“Mööcht ich wärrden hundertdrreissich Jahr!” Na, dafür hat es nicht ganz gereicht. Im Alter von 108 Jahren ist der Schauspieler Johannes “Jopie” Heesters an Heiligabend in einer Klinik am Starnberg entschlafen. Das halbe Berufsleben lang war sein Spruch von den “hundertdrreissich Jahr” ein Running Gag von uns. Damit ist es nun vorbei.
Der alte Running Gag geht nicht mehr. Wenn man das so sagenschreiben darf.
Das Ende war abzusehen. 2003, am Tag nach seinem 100. Geburtstag, hatte der gebürtige Niederländer bei Thomas Gottschalk auf der Couch gesessen und versprochen, fünf Jahre später wieder zu kommen. Tatsächlich war der “Grandseigneur der Operette” im Dezember 2008 erneut zu Gast bei “Wetten, dass..?“. Und wieder versprach er, fünf Jahre später ein weiteres Mal bei Gottschalk zu erscheinen. Doch mit dessen Abgang von “Wetten, dass..?” vor wenigen Wochen war klar, dass Jopie sein Versprechen nicht mehr würde erfüllen können.
Kein Grund mehr also, das Leben weiter zu leben.
Mit Jopies Ende wird auch die Geschichte eines bestimmten, uralten Fotos nie geschrieben werden. Es ist im Besitz eines Bekannten und es zeigt einen jungen Johannes Heesters, damals schon ein berühmter Bühnen- und Leinwand-Star, als Besucher in Blaubeuren. Selbst gesehen habe ich das Privatfoto nie, nur von ihm gehört. Irgendwann einmal wollten wir die Aufnahme ausgraben aus knarzenden Kisten oder vergilbten Alben und für die Zeitung beschreiben, wie das wohl war, damals, 1936, als der Jopie in Ulm reüssierte.
Jetzt ist’s zu spät dafür.
Eine subtile Genugtuung jedoch hat sich der zuletzt blinde Sänger noch gegönnt. Der Schauspieler trat ausgerechnet am 24. Dezember ab, der heuer auf einen Samstag fiel. Damit erschienen die Würdigungen seines langen Lebens ausschließlich in den wenigen, überregionalen Sonntagszeitungen, die (wenn überhaupt) am ersten Weihnachtsfeiertag herauskamen. All die anderen Nachrufe aber, die seit langem vorformuliert und alljährlich penibel aktualisiert in den Schubladen der Redaktionen auf Heesters Ableben warteten, die waren allesamt umsonst geschrieben. Eine kleine, feine Rache an uns Redakteuren, die wir jahrelang Witze um seine Lebenserwartung gerissen haben.
Gut gemacht, Jopie. Tot ziens (Lebewohl).


