Schade: Heute morgen, keinen Tag, nachdem ich den Beitrag “Ohne Netz” ins selbige gestellt habe, ist das Video mit dem mehrdeutigen Titel “Stairway to Heaven”, um das sich der Beitrag drehte, nicht mehr im Internet verfügbar.
Der Film zeigte über rund sieben Minuten den mehr oder minder freihändigen Kletter-Aufstieg eines Arbeiters auf einen 539 Meter hohen Fermnmeldeturm in Nordamerika. Während des Aufstiegs sicherte sich der Mann nur sporadisch und mit einem einfachen Haken am Metallgestänge des Turms. Dazu erschreckte die Perspektive, aus der das Video aufgenommen worden war – der Typ trug eine Helmkamera mit Weitwinkel, die natürlich sämtliche Kopfbewegungen mitmachte und aufzeichnete.
Auf dem Blog von theonlineengineer.org, auf dem das Horror-Video für Betriebsschutzbeauftragte erschien, hat Blogbetreiber Russell Brown nun eine Erklärung veröffentlicht, warum er den Film zurückziehen musste.
Update 21.09: Seit gestern ist das Video (wie zu erwarten war – das Internet vergisst bekanntlich nichts) wieder verfügbar. Ich habe den Originalartikel neu verlinkt und verweise hier noch einmal auf die verlinkte und eine weitere Adresse, unter denen der Film auf YouTube (derzeit) abrufbar ist: World’s Scariest Job sowie Stairway to Heaven – Climbing Towers
Über Twitter habe ich heute den Link zu einem Video erhalten, von dem ich spontan nicht sagen kann, ob es mich gruselt oder begeistert. Es zeigt den – so oder so – unglaublich faszinierenden Aufstieg eines Arbeitnehmers an die Spitze. Und just im Moment habe ich mich entschieden, dass es mir doch eher Angst macht…
Wahrscheinlich bin ich nur viel zu bodenständig für solche Himmelfahrtsjobs.
Noch zwei Hinweise: Wer nicht schwindelfrei ist, sollte sich den Film nicht unbedingt im Vollbild-Modus anschauen. Und 1768 Feet sind umgerechnet knapp 539 Meter.
Am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub fallen die Unterschiede zwischen dort, Ferien, und hier, Job, besonders gravierend aus. Angefangen von der Dunkelheit, die einen plötzlich morgens beim Aufstehen umgibt, über die Außentemperatur, die gefühlt um weitere 20 Kelvin unter der tatsächlichen liegt, hin zur Atemluft, die nicht mehr frisch nach See und Pinienduft riecht, sondern muffig nach Büro, Teppich und Toner.
Aber so ist es halt, wenn man vom Hochsommer Kretas in den Frühwinter auf der Schwäbischen Alb wechselt.
In aller Konsequenz bedeutet das für dieses Jahr: Nie wieder barfuß draußen laufen können. T-Shirts nur noch unterm Pullover. Im Wagen läuft die Heizung statt der Klimaanlage. Die angebrochene After-Sun-Lotion wandert in den Müll, da sie 2011 ohnehin abläuft. Und was ist mit Grillen – barbrüstig, Sonnenbrille, Bier in der Hand?
Vielleicht mal kommendes Jahr wieder. Wie hoffentlich auch der nächste Urlaub.
Ziemlich frisch, heute. Dienstag, 14. September 2010, 8 Uhr morgens.
Als vor einigen Wochen in der Online-Redaktion eine neue Kaffeemaschine aufgebaut wurde, ging für die Kollegen ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Endlich konnten sie ihr Lieblingsgetränk stets frisch zubereitet und in ausreichender Menge genießen, durch die Räume wehte der Duft gerösteter Bohnen, alle waren zufrieden.
Allerdings zeigten sich auch recht schnell die Schattenseiten: Kaffeeflecken auf wichtigen Recherche-Unterlagen, erhöhter Blutdruck durch übermäßigen Kaffeekonsum und ein deutlicher Rückgang der Arbeitsleistung. So wurde etwa der für die Nachrichtenauswahl zuständige Kollege häufiger beim redaktionellen Kaffeekränzchen als bei der Themenplanung beobachtet.
Logische Konsequenz: Die Kaffeemaschine wurde aus den Redaktionsräumen entfernt und in der benachbarten Kaffeeküche (wo sie ja logischerweise auch hingehört) aufgestellt.
Seitdem lassen sich folgende Phänomene beobachten: Die Zwei-Liter-Kaffeekanne ist ständig leer, die Kaffee-Strichliste auch. Der schreckliche Verdacht: Es gibt Schwarz-Trinker!
Wie man die Onliner kennt, wurde nicht lange gefackelt und eine Überwachungskamera in der Kaffeeküche installiert, um dem bösen Treiben ein Ende zu bereiten. Wäre doch gelacht…
Wie bitte? Persönlichkeitsrechte? Datenschutz? Überwachungsstaat?… Drauf gepfiffen! Beim Kaffee hört der Spaß schließlich auf…
Ähnlich? Links: Ulmer Schachteln, rechts: NICHT unsere Online-Praktikantin
Der Ton in der Lokalredaktion der SÜDWEST PRESSE ist rau, aber überwiegend herzlich. Fiese Verbalattacken oder cholerische Anfälle (“Da krieg i koi Adrenalin von!!“, gebrüllt) sind selten. Als Enklave der Abteilung Online, als die ich meine Arbeit im Lokalressort versehe, habe ich mich an das Klima gewöhnt. Zumal hier immerhin noch lautstark kommuniziert und nicht nur totenstumm vor der Tastatur gebrütet wird.
All das hätte man der Online-Praktikantin Katrin*, um deren Unterstützung ich gebeten hatte, eventuell erklären sollen, bevor sie aus dem ruhigen Onlinebüro an meinen Schreibtisch in die Lokalredaktion eilte. Denn kaum betrat die junge Dame, in eine modische, schwarz-weiß-gestreifte Bluse gewandet, den Großraum, richtete sich das Interesse der Anwesenden auf sie. Schließlich sind Journalisten, allein schon von Berufs wegen, immer neugierig. Allerdings nicht immer diplomatisch. Weshalb Kollege Christoffel*, ein guter, altgedienter Redakteur und als verheirateter Familienvater der plumpen Anmache fast völlig unverdächtig, sein Interesse an der neuen Frau ein wenig ungetüm in den Raum stieß:
“HEEEY!
Wer bist DUU denn?
Du siehst ja aus wie ‘ne Ulmer Schachtel!“
Tja. Was als freundliche Kontaktaufnahme gedacht war, hatte die Wirkung eines außerordentlichen Kinnhakens: Kommunikations-K.o. bereits in der ersten Runde! Als Schachtel (oder auch Zille) werden in und um Ulm die historischen Lastkähne bezeichnet, mit denen in früheren Zeiten Passagiere und Waren die Donau hinab befördert worden sind. Üblicherweise trugen diese Boote ein schwarz-weißes Streifenmuster – die Stadtfarben Ulms. Christoffels Verbal-Eruption bezog sich daher lediglich auf die Farbgebung von Katrins Oberteil.
Dennoch explodierte das Großraumbüro in einem sich ausbreitenden Lachanfall. Nur eine wirkte eher irritiert denn amüsiert – Jungpraktikantin Katrin. Die sich alsbald entschuldigte und verständlicherweise ging. Und bislang nicht wieder gesehen ward…