Angelina Jolie bei der Berlinale 2012 (Foto: dpa)

Berlinale, Randnotizen (I)

Category: Journalismus und Internet — Tags: , , – Thomas Veitinger @ 11:18

Über den Glanz der Berlinale wurde schon viel geschrieben. Neue anspruchsvolle Filme, Stars, interssante Interviews. Journalisten aus vielen Teilen der Welt schaffen ein metropolitisches Ambiente. Berliner Bürger betrachten bewundernd die Akkreditierungskarte, die um den eigenen Hals baumelt und den freien Zugang zu Filmen gewährt, für die andere Stunden in Schlangen vor Kassen stehen müssen, nur um zu erfahren, dass von fünf angepeilten Filme vier bereits ausverkauft sind. Und kostenlose Sprudelflaschen gibt es für Journalisten auch noch. Bei wachem Geiste sieht das allerdings etwas anders aus. Etwa, wenn man sich selbst in einer Schlange befindet, die eine andere Schlange kreuzt. Angesteuert werden unterschiedliche Kinosäle – die allerdings noch geschlossen sind. Die Schlangen vermischen zu einem großen Menschensee, es wird enger und heißer. Ein Mitglied der feingeistigen Kulturjournalisten-Zunft droht einem Drängler Prügel an. Schließlich ist es geschafft und die Kurzfilme beginnen. Jetzt erst mal die Gratis-Wasserflasche köpfen.

18. November 2011

Coole Säue

Category: Allgemein — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 19:20

Yippie ya yay, Schweinebacke – einer dieser legendären Sätze Hollywoods, die sich (wie Terminator Arnold Schwarzeneggers Hasta la vista, Baby oder Play it again, Sam, das falsche Zitat aus “Casablanca“) ins Gedächtnis des Kino-Gängers eingebrannt haben. “Yippie ya yay, Schweinebacke” – wer das liest, hat sofort das Bild des stets ruß- und blutverschmierten John McClane aus der “Stirb-Langsam“-Tetralogie (1988 – 2007) vor Augen und die rauchige, leicht fiese Stimme von Manfred Lehmann im Ohr.  Manfred – wer? Genau!

Manfred Lehmann ist die deutsche Synchronstimme von Bruce Willis und offenbar eine coole Sau. Dieser Eindruck zumindest drängt sich auf, wenn man das Video von Tom Roelecke gesehen hat. Roelecke hat drei Synchronschauspieler vom Mikrofon weg vor die Kamera gestellt und sie über ihre Rollen und ihre Stimmen plaudern lassen: Lehmann, Santiago Ziesmer und Matthias Deutelmoser. Das Ergebnis ist verblüffend:

Im Original sagt John McClane aka Bruce Willis übrigens “Yippie-ki-yay, motherfucker”. Letzteres wurde aus Gründen der Political Correctness auf harmloser synchronisiert.