Gefühlte 80 Prozent aller Internet-Dienstleister Deutschlands haben in diesen frühen Dezembertagen alle die gleiche, tolle Idee: Sie wollen ihre Kunden froh und glücklich machen. Auch mich. Zu diesem Zweck haben sie auf ihren Webseiten Adventskalender eingerichtet und erinnern mich nun täglich daran, nicht zu vergessen, eines ihrer virtuellen Türchen zu öffnen. Damit ich ja nichts verpasse von ihren überraschend unglaublichen Angeboten.
Wirklich eine ganz tolle Idee.
So habe ich jeden Morgen die Auswahl zwischen einer extrem günstigen Hotelübernachtung in einer der angesagtesten Metropolen Europas; einem von 24 hochinteressanten, im Preis sehr reduzierten Sportartikeln; einem täglich neuen, unverschämt günstigen Vorsorge-Angebot, um mein persönliches Versicherungsprofil zu vervollständigen. Dazu kommen weitere Offerten wie Einkaufsgutscheine, Fitnesstrainings, Wurstpakete oder Familienjahreskarten fürs städtische Hallenbad.
Dabei habe ich längst einen Adventskalender. Einen traditionellen (analogen). Hinter seinen gefalzten Türen verstecken sich lauter leckere kleine Schokoladenquadrate. Es hätte, so habe ich im Handel gesehen, auch Weihnachtswartezeitverkürzer anderen Inhalts gegeben: Gummibärchen etwa. Oder Lego-Figuren. Oder Schnapspralinen. Oder Bierdosen. Aber, egal: Mein Schoko-Adventskalender war ein Geschenk. Und einem geschenkten Gaul haut man nicht aufs Maul!
Außerdem fahre ich jeden Abend auf dem Weg nach Hause an Ulms allertollstem Adventskalender vorbei. Er steht in der Blaubeurer Straße, vor der Ponte Bordello zum Eselsberg, und hinter jedem seiner Fenster wartet eine andere Überraschung.
Ulms größter Adventskalender in der Blaubeurer Straße
Es ist Gründonnerstag, also Fünf vor Zwölf, was das Besorgen von Ostergaben angeht. Ich gebe zu: Ich habe noch nichts. Ich habe außerdem keine Idee, keine Inspiration, keinen Geistesblitz, mit welcher Aufmerksamkeit ich meine Liebste zu Ostern beglücken könnte. Und vor allem habe ich keine Ahnung mehr, wann genau in meiner kleinen Familie die Unsitte begann, sich zum Fest der Auferstehung gegenseitig mit Geschenken zu versorgen.
Aber ich vermute, dass die Initiative von meiner Gattin ausgegangen ist, nachdem ich als Herr des Hauses einst Valentins-, Mutter- und Hochzeitstag als infames Geschäftetreiben der Blumenboutiquenbetreiber geißelte. Und die gewohnten Präsente-Termine in unserem Haushalt abschaffte. Wenig später müssen, quasi als ein Akt der Kompensation, die Ostergeschenke bei uns Einzug gehalten haben.
Ich ahne weiterhin, dass mich meine Gattin in den ersten Jahren danach zunächst mit Krokant-Eiern, Musik-CDs sowie frischem Rasierwasser anfütterte, nur, um mich am darauffolgenden Ostern mit unschuldiger Stimme, aber leichtem Vorwurf im Blick zu fragen: “Und ich?”. Worauf ich, neu beduftet und den Mund voller Krokantschokolade, nichts zu sagen, geschweige denn etwas zu geben hatte. Aber sehr wohl begriff.
Seitdem hält mich der Stress, Geben zu sollen, aber möglichst innovativ Schenken zu wollen, drei Mal jährlich auf Trab – einmal vor Weihnachten, einmal vor Ostern und einmal vor ihrem Geburtstag. Es verwundert kaum, dass mich die Menschen bei Amazon duzen und Eventim mir einen Dauerauftrag abgerungen hat. Dennoch stehe ich heute, drei Tage vor Ostern, mit leeren Händen da – fast. Denn ich habe da was entdeckt, das, sofern ich es jetzt bestelle, nächste Woche vielleicht schon da ist. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, könnte ein Gutschein… Fröhliche Ostern, Hase!
Das macht doch was her! (Foto: pinkbunnypajamas.com)
Angesichts der Wetterverhältnisse draussen vor der Tür an diesem 6. Dezember hat der folgende Videoclip etwas wahrlich Herzerwärmendes: Sieben engelsgleiche Wesen jubilieren vielstimmig das englische Weihnachtslied “Deck the Halls “. Kann es am Nikolaustag eine freudigere Überraschung für uns Männer geben?
Und um vehementen Protesten der weiblichen Leserschaft gleich vorzubeugen: Morgen gibt’s hier auch irgendetwas Vorweihnachtliches für Frauen. Versprochen!
Kommt heuer wieder ziemlich plötzlich: Weihnachten (Archivfoto: dpa)
Von den zwei großen Schrecken, die traditionell einhergehen mit der kalten Jahreszeit, ist einer der überraschende Wintereinbruch. Der andere ist Weihnachten.
Derweil der plötzliche Schneefall üblicherweise unvorhersehbar bleibt, vor allem jetzt, nachdem Jörg Kachelmann seinen Rückzug von der Prognosenfront verkündet hat, ist das Fest der Liebe seit zwei Jahrtausenden fest terminiert: Morgen, Freitag, sind es noch genau 50 Tage bis Heiligabend.
Das macht das wiederkehrende Ereignis plan- und beherrschbar, sollte man meinen. Dennoch werden die Menschen gegen Mitte Dezember erneut in die alljährliche Fest-Falle treten, die Beckenbauers Franz einst mit “Ja, ist denn heut scho’ Weihnachten?” treffend charakterisierte. Dann jedoch dürfte es zu spät sein, um dem Einkaufsstress der Vorfeiertage, der marternden Geschenksuche und einem drohenden Versorgungsmangel an Lebensmitteln zu entgehen.
Es gilt daher, umgehend zu handeln, um dem vor den Feiertagen heranziehenden Schauder vorzubeugen.
Falls Sie sich etwa mit dem Gedanken tragen, heuer Bücher oder Musik aus Übersee zu verschenken, beachten Sie bitte, dass der Versand via Frachtschiff ein paar Wochen währen kann. Für das Tännchen im Topf, jetzt bereits in der Baumschule disponiert, haben Sie dagegen sieben Wochen Zeit, um es weihnachtlich zu schmücken. Mit etwas Glück und Dünger ist es sogar im kommenden Jahr wieder verwertbar.
Auch feine Fruchtschnäpse, selbst angesetzt, benötigen in der Regel mehrere Wochen zur Reife, bevor sie verschenkt werden können. Gleiches gilt für Liköre, Stollen und Schinken, wobei die Hausschlachtung von Schweinen in der modernen Küche aus der Mode gekommen ist.
Wer dennoch die Zubereitung eines opulenten Festmahls in Erwägung zieht, sollte in diesen Tagen beim Marktstand seines Vertrauens den Weihnachtsbraten ordern. Notwendige andere Lebensmittel, bei Zeiten besorgt, lassen sich einfrieren und bevorraten. Wollen Sie Ihre Liebsten an den Feiertagen ausführen, wäre es ratsam, früh einen Tisch im Restaurant zu bestellen. Aber auch die zweite Variante des auswärtig Speisens, ein Besuch bei der Verwandtschaft, bedarf der rechtzeitigen Anmeldung bei Mama, Oma oder Patentante.
Sollten Sie für Ihre Fahrt dorthin unvermittelte Schneefälle auf der Strecke befürchten, ein letzter Tipp. Er nennt sich Winterreifen.
Update: Dieser Beitrag erschien in gekürzter Fassung am 5. November auch in der gedruckten Ausgabe des Mutterschiffs unter der Überschrift “Umgehend handeln!“
Ein Traum: der VW Karmann Ghia, Typ 14, als Cabriolet
Wie jedes Kind mag auch ich Geschenke. Besonders die aus heiterem Himmel. Zuletzt so geschehen heute mittag, als plötzlich ein Päckchen auf meinem Schreibtisch lag.
Der Inhalt bezog sich auf den Blogbeitrag “Ganz schön dreist” vom 22. September. Ganz schön ungewöhnlich! Oder sollte ich, in Anlehnung an eine Kampagne des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger, besser sagen: Online wirkt?
Wie auch immer: Vielen Dank, Nitek! Ich mag Deine Art von Humor.
Und was die Farbe betrifft: Vielleicht lass’ ich den Wagen umlackieren. Förstergrün ist ja nicht elfenbeinweiß. Kennt vielleicht jemand ‘ne Tuningwerkstatt, die so was für umme macht? Ich meine das ernst…