Die heutige Pressemitteilung der Neu-Ulmer Polizei würde, seriös redigiert und für die Zeitungsausgabe gekürzt, sehr vieles von ihrer groben Komik verlieren. Außerdem möchte sicher niemand solche Geschichten aus der Unterwelt beim Frühstück lesen. Daher nur hier und dafür ungekürzt im Original:
Am Samstag Nachmittag erschien ein 63jähriger Neu-Ulmer auf der Wache der Polizeiinspektion Neu-Ulm und wollte den Diebstahl von mehreren hundert Euro anzeigen. Bis dahin schien es sich aus polizeilicher Sicht um nichts Ungewöhnliches zu handeln. Als der bestohlene 63jährige jedoch den Vorgang genauer dem Polizeibeamten schilderte, stellte sich die Sache als nicht ganz so polizeialltäglich dar.
Der Neu-Ulmer lernte in der Bahnhofsmission in Ulm eine ca. 55jährige Dame kennen und verabredete sich zusammen für den Freitag in der Wohnung des 63jährigen. Als die derzeit noch unbekannte Dame dann beim 63jährigen am Vormittag in der Wohnung erschien, ließ er diese in seine Wohnung. In der Wohnung hatte der 63jährige seine Hose abgelegt. Darin befand sich seine Geldbörse mit mehreren hundert Euro. Während sich die Dame in der Wohnung des 63jährigen aufhielt, ging dieser für wenige Minuten auf die Toilette.
Als der 63jährige dann von der Toilette zurück kam, vollzogen er und die Dame den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Innerhalb weniger Minuten täuschte die Dame dann vermutlich mehrfach den Höhepunkt vor, um so den Geschlechtsverkehr zu beschleunigen und zu beenden. Als der Geschlechtsakt dann schließlich beendet wurde, verließ die Dame schon fast fluchtartig die Wohnung des 63jährigen. Dieser bemerkte dann, dass aus seiner Geldbörse mehrere hundert Euro fehlten. Die Dame wird daher nun verdächtigt, dass Bargeld aus der Geldbörse des 63jährigen entwendet zu haben, während dieser zu Beginn des Damenbesuchs auf der Toilette war.
Von der Dame ist bisher nur bekannt, da diese ca. 55 Jahre alt ist, eine kräftige Figur hat, ca. 160 cm groß ist, einen krummen Rücken “Buckel” hat, eine Blindenbinde trägt und mit einem Rollator fahren muss.
Personen, die Hinweise auf die Person geben können, werden gebeten sich bei der Polizeiinspektion Neu-Ulm zu melden.
Nachtrag: Die leise Ahnung vom Morgen, dass am Fahndungsaufruf für die kleine, fette, bucklige, blinde Alte mit mutmaßlich Klumpfüßen etwas faul ist, hat nicht getrogen. Die Polizeiinspektion Neu-Ulm, von Christoph Mayer vom Mutterschiff dazu befragt, hätte ihre Pressemitteilung am liebsten zurückgezogen. Für den Kollegen war es jedoch ein Höhepunkt der Polizeiberichterstattung.
Männer hätten, so wird von Frauen gerne kolportiert, keine Ahnung von wahren Unterleibsschmerzen. Das stimmt so nicht ganz. Zwar mag die landläufige Meinung zutreffen, das männliche Geschlecht würde wahrscheinlich eingehen, müsste es Menstruationsschmerzen erleiden. Doch was dagegen Frauen nicht nachvollziehen können, ist intensivster Phantomschmerz im Unter-dem-Bauch-Bereich, wie ihn nur ein Mann erleben kann. Als Auslöser dafür kommen z. B. beobachtete oder dargestellte Erlebnisse in Frage, oft einhergehend übrigens mit heftigen Fremdschäm-Attacken.
So schildert die Polizeidirektion Heilbronn dieser Tage einen Fall, der beim männlichen Leser ein promptes Zusammenkrümmen des Körpers sowie unwillkürliches Schmerzstöhnen verursacht: In einem Waldstück bei Ilsfeld hat sich ein Mann vor Zeugen und mit Hilfe chirurgischer Feingeräte (Nagelschere, Taschenmesser) eigenhändig von einem Intimschmuck an seinem Phallus zu trennen versucht.
Mit Erfolg, letztlich. Die Polizei berichtet von “viel Mühe, ordentlich Blutverlust” und “Hautteilen” auf dem Waldboden. Unser Mutterschiff hat außerdem Alkohol als Narkotikum des Herren für seine schnittige Tat eruiert (“Piercing mit Messer entfernt“).
Immerhin: Eine Straftat, schlossen die Beamten messerscharf, “lag nicht vor”.
Ähnlich? Links: Ulmer Schachteln, rechts: NICHT unsere Online-Praktikantin
Der Ton in der Lokalredaktion der SÜDWEST PRESSE ist rau, aber überwiegend herzlich. Fiese Verbalattacken oder cholerische Anfälle (“Da krieg i koi Adrenalin von!!“, gebrüllt) sind selten. Als Enklave der Abteilung Online, als die ich meine Arbeit im Lokalressort versehe, habe ich mich an das Klima gewöhnt. Zumal hier immerhin noch lautstark kommuniziert und nicht nur totenstumm vor der Tastatur gebrütet wird.
All das hätte man der Online-Praktikantin Katrin*, um deren Unterstützung ich gebeten hatte, eventuell erklären sollen, bevor sie aus dem ruhigen Onlinebüro an meinen Schreibtisch in die Lokalredaktion eilte. Denn kaum betrat die junge Dame, in eine modische, schwarz-weiß-gestreifte Bluse gewandet, den Großraum, richtete sich das Interesse der Anwesenden auf sie. Schließlich sind Journalisten, allein schon von Berufs wegen, immer neugierig. Allerdings nicht immer diplomatisch. Weshalb Kollege Christoffel*, ein guter, altgedienter Redakteur und als verheirateter Familienvater der plumpen Anmache fast völlig unverdächtig, sein Interesse an der neuen Frau ein wenig ungetüm in den Raum stieß:
“HEEEY!
Wer bist DUU denn?
Du siehst ja aus wie ‘ne Ulmer Schachtel!“
Tja. Was als freundliche Kontaktaufnahme gedacht war, hatte die Wirkung eines außerordentlichen Kinnhakens: Kommunikations-K.o. bereits in der ersten Runde! Als Schachtel (oder auch Zille) werden in und um Ulm die historischen Lastkähne bezeichnet, mit denen in früheren Zeiten Passagiere und Waren die Donau hinab befördert worden sind. Üblicherweise trugen diese Boote ein schwarz-weißes Streifenmuster – die Stadtfarben Ulms. Christoffels Verbal-Eruption bezog sich daher lediglich auf die Farbgebung von Katrins Oberteil.
Dennoch explodierte das Großraumbüro in einem sich ausbreitenden Lachanfall. Nur eine wirkte eher irritiert denn amüsiert – Jungpraktikantin Katrin. Die sich alsbald entschuldigte und verständlicherweise ging. Und bislang nicht wieder gesehen ward…
Als gestern abend das erste WM-Vorrundenspiel meines zweiten Heimatvereines Italien begann, hatte ich nach einigen Minuten überhaupt keine Lust mehr auf das Gewürge auf dem TV-Schirm und war in der Azzurro-in-der-Toten-Hosen-Version-Stimmung. Es ist hierbei anzumerken, dass ich zwar in D’schland geboren bin, aber mehr oder weniger unschuldig und unverhofft in die Hormonfalle vom Typ Bella Ragazza fiel. Dies bedeutet einfach, dass ich durch Heirat unvermittelter Dinge in eine italienische Familie geraten bin und seitdem praktisch für zwei Länder während einer WM mitfiebern muss/darf/kann/soll. Mein Schwiegervater kennt keine Gnade und ich bin ganz froh, wenn er keinen Geigenkasten mit passendem Instrument dabei hat.
Zurück zur Geschichte: Aufgrund des lahmen Gekickes besann ich mich zur besten schwäbischen Versperzeit auf dasDolce Vita in Bella Italiaund plante eine Tour vom Wohnzimmer in den Keller, danach in die Küche und zurück in das Wohnzimmer.
Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach sehen lassen- Voilá:
Wir haben zur Zeit eine Praktikantin bei uns beschäftigt, die bringt alles mit, was man für den Job des Journalisten braucht: Neugier. Ideen. Interesse. Kann auf Leute zugehen. Stellt die richtigen Fragen. Ist engagiert. Sie könnte prima ins Team passen. Es gibt nur ein Problem:
Sie hat keine Ahnung vom Fußball.
Das ist bitter. Vor allem in einer von Männern geprägten Redaktion, bestehend aus einem Stuttgart-Anhänger, einem St-Pauli-Freund, einem FC-Bayern-Hasser und einem – die Welt ist nun mal nicht perfekt – Fan des 1. FC Köln. Wir sind tolerant. Wir haben auch nix gegen Frauen. Aber man muss bei uns mitreden können am einem Montag, nach einem Kick-Wochenende voller Emotionen.
Und da gibt dieses junge Frau freimütig zu, dass sie Fußball wirklich aber auch gar nichts abgewinnen könne. Schaut in unsere entsetzten Gesichter, lacht. Und toppt ihre Aussage mit dem, was sie bis neulich noch geglaubt habe – Obacht: “Luca Toni ist ein Schauspieler!”
Hm. Prägnanter lassen sich die fußballerischen Qualitäten des italienischen Nationalstürmers nicht beschreiben. Die Praktikantin ist tatsächlich ein Naturtalent. Vielleicht sollten wir sie doch behalten.