Der liebe Gott hat sich schon etwas dabei gedacht, als er beschloss, Redakteure schreiben und Wengerter (für Nicht-Schwaben: Winzer) Wein machen zu lassen. Was geschieht, wenn einer versucht, diese ungeschriebene Weisheit umzukehren, lässt sich prima am Etikett der Rotwein-Cuvée “Villa Gemmingen” des städtischen Stuttgarter Weinguts feststellen. Wer auch immer dessen Etiketten-Prosa textet, hat von deutscher Rechtschreibung mutmaßlich so viel Ahnung wie ich vom Keltern.
Eine "finessenreriche" Cuvée mit starker "Strucktur"
Dass die Fehler kein einmaliger Lapsus sind, beweist das Etikett des 2007 Cannstatter Zuckerle vom gleichselben Abfüller. Ein Rebensaft für “Freunde leichter halbtockener Trollinger-Weine”. Ein ganz besonderer Topfen also. In diesem Sinne: zum Wohle.
Ich mag Sushi. Manchmal. Je nach Tagesform und Magenzustand (gab’s morgens Frühstück oder doch nur wieder ‘nen doppelten Espresso) schmeckt das japanische Fingerfood entweder superlecker. Oder nach dem, was es ist: kalter Klebreis mit totem, rohem Fisch. Für Asiaten wahrscheinlich vergleichbar mit hiesigen Spezialitäten wie hartgekochtem Ei in Aspik. Auch das ist Geschmackssache. Gar nicht streiten dagegen lässt sich über diesen Werbeclip. Der ist nämlich echt süß. Vor allem sie.
Quelle: Die deutschen Nudelmacher (www.nudelnmachengluecklich.de)
Kreta, 1971
Als ihre Mutter starb, war Argiroula acht Jahre alt. Sie war das jüngste von sieben Kindern und das einzige Mädchen. Der Tag, an dem die Familie die Mutter zu Grabe trug, bedeutete das Ende ihrer Kindheit. Am Morgen nach der Beerdigung hackte Argiroula Brennholz für den Herd, holte Wasser aus dem Brunnen, ging in die Küche, setzte einen großen Topf Wasser auf und begann zu kochen. So, wie sie es bei ihrer Mama gesehen hatte. “Es hat mir keiner gesagt. Aber ich wusste, dass ich jetzt ihre Rolle übernehmen musste.” Danach machte sie das Haus sauber. Am Abend, als ihr Vater und ihre Brüder von der Arbeit zurückgekehrt waren, servierte sie ihre erste selbstgekochte Mahlzeit: eine große Schüssel nackter Nudeln. Die Achtjährige hatte fast alles richtig gemacht, nur eines vergessen. Die Männer aßen schweigend. Dann bedankte sich der Vater bei seiner Tochter für das Essen und sagte: “Das nächste Mal, nimm Salz.”
Seit jenem Tag hat Argiroula ihr Leben lang gekocht und geputzt. Anfangs für ihren Vater und ihre Brüder; später für ihren Mann, ihre drei Kinder. Und weiterhin für ihren Vater, bis heute. Erzählt hat sie mir ihre Geschichte vor zwei Jahren, lächelnd, ohne jede Verbitterung. Argiroula ist Jahrgang 1963 und lebt auf Kreta. Eine Schule hat sie nie besucht. Ihre Tochter, Victoria, geht tagsüber aufs Gymnasium und abends auf eine private Fremdsprachenschule: Englisch, Französisch, Deutsch. Um den Unterricht zu bezahlen, putzt Argiroula auch im Hotel. Sie will, dass es der 16-Jährigen immer besser geht als ihr.
Günzburg, 2011
Sie wollte sich nur was zu essen machen. Also nahm die Zehnjährige die Nudel-Hartware aus der Packung, stellte sie in das Gerät, in dem auch Mama immer das Essen warm macht – und drehte die Mikrowelle an. Ohne Salz. Aber auch ohne Wasser. Es kann nicht lange gedauert haben, da begann die rohe Pasta zu qualmen. Die beißenden Schwaden breiteten sich rasch in den Räumen aus, die Nachbarin eilte zu Hilfe und auch die Feuerwehr rückte an, alarmiert vom Rauch, der aus der Wohnung in Ichenhausen im Kreis Günzburg drang. Glück im Unglück: Bis auf ein paar leichte Rauchvergiftungen ist nichts passiert.
Gelesen habe ich diese Geschichte heute im Pressebericht des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Ob sich die Zehnjährige je wieder zutrauen wird, Pasta zu kochen? Ich für meinen Teil zumindest habe, nachdem ich das eine gelesen und mich darauf an das andere erinnert habe, einen kleinen Vorsatz gefasst. Am Wochenende will ich meiner neun Jahre alten Tochter die Geschichte von Argiroula erzählen. Danach werde ich ihr zeigen, wie man richtig Spätzle macht. Für alle Fälle. Und mit Salz.
Liebe Pressestelle der Ergo-Versicherungsgruppe, herzlichen Dank für Ihre Korrektur einer von vielen Menschen falsch gehandhabten Praxis des Tequila-Saufens. Entgegen landläufiger Ansicht geht es mitnichten darum, sich Zitronensaft auf den Handrücken zu träufeln, die nasse Stelle zu salzen und abzulecken, um mit Hilfe eines hinterher gekippten Tequilas und dem Auslutschen des Zitronenschnitz’ eine Geschmacksexplosion im Munde auszulösen.
Dieses Verfahren stellen Sie zu Recht als inkorrekt dar.
Ihre heutige Stellungnahme erfolgt auf die unappetitlichen Vorwürfen, denen sich Ihre ausgezeichneten Versicherungsvertreter seit Tagen in der Boulevardpresse ausgesetzt sehen. Für alle uneingeweihten Leser dürfen wir Sie der Einfachheit halber zitieren:
Die Berichterstattung …, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sog. Top 5 Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die … veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase. Bei den Handlungen … handelt es sich nicht um den Konsum von Kokain.”
Liebe Pressestelle, wir freuen uns, Sie in Ihrer wichtigen Aufklärungsarbeit unterstützen zu können! Tatsächlich war es uns möglich, einen Ihrer damaligen Kollegen ausfindig machen zu können, der sofort bereit war, den von Ihnen geschilderten Ablauf des Tequila-Trinkspieles vor der Kamera zu demonstrieren:
Der filmische Beweis, dazu die Ihrem Unternehmen vorliegenden “eidesstattlichen Versicherungen von auf den Lichtbildern abgebildeten Personen” lassen nur einen logischen Schluss zu: Da will uns jemand verarschen. Aber ganz gewaltig!
Das Cafe Omar in Ulm, am Schnittpunkt König-Wilhelm- und Friedenstraße, ist eine unter altgedienten Kollegen geschätzte Lokalität, in der man einst als Jungredakteur Schafkopf spielte, den Künstler gab und politische Diskussionen führte. Nicht umsonst eilt der Kneipe der Ruf voraus, die letzte Institution der Alt-68er in Ulm zu sein. Das muss man wissen, um zu verstehen, warum sich die Gaststätte in der Oststadt beharrlich der Moderne verweigert.
Um so mehr erstaunt daher, dass die Bastion über eine Adresse im World Wide Web verfügt – www.cafe-omar.de. Jedoch: Wer den Link anklickt, landet nicht bei der Speisenkarte der Schenke. Sondern am “Ende des Internets” – und liest ein paar finale Handlungsempfehlungen:
Öffnen Sie sich ein kaltes Bier.
Lehnen Sie sich zurück.
Gehen Sie nach draußen an die frische Luft.
Fangen Sie endlich an, die Bücher zu lesen, für die Sie nie die Zeit gefunden haben, sie zu lesen.
Bilden Sie sich weiter.
Essen Sie gesund.
All dem ist nicht zu widersprechen. Eine Übersicht über das Omar’sche Speisenangebot wäre dennoch hilfreich. Dann halt über diesen Weg: Das Essen mittags im Omar wird unter dem Oberbegriff “Supp’ Kultur” angeboten (und das zu durchaus sozialistischen Preisen). Montags bis Donnerstags gibt’s täglich wechselnd Suppe oder Eintopf, am Freitag Leberkäs mit Kartoffelsalat, ersatzweise Fleischküchle oder Weißwürste.