7. November 2011

Im Nebelloch

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 17:35

Im Donautal wabert der Nebel (Foto: dpa)

Abstand halten, bitte. Im Donautal wabert der Nebel. (Foto: dpa)

Man hatte mich ja gewarnt. Damals, bevor ich nach Ulm kam. Das Wetter dort sei ungefähr so extrem wie in Meßstetten hoch oben auf der Schwäbischen Alb. Dort, wo ich dank Dienst am Vaterland auch schon leben musste, wäre es acht Monate Winter und weitere vier Monate kalt. Das stimmte. In Ulm dagegen, so sagte man mir, herrsche manchmal Nebel – aber nur von Herbst bis Frühjahr. Haha. Dabei stimmte das in den letzten drei Jahren so gar nicht.

Heuer allerdings ist alles anders. Seit – gefühlt – Wochen schwappt hier eine graue Suppe, die den sonst allseits sichtbaren Münsterturm verschluckt und die nächste Straßenkreuzung nur erahnen lässt. Licht, Sonne gar? Nur sporadisch vorhanden, wenn es Helios tatsächlich einmal schafft, sich durch den Nebel zu fressen.

Was ja alles nicht schlimm wäre – würden Frau Kleinert oder Herr Plöger im Fernsehen sowie alle Wetterfrösche in den Radios nicht seit Tagen strahlenden Sonnenschein versprechen. Bestes Herbstwetter, warme Temperaturen, goldener Oktober. Leider trifft das offensichtlich auf ganz Deutschland zu, aber nicht aufs Donautal, in dem Ulm nun mal liegt. Und was besonders schmerzt: Während hier der Dunst der Donau wabert, herrscht nur 30 Kilometer weiter südlich Indian Summer. Auch 35 Kilometer westlich von unserem grauen Loch glüht das Herbstlaub im besten Sonnenlicht.

Das verraten dem derzeit leicht depressiven Autoren die Webcams von Illertissen und Laichingen. Zum Vergleich: Hier ist die Webcam von Ulm.

Nur noch 226 Tage bis zum Sommerbeginn.

17. August 2010

Sondermodell

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 16:10

Ulm hat nicht nur den höchsten Kirchturm der Welt, Ulm ist auch Produktionsstandort für Automobile. Hier werden große und teure Karossen gebaut – richtig große: Die dicken Brummis von Iveco brettern seit 1975 über die Kontinente und genießen rund um den Globus Ansehen.

Ein neues Sondermodell der norditalienischen Lkw-Bauer aus dem Donautal wird nun dafür sorgen, dass der Name “Ulm” bald auf allen Fernstraßen dieser Erde ein Begriff sein wird. Fette 450 PS, Zwölf-Gang-Getriebe, Retarder, Standheizung, Klimaanlage, ein zusätzliches Bett in der Fahrerkabine – und das alles für netto nur 78.700 Euro. Zum Vergleich: Dafür bekäme man in Stuttgart-Zuffenhausen noch nicht einmal einen einfachen Carrera, den billigsten 911er.

Der erwachsene PS-Gigant aus der Donaustadt bietet jedoch für weniger Geld nicht nur deutlich mehr Material als das flache PS-Spielzeug aus Zuffenhausen. Er wartet auch auf mit, obacht, jetzt Werbetext: den “Tugenden eines echten Schwaben: sparsam, vielseitig, äußerst leistungsorientiert”. An rächter Ulmer, halt.

Trucker, ganz ehrlich: Was willst du mehr.

Der Stralis "Ulm" (Werksfoto: http://web.iveco.com/germany/)

4. August 2010

Erfolgsmeldung

Category: Essen und Kochen,In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 13:08

So viele Säue können wir hier in unserem modernen Medienhaus gar nicht durchs Dorf jagen, wie täglich auf der anderen Seite der Stadt über den Jordan die Donau gehen. Der Stolz der dortigen Metzger ist eine runde Zahl: 1.000.000. Eine Million Schweine hat das Süddeutsche Schweinefleischzentrum Ulm Donautal (SFZU) seit Inbetriebnahme vor gut einem Jahr geschlachtet.

Die Pressemitteilung, die das Unternehmen anlässlich dieser Erfolgsmeldung veröffentlicht hat, strotzt vor uns bisher unbekannten, aber sehr bildhaften Fachbegriffen (“Durchtreibbuchten”! “Hälftensäge”!) und einer unerwarteten Detailfülle (“Die Hängend-Kondensatbrühanlage mit 62 °C heißen Dampf sowie zwei nachgeschalteten Enthaarungsmaschinen sorgen für gute Schlachtkörperhygiene”).

Staunend nehmen wir weiterhin zur Kenntnis, inmitten des so genannten “süddeutschen Schweinegürtels” zu leben – das erklärt einiges. Mit Interesse lesen wir von einer “flächendeckenden Fußbodenheizung” – für die Säue geht es warmen Hufes in den Tod. Und in großer Ehrfurcht nehmen wir den Wert von 360 Schweinen pro Stunde zur Kenntnis, auf den die hochmoderne Schlachterei ausgelegt ist – umgerechnet haucht dort also alle zehn Sekunden ein Borstentier sein Leben aus. Oder, anders ausgedrückt: In der Zeit, in der ich diesen Blogbeitrag verfasst habe, sind im Donautal rund 120 Tiere getötet, geöffnet und halbiert worden. Sauber.

Stolz wie Bolle: Die Ulmer Fleischer (Foto: SFZU)

Stolz wie Bolle: Die Ulmer Fleischer (Foto: SFZU)

Vielleicht sollten wir da mal unsere Video-Reporter (“Zu Besuch bei…”) hinschicken.