29. Februar 2012

Das Jahr 2012 dauert 86401 Sekunden länger

Die Zählerei mit den Tagen war den alten Römern lästig. Sie ließen den 1. eines Monats deshalb öffentlich ausrufen (cala re, daher das Wort „Kalender“). Caesar führte den 29. Februar als vierjährlichen Schalttag ein. Mittlerweile gibt es auch Schaltsekunden. Die wiederum sind Computerprogrammierern lästig.

Gaius Julius Caesars Feldzug im Jahr 48 v. Chr. nach Ägypten war in dreifacher Weise erfolgreich. Er erhielt dort den Kopf seines Rivalen Pompeius überreicht, lernte die junge Königin Kleopatra kennen und lieben – und erhielt von ägyptischen Mathematikern und Astronomen Tipps, wie er die Kalenderrechnung vereinfachen könne. Denn der alte Römische Kalender, in dem sich Elemente aus Mond- und Sonnenkalender mischten, zeigte oft nicht wirklich die zur Jahreszeit passenden Monate an.

Nach seiner Rückkehr nach Rom hat Caesar das Kalenderproblem auf die für ihn übliche Weise gelöst, nämlich radikal und effektiv. Er ordnete für das Jahr 46 v.Chr. – zusätzlich zum immer wieder gebrauchten Schaltmonat Mensis interkalaris (22 zusätzlicheTage) – zwei einmalige weitere Schaltmonate an: 33 und 34 Tage wurden zwischen November und Dezember gelegt, so dass dieses Jahr 445 Tage lang war. Es endete am 1.Januar 45 v. Chr. Von diesem Jahr an galt der Julianische Kalender mit der Zahl von Tagen pro Monat, die auch heute noch gilt. Dazu alle vier Jahre ein einziger Schalttag, der 29.Februar.

Der vierjährliche 29.Februar sollte ausgleichen, dass ein Sonnenjahr 365,25 Tage dauert, also einen Vierteltag länger als das Kalenderjahr. Er wurde einfach ans Ende des Jahres gehängt, das für die Römer damals am 1. März begann.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass das Julianische Jahr nicht ganz genau war. Das Sonnenjahr ist nämlich ungefähr 11 Minuten kürzer als 365,25 Tage. Nicht viel, aber auf lange Sicht doch deutlich zu bemerken; im 14. Jahrhundert war der Kalender seiner Zeit bereits um 7 Tage hinterher.

Es dauert 200 Jahre, bis das Problem gelöst wurde: Im Jahr 1582 führte Papst Gregor XIII. die Schaltjahr-Regel ein, die heute noch gilt: Weiterhin alle vier Jahre ein Schalttag. Jedoch keine Schalttage zu den vollen 100er-Jahren, aber in jedem Jahr, das durch 400 teilbar ist, doch ein Schalttag.

Die bis dahin aufgelaufenen zehn überzähligen Tage wurden ebenso radikal und effektiv beseitigt, wie Caesar 1628 Jahre zuvor 89 Tage eingefügt hatte: auf einen Schlag. Der Papst ließ im Jahr 1582 auf den Donnerstag, 4. Oktober, zwar wie gehabt einen Freitag folgen. Jedoch war es schon der 15.Oktober.

Solch einen Zeitschwund, der alle Untertanen gefühlte zehn Tage gekostet hätte, wollte die Regierung König Karls XII. in Schweden vermeiden. Sie plante deshalb, von 1700 bis 1740 die elf Schaltjahre ausfallen zu lassen. Dann wäre das Volk vom Julianischen Kalender, dem es damals einen Tag vorauseilte, sanft zum Gregorianischen Kalender umgeschaltet worden, dem es zehn Tage hinterher hing.

Daraus ist jedoch nichts geworden. Der Große Nordische Krieg brach aus, die 29. Februare wurden 1704 und 1708 eingeschaltet wie gehabt und König Karl XII. kehrte der Einfachheit halber zum Julianischen Kalender zurück. Weil Schweden diesem immer noch einen Tag vorauseilte, wurde im Jahr 1712 der 30. Februar eingefügt, dann passte es. Das war der einzige 30. Februar der Geschichte. Erst 1753 hat König Adolf Friedrich sein Volk in die Neuzeit gebracht: Dem 17. Februar folgte der 1.März.

Von Schaltmonaten über Schalttage zu Schaltsekunden: Die Verfeinerung von Messmethoden im Laufe der Zeit ist auch an der Größe der Einheiten abzulesen, mit denen Zeit ausgeglichen wird. Seit 1972 sind 24 Schaltsekunden in die Zeit eingefügt worden, entweder an einem 30. Juni oder einem 31. Dezember, jeweils nach 23:59:59 Uhr.

Die Schaltsekunde auf Youtube

Das hängt damit zusammen, dass die Sekunde seit 1967 nicht mehr als ein 86400tel eines durchschnittlichen Sonnentags definiert wird. Das erschien Wissenschaftlern zu ungenau, weil die Erde sich unregelmäßig rasch dreht und die Drehung sich sowieso stetig, wenngleich langsam, verlangsamt. Die Sekunde wird seitdem definiert durch die Zeit, in der ein Cäsiumatomkern 9192631770mal schwingt.

Der Unterschied zwischen dieser Atomzeit und der Sonnentagszeit ist allerdings so klein, dass sich Widerstand gegen die Schaltsekunden regt, die im Schnitt alle zwei Jahre eingefügt werden sollen. Das Hauptargument: Es sei zu viel Aufwand, die Computer jedesmal von Hand umzustellen. Einige bekannte Systeme ignorieren die Atomzeit ohnehin völlig; das Zeitsystem des GPS zum Beispiel ist 1980 eingestellt worden – und wird nicht nachgestellt.

Nichtsdestotrotz wird die Schaltsekunde wenigstens bis 2015 beibehalten, dann will die Internationale Fernmeldeunion noch einmal darüber beraten. Die nächste Schaltsekunde wird am 30. Juni dieses Jahres eingefügt, so dass dieses Jahr 2012 nicht nur einen Tag, sondern einen Tag und eine Sekunde länger dauert als normal.

12. April 2011

Xylophon

Category: Gadgets und Technik,Journalismus und Internet — Tags: , , , – Robert Dönges @ 14:32

Ja, dieses Blog mag derzeit ein wenig monothematisch daherkommen. Aber hier ist schon wieder so ein Werbeclip, der einfach nur den Mund öffnet und einen sprachlos zurücklässt. Die gedankliche und tatsächliche Arbeit, die hinter dem Video steckt, kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen. Aber allein, so eine Idee  zu haben und diese Idee auch umsetzen zu dürfen, finde ich großartig. Und das Resultat sagenhaft.

6. April 2011

Neues vom iPad

Das wird die Arbeit in den Redaktionen der Republik revolutionieren: Mit seiner jüngsten Entwicklung “Typescreen” hat Apple endlich die Brücke schlagen können zwischen Tradition und Moderne, zwischen Konservativen und Progressiven, zwischen Holz(medium)köpfen und Digital Natives – die iPad-Erweiterung “Olympia” ist da!

Der neue Star im Schreibbüro - Quelle: amazon.com

Dumm nur, dass es sich dabei um einen Aprilscherz handelt… (via @isilayerol)

23. November 2010

Samsung Galaxy Tab kills Apple iPad

Nach meiner leidvollen Erfahrung mit dem WeTab und der Abneigung gegen die unerträgliche Bevormundung der Firma Apple (iPad) habe ich mir prompt das Samsung Galaxy Tab bestellt, dass amazon.de gewohnt souverän innerhalb von 2 Tagen geliefert hat.

Erster Eindruck und Haptik

Der erste Eindruck des Gerätes nach dem “unboxing” hat mich sehr positiv überrascht: obwohl die Gehäuserückseite aus weißem Kunststoff besteht, liegt das 7″-Tablet gut in der Hand und wirkt äußerst wertig. Das verbaute 7″-Gorilla-Display mit der Auflösung 1024x600px sieht sexy aus, ist hell und lässt sich auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln sehr gut ablesen. Nichtsdestotrotz ist das IPS-Display des iPads noch ein Tick besser.

Android 2.2 basierter Tablet-Computer

Dank seiner kompakten Größe und des geringen Gewichtes von 380 Gramm kann man es in eine Jackentasche stecken und mitnehmen. Der Größenvergleich offenbart, dass das iPad zwar das größere Display hat, aber mit 1024×768 Pixel Auflösung nur knapp vor dem Galaxy Tab mit 1024×600 Pixel liegt.

Der eigentliche Vorteil des Gerätes gegenüber dem iPad ist definitiv das verwendete Betriebssystem Android 2.2 (Froyo = Frozen Yogurt)  von Google , das deutlich offener ist als das iOS von Apple und mehr Möglichkeiten zum Datenaustausch bietet. Dies äußerst sich beispielsweise darin, dass in Googles Market (analog Apple iTunes Store/AppStore) auch alternative Browser wie z.B. Opera Mobile angeboten werden und dass man das Galaxy Tab wie einen USB-Stick mit Daten befüllen kann.

Anwendungen

Mail-Accounts (privater imap-Zugang und Google Mail) waren ruckzuck aufgesetzt und es gab auch mit meinem selbstgebauten, self-signed X509-SSL-Server-Certificate keine Probleme. Beim iPad hatte ich deutlich länger für die Einrichtung gebraucht, da das iOS etwas zickig beim Umgang mit inoffiziellen SSL-Zertifikaten ist.

Da ich auf dem Desktop Linux nutze, war es ein Leichtes meine Lieblings-MP3-Sammlung (Sade, Billy Talent, Madina Lake, Halestorm, …) und Videos in unterschiedlichen Formaten (DVD-VOBs/MPEGs, MP4, FLV, AVI) per einfachem Drag’n'Drop im Dateimanager auf das Galaxy-Tab zu kopieren. Zugegebenerweise habe ich gar keinen Dateimanager verwendet, sondern rsync auf der Kommandozeile/bash. ;)
Das Galaxy Tab ist ein wahrer Multimedia-Allesfresser.

Dem Internet-Live-Stream zur  Schlichtung zu Stuttgart 21 konnte ich auf www.swp.de dank der Adobe-Flash-Ünterstützung problemlos folgen.

Prinzipiell ist das verwendete Betriebssystem Android 2.2 ja nur für Mobiltelefone und nicht für Tablets gedacht. Nichtsdestotrotz funktionieren die meisten Anwendungen auf dem schicken 7″-Display trotzdem ganz gut und vor allem flink!. Die Mail-Anwendung ist hier besonders zu loben: wenn man das Galaxy-Tab hochkant hält, sieht man entweder die E-Mail-Übersichtsliste oder eine E-Mail-Detailansicht. Kippt man das Gerät auf die Seite, so wird in einer linken schmalen Spalte die Übersichtsliste und in der rechten breiteren Spalte die Detailansicht dargestellt. Man kann allerdings auch die Detailansicht auf die ganze Breite ziehen und kann so bequem auch längere E-Mails lesen. Ich finde dies total angenehm und wirklich gut zu bedienen.

Vergrößern und verkleinern von Inhalten per Zwei-Finger-Gesten funktionieren in den meisten Anwendungen wie gewohnt und flüssig. Die CPU im Galaxy Tab taktet mit 1 GHz und ist mit der iPad-CPU durchaus vergleichbar.

Android-Anwendungen (Apps aus dem Google Android Market), bei denen das GUI nicht sauber programmiert ist, nutzen die Bildschirmgröße allerdings nicht aus und man sieht dann ringsherum einen schwarzen Rand (ähnlich wie bei der Nutzung von iPhone Apps auf dem iPad, wenn man nicht den 2x-Zoom verwendet, der die meisten iPhone-Apps auf dem iPad pixelig erscheinen lässt).

Samsung liefert die Office Productiviy Suite Think Free Mobile. Damit kann man Word, Excel, Powerpoint bearbeiten und PDF-Dokumente anschauen. Beim iPad geht dies ohne zusätzliche kostenpflichtige Software gar nicht.

Die eingebauten 16 GB Speicher reichen für die meisten Zwecke. Falls das wider Erwarten nicht reicht, erweitert man einfach den Speicher per SDHC-Karte.

Telefonfunktion und Kameras

Mit dem Galaxy Tab kann man natürlich auch telefonieren, wobei man das Gerät lieber nicht an das Ohr halten sollte, da es ansonsten wie ein überdimensionales Senioren-Handy wirkt. :-)
Das Stereo-Headset erleichtert dann die Telefonie oder man nutzt alternativ die eingebauten Stereolautsprecher und das eingebaute Mikrofon als Freisprech-Telefonapparat.
Neben Voice-Telefonaten werden Videotelefonie und Skype unterstützt. Hierzu ist Gerät auf der Vorderseite eine 1,3 MP Kamera verbaut.

Die zweite integrierte Kamera (3,2 MP = 2048×1535 Pixel) sitzt auf der Rückseite und macht ganz passable Schnappschüsse. Der Clou dabei ist, dass man dann einen 7″ Großbild-Sucher hat.

Mit Bordmitteln oder den passenden Apps kann man Fotos bearbeiten, ablegen oder veröffentlichen. D.h. sofort twittern, auf Facebook teilen, in eine Dropbox legen oder per eingebauter Anwendungoder Photoshop Express oder PicSay Pro nachbearbeiten.

Weitere Anwendungen wie z.B. eReader oder Apps für Magazine und Tageszeitungen habe ich noch nicht ausführlich getestet und ich überlege eine Fortführung des Tests in Sachen “Mediennutzung mit dem Samsung Galaxy Tab”.

Internetworking & Handling

Einem Netbook ohne UMTS-Stick konnte ich per Wifi-Tethering die UTMS-Verbindung des Galaxy Tabs zur Verfügung stellen. Hier wird sogar das sichere WPA2-PSK unterstützt.  Um eine gute Internet-Verbindung zu haben, kann man das Galaxy Tab auf’s Fensterbrett legen und im Wohnzimmer auf dem Netbook über das Galaxy Tab im Internet surfen: TOP!

Extrem cool ist auch, daß das Galaxy Tab sich – im Gegensatz zum iPad – deutlich mehr nach richtigem Computer anfühlt, d.h. man kann direkt auf dem eingebauten Speicher oder auf der eingelegten SDHC-Card Dateien und Ordneroperationen wie anlegen, umbenennen und löschen durchführen. Und vor allem auch im Browser Dateien down- und uploaden. Für jemanden, der mit Disketten, Dateien und Ordnern groß geworden ist, ist dies ein Paradies! ;)

Das Thema Datensicherung hat Apple mit iTunes besser im Griff, da dort automatisch immer alle Daten und Programme gebackup’d werden. Bei Android sind die Adress-/Kontakt-Termin-Daten nur dann autonatisch gesichert, wenn man mit seinem Account die Google Dienste nutzt. Programme und andere Daten (Filme, Audio-Dateien, …) muss man separat, beispielsweise mit einer Backup-App oder dem Dateimanager auf eine SD-Karte sichern.

Im Lieferumfang des Galaxy Tabs ist ein kleines Getting-Startet Büchlein, ein 220V-Netzteil mit USB-/Ladekabel und ein Stereo-Headset, mit dem man auch telefonieren kann. Leider ist weder ein Mikrofasertuch, noch eine Tasche dabei. In diesem Punkt (unr NUR in diesem! :-) hat das WeTab die Nase vorn.

Technische Daten

  • CPU: ARM Cortex A8
  • Hauptspeicher: 512 MB RAM
  • interner Flash-Speicher: 16 GB Flash
  • externer Flash-Speicher über SDHC-Speicherkarte
  • Display: 7″ Multitouch, 1024×600 Pixel
  • Akku: 4.000 mAh
  • WLAN 802.11a/b/g/n
  • UMTS (HSUP/HSDPA) , GSM (GPRS, EDGE)
  • Bluetooth 3.0
  • Kameras: 3,2 MP Autofocus mit LED-Blitz auf Rückseite  und 1,3 MP auf Vorderseite
  • Gewicht: ca 380 Gramm
  • Betriebssystem: Google Android 2.2 (Froyo = Frozen Jogurt)

Fazit

Das Samsung Galaxy Tab ist toll, begeistert mich total und hat mit Android 2.2 ein gutes Tablet-Betriebssystem. Es hat definitiv das Potential den Tablet-Markt aufzurollen und wurde lt. Pressemitteilung schon seit Markteinführung Mitte Oktober über 600.000 mal verkauft. Das Geschäfts-iPad schalte ich seit einigen Tagen nur noch ein, wenn ich unsere Apps testen muss oder zum Rhythm Racer HD spielen. Die Features des Galaxy Tabs übertrumpfen das iPad um Längen – allerdings wirkt das auf wenige Dinge reduzierte iPad etwas wertiger und das Display ist besser   Apple muss sich meiner Meinung nach – nicht nur wegen des Wintereinbruchs – extrem warm anziehen! :-)

27. September 2010

WeTab – ein Erfahrungsbericht eines wechselwilligen iPad-Users und Apple-Hateboys

Als jahrzehntelanger (*sigh*) Unix/BSD/Linux-Fan, mehrmonatiger iPad-Benutzer und trotz schwerer Kommandozeilenabhängigkeit begeisterte mich die angekündigten Leistungsdaten und das offene System des WeTab der deutschen Firma Neofonie sehr, da damit der grausame iTunes-Zwang und das Monopol der Firma Apple auf Tablet-Computer zu enden schienen.
Die WeTab-Oberfläche nach dem Start des Gerätes
Ich habe deshalb das WeTab 16GB/Wifi bereits am 8. Mai 2010 kurz nach der Ankündigung bei Amazon vorbestellt und es am Donnerstag, den 23.9.2010 erhalten. Nach dem Auspacken fiel mir auf, dass neben dem WeTab sowohl eine kleine Stofftasche als auch ein Microfaser-Reinigungstuch mitgeliefert werden. Das machte schon mal einen guten Eindruck, da Touch-Geräte geschützt und regelmässig gereinigt werden müssen. IPad-User kennen dies bereits. :-)
Nach dem Einschalten und der Konfiguration der Wifi-Verbindung hat sich das WeTab selbstständig installliert bzw. aktualisiert. Bis hierher war alles TOP!
Als das Gerät nach ca 20 Minuten mit dem “Ich mach mich nur kurz frisch”-Vorgang fertig war, erkundete ich die Oberfläche und stellte rasch fest, dass das spiegelnde Display extrem blickwinkelabhängig ist. Legt man es auf den Tisch und schaut schräg auf das Display, kann man kaum etwas erkennen. Das sollte bei einem Gerät, das fast 500,- Euro kostet nicht passieren, zumal es Netbooks mit vergleichbarer Technik (Intel N450, 1 GB RAM, 16 GB SSD) schon ab 350,- Euro gibt.
Hier meine Erfahrungen nach 3 Tagen Nutzung
Multimedia-Fähigkeit
  • Youtube-Videos und MKV-Dateien werden zwar abgespielt, aber HD-Material (720p) ruckelt und wird nicht flüssig wiedergegebenFotos können bequem angeschaut werden. Es gibt auch einen Diashow-Modus.
  • MP3-Sounddateien werden problemlos (auch im Hintergrund) abgespielt
  • Das Tagesschau-Video-Widget, das die “Tagesschau in 100 Sekunden” direkt auf der Pinnwand abspielt, macht richtig Laune
  • Die Mediengalerie (Foto-Viewer/Diashow, Filme) sieht zwar nett aus, stellt aber Videos mit Vorschaubildchen als “corrupt” dar.
  • Der Banshee-(Musik)-Player (V1.7) funktioniert wie gewohnt
  • Die WebCam funktioniert, aber was man ausser Standbilder schiessen damit machen kann, ist noch unklar.

Anwendungen

  • Der installierte Dateimanager (Filebrowser) ist sehr minimalistisch. Man hat nur eine Symbol-, aber keine Listendarstellung und man kann auch keine Dateien/Ordner umbenennen. Ein Midnight-Commander oder Gnome-Nautilus würde die Produktivität deutlich erhöhen.
  • Multitasking funktioniert wunderbar und man kann sehr schnell zwischen Anwendungen hin- und herschalten.
  • Die Pinnwand ist nett, wird aber leicht unübersichtlich und überladen
  • Die meisten “Apps” im WeTab-Market sind nur Lesezeichen, die man auf den Desktop legt und keine “Native Apps”. Echte “News-Apps” für das angekündigte “Medienwunder wie auf dem iPad (z.B. Welt-App oder Flipboard) gibt es derzeit (noch) nicht. Das Neofonie-WeMagazine konnte ich nicht entdecken.
  • Internet-Surfing ist klasse, auch geflashte” Webseiten funktionieren prima
  • Claws-Mail funktioniert im Zusammenspiel mit meinem IMAP-Server mit self-signed-X509-Zertifikat überhaupt nicht und stürzt bereits beim Start ab. Wieso gibt’s keinen Thunderbird?
  • Android-Apps stehen (noch) nicht zur Verfügung. Anscheinend soll Android 2.2 (Froyo) in einer virtualisierten Umgebung noch folgen…Das WeTab zeigt auch Webseiten an, die Flash-Applets enthalten
Handling
  • Multitouch funktioniert (noch) nicht, d.h. ausser tippen und ziehen gibt’s noch keine weiteren Gesten
  • Angeschlossene USB-Geräte (z.B. Kartenleser mit CF-Karte, USB-Stick, Kamera) werden erkannt und man kann auf die Daten zugreifen
  • Viele Anwendungen (z.B. Banshee-Musikplayer, OpenOffice) sind nicht für Touch-Screens optimiert, d.h. man muss millimetergenau auf die Schaltflächen/Menüs tippen, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten.
  • Bootzeit aus dem ausgeschalteten Zustand ~25 Sekunden, aus dem Standby < 3 Sekunden
  • Die RootShell funktioniert wunderbar. Nachdem openssh und rsync per sudo yum install openssh-server rsync auf dem WeTab installiert ist, klappt die Befüllung mit Daten problemlos.
  • Die Bildschirmtastatur ist schön groß und es gibt sogar einen Slash! (Nein, nicht DER! :-)
  • Per “yum” kann man weitere Software-Pakete nachladen, die aber nicht auf der Oberfläche/Pinnwand erscheinen. Ich habe die Bildbearbeitung gimp und thunderbird installiert und konnte diese dann über die Kommandozeile starten.
  • Es gibt keinen Schalter, mit dem ein versehentliches Drehen des Bildschirms verhindern werden kann. Dies führt dazu, dass je nach Haltung das Display einfach wegkippt und man gegensteuern muss. Desweiteren ist die Drehung des Bildschirminhalts beim Kippen/Bewegen des Gerätes nicht so elegant wie beim iPad. Beim WeTab wird der Bildschirm kurz schwarz und erst danach sieht man den gedrehten Bildschirminhalt.
  • Es gibt keinen Lautstärkeregler am Gerät – that’s really bad!
  • Das Netzteil hat einen richtigen EIN/AUS-Schalter. Das ist SUPER!
Security
  • Das WeTab ist NICHT mehrbenutzerfähig (wie das iPad). Da (zumindestes bei meinem Wifi-only-Modell) kein Passwort/PIN für die Nutzung erforderlich ist, kann jeder auf persönliche Daten zugreifen, der das WeTab in den Händen hält. Ich würde dem WeTab deshalb eigentlich keine persönlichen und sensitiven Daten anvertrauen.
  • Ich habe keine Möglichkeit gefunden, dass Gerät in den Auslieferungszustand zurückzuversetzen.
  • Ein Portscanner (nmap) hat offene TCP-Ports gefunden: DNS (53), ipp/Printing (631), X-Windows/X11 (6000). Dies sollte auf einem Linux-basierten System nicht sein. Schliesslich gibt’s ja iptables/Netfilter out-of-the-box.Hier erhält der Benutzer einige Infos und kann einige wenige Dinge anpassen.
  • Zur Datensicherheit gehört auch ein Backup-Konzept für die Datensicherung und das Wiederherstellen von Daten. Hier muss man neidvoll anerkennen, dass dies iTunes vorbildlich löst. Beim WeTab muss man selbst dafür Sorge tragen, regelmässig daran denken und auch noch händisch machen, indem man beispielsweise per Filebrowser die Daten auf eine SD-Karte oder eine USB-Platte sichert.
Hardware
  • Das WeTab 16GB-Wifi ist mit 1005 Gramm deutlich schwerer als mein iPad-32GB-UMTS mit 715 Gramm.
  • Das Display hat die perfekte Größe (1366×768 Pixel, quasi HD-ready), aber durch die starke Blickwinkelabhängikeit ist es für mich nicht vernünftig nutzbar.
  • Der verbaute Lüfter läuft häufig, sein (leises) Geräusch empfinde ich nicht als störend.
  • In meinem WeTab kommt eine SanDisk pSSD S2 16GB zum Einsatz
  • Batterielaufzeit: vermutlich irgendwas zwischen 3 und 6 Stunden, abhängig vom Nutzungsprofil. Gefühlt waren es ca 4 Stunden.
Das offene Konzept des Gerätes und die Idee finde ich nach wie vor fantastisch, aber es gibt noch so viele offene Punkte und grobe Fehler, die für mich eindeutig zur Abwertung des WeTab führen. Ich werde es deshalb wieder zurückschicken und auf eine bessere Alternative warten. Vielleicht ist das angekündige und Android basierte Samsung Galaxy Tab eine Alternative zum iPad.
Für die angepeilte Zielgruppe “Otto-Normaluser” ist das Gerät meiner Meinung nach derzeit so gut wie nicht brauchbar.


Die englische Version von OpenOffice lässt sich etwas schwierig bedienen, da die Schaltflächen/Menüs nicht für Touch-Bedienung ausgelegt sind.
Derzeit stehen nur wenige Programme im Market zur Verfügung. Meist sind es keine Native-Apps, sondern nur Links auf Webseiten.



Hier noch ein Test der Kollegen von PCWELT