8. Mai 2012

Lisbee Stainton

Category: Allgemein — Tags: , , – Robert Dönges @ 17:33

Manchmal ist die Vorgruppe bei einem Konzert überraschend besser als der main act selbst. Zuletzt so geschehen am Sonntag, beim Konzert des singenden Geigenspielers Seth Lakemann in Stuttgart. Vor ihm betrat eine junge Dame die Bühne, die mit ihrer warmen, voluminösen Stimme die viel zu wenigen Zuhörer im Club Universum vom ersten Song an für sich einnahm. Lisbee Stainton heißt die englische Singer-Songwriterin, deren volle Stimme den Saal wohl auch ohne das Mikrofon erfüllt hätte.

Freilich hatte Lisbee mit ihrem Musikstil zwischen Dale Wilde, The Corrs und A Fine Frenzy leichtes Spiel mit einem Publikum, das ohnehin in Erwartung rockiger Folkmusik in die Konzertstube unterm Stuttgarter Charlottenplatz gekommen war. Neben ihrer Vokalität fiel die Gitarre auf, die sie spielt: eine Spezialanfertigung mit acht Saiten (D und G, die beiden mittleren Saiten, sind doppelt), was für einen ungewöhnlich klaren, sauberen Klang des Instruments sorgt.

Von den sieben, acht Liedern, die sie vortrug, hatte ich mir die Titel von vieren gemerkt – und drei von ihnen netterweise auf ihrer bereits dritten und jüngsten CD “Go” gefunden (ja: ich erstehe noch immer CDs). Falls ich ein weiteres Mal in meinem Leben die Chance habe, den Highway 101 entlang zu fahren, wäre “We don’t believe in monsters” einer der Songs, der bei mir im Kabrio liefe.

Das vierte, sehr ruhige Stück, neben meinen weiteren Favoriten “Find me here” und dem Bonus-Track “Millions of flowers”, heißt “Red”, stammt von ihrem ersten Album und man kann es sich auf Youtube anhören:

Übrigens war auch Seth Lakeman richtig gut, vor allem dann, wenn er ein verschärftes Tempo anschlug. Als Beleg mag sein bisher größter Erfolg “Lady of the Sea” gelten:

Aber die CD habe ich mir an diesem Abend von ihr, nicht von ihm gekauft.

12. März 2012

Der Bär ist los

Category: Allgemein — Tags: , , , , , – Robert Dönges @ 17:46

Verstörende Nachrichten erreichen uns in diesen Tagen aus dem Süden der Republik: Eine Reihe seltsamer Vorkomnisse erschüttert die bislang heile Welt von Winnie Puuh und Co. So haben Bärenschänder im bayerischen Bad Aibling vor wenigen Tagen einen ausgestopften Artgenossen inmitten eines Kreisverkehrs platziert, berichtete das Oberbayerische Volksblatt am 5. März. Woher das Tier kam und wer es verunstaltete, ist bislang völlig unklar. Die örtliche Polizei (08061/ 9073-0) bittet um Zeugenhinweise.

Auffallend jedoch: Der Bad Aiblinger Problembär wurde in Blickrichtung Bachhagel aufgestellt. Bewusst? Denn dort, genauer: Von einem Kreisverkehr zwischen den Gemeinden Bachhagel und Hohenmemmingen, ist wenige Tage später ein steinerner Bär verschleppt worden (Heidenheimer Zeitung, 12. März). Man fand ihn in hilfloser Lage rund 30 Meter weiter an einen Baum gelehnt – lediglich 165 Kilometer Luftlinie vom ersten Tatort entfernt.

Ausgesetzt: Bär bei Bachhagel (Foto: Jens Eber, Heidenheimer Zeitung)

Ausgesetzt: Bär bei Bachhagel (Foto: Jens Eber, Heidenheimer Zeitung)

Die Skulptur des Syrgensteiner Künstlers Valentin Stegmayer hatte hier seit Sommer 2009 den Kreisel verschönert und die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg markiert. Doch auch bei diesem Fall tappt die Polizei noch völlig im Dunkeln, was Motiv und Ausführung der schmählichen Tat betrifft. Das Revier in Giengen bittet um die Mithilfe der Bevölkerung: 07322/ 9653-0.

Vermutet wird ein direkter Zusammenhang zwischen beiden Verbrechen. Das Justizministerium in Berlin hat eine bundesweite Warnung an alle Bärenbesitzer und Gummibärchenläden veröffentlicht. Insbesondere Kommunen mit Kreisverkehren, auf denen Meister Petz dargestellt wird, sind zu erhöhter Wachsamkeit aufgefordert. Daher lässt die Gemeinde Hillscheid jetzt ihre Bärenbrüder rund um die Uhr beobachten.

2. März 2012

In eigener Sache

Category: Allgemein — Tags: – Robert Dönges @ 13:13

Liebe Leute, mehr als 300 Spam-Mails binnen der vergangenen 24 Stunden ist a bisserl zuviel…!

Keine Ahnung, warum dieses Blog gerade mit so viel Mist geflutet wird – aber ich hoffe, mit der Deaktivierung der Pingback- und Trackback-Funktion die richtige Bremse gefunden zu haben. Normale Kommentare zu Artikeln müssten weiter funktionieren. Vielen Dank für Euer Verständnis!

Nachtrag: Inzwischen läuft zwar weitaus weniger Spam ein als noch am ersten Tag. Aber mit über 700 sind es der Müll-Mails immer noch viel zu viele. Alle Kommentare wurden daher auf  “Gegenlesen” geschaltet, d.h., sie müssen erst von einem Admin freigegeben werden, bevor sie online gehen. Ich hoffe, dieser Zustand wird nicht zu lange dauern müssen…

29. Februar 2012

Das Jahr 2012 dauert 86401 Sekunden länger

Die Zählerei mit den Tagen war den alten Römern lästig. Sie ließen den 1. eines Monats deshalb öffentlich ausrufen (cala re, daher das Wort „Kalender“). Caesar führte den 29. Februar als vierjährlichen Schalttag ein. Mittlerweile gibt es auch Schaltsekunden. Die wiederum sind Computerprogrammierern lästig.

Gaius Julius Caesars Feldzug im Jahr 48 v. Chr. nach Ägypten war in dreifacher Weise erfolgreich. Er erhielt dort den Kopf seines Rivalen Pompeius überreicht, lernte die junge Königin Kleopatra kennen und lieben – und erhielt von ägyptischen Mathematikern und Astronomen Tipps, wie er die Kalenderrechnung vereinfachen könne. Denn der alte Römische Kalender, in dem sich Elemente aus Mond- und Sonnenkalender mischten, zeigte oft nicht wirklich die zur Jahreszeit passenden Monate an.

Nach seiner Rückkehr nach Rom hat Caesar das Kalenderproblem auf die für ihn übliche Weise gelöst, nämlich radikal und effektiv. Er ordnete für das Jahr 46 v.Chr. – zusätzlich zum immer wieder gebrauchten Schaltmonat Mensis interkalaris (22 zusätzlicheTage) – zwei einmalige weitere Schaltmonate an: 33 und 34 Tage wurden zwischen November und Dezember gelegt, so dass dieses Jahr 445 Tage lang war. Es endete am 1.Januar 45 v. Chr. Von diesem Jahr an galt der Julianische Kalender mit der Zahl von Tagen pro Monat, die auch heute noch gilt. Dazu alle vier Jahre ein einziger Schalttag, der 29.Februar.

Der vierjährliche 29.Februar sollte ausgleichen, dass ein Sonnenjahr 365,25 Tage dauert, also einen Vierteltag länger als das Kalenderjahr. Er wurde einfach ans Ende des Jahres gehängt, das für die Römer damals am 1. März begann.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass das Julianische Jahr nicht ganz genau war. Das Sonnenjahr ist nämlich ungefähr 11 Minuten kürzer als 365,25 Tage. Nicht viel, aber auf lange Sicht doch deutlich zu bemerken; im 14. Jahrhundert war der Kalender seiner Zeit bereits um 7 Tage hinterher.

Es dauert 200 Jahre, bis das Problem gelöst wurde: Im Jahr 1582 führte Papst Gregor XIII. die Schaltjahr-Regel ein, die heute noch gilt: Weiterhin alle vier Jahre ein Schalttag. Jedoch keine Schalttage zu den vollen 100er-Jahren, aber in jedem Jahr, das durch 400 teilbar ist, doch ein Schalttag.

Die bis dahin aufgelaufenen zehn überzähligen Tage wurden ebenso radikal und effektiv beseitigt, wie Caesar 1628 Jahre zuvor 89 Tage eingefügt hatte: auf einen Schlag. Der Papst ließ im Jahr 1582 auf den Donnerstag, 4. Oktober, zwar wie gehabt einen Freitag folgen. Jedoch war es schon der 15.Oktober.

Solch einen Zeitschwund, der alle Untertanen gefühlte zehn Tage gekostet hätte, wollte die Regierung König Karls XII. in Schweden vermeiden. Sie plante deshalb, von 1700 bis 1740 die elf Schaltjahre ausfallen zu lassen. Dann wäre das Volk vom Julianischen Kalender, dem es damals einen Tag vorauseilte, sanft zum Gregorianischen Kalender umgeschaltet worden, dem es zehn Tage hinterher hing.

Daraus ist jedoch nichts geworden. Der Große Nordische Krieg brach aus, die 29. Februare wurden 1704 und 1708 eingeschaltet wie gehabt und König Karl XII. kehrte der Einfachheit halber zum Julianischen Kalender zurück. Weil Schweden diesem immer noch einen Tag vorauseilte, wurde im Jahr 1712 der 30. Februar eingefügt, dann passte es. Das war der einzige 30. Februar der Geschichte. Erst 1753 hat König Adolf Friedrich sein Volk in die Neuzeit gebracht: Dem 17. Februar folgte der 1.März.

Von Schaltmonaten über Schalttage zu Schaltsekunden: Die Verfeinerung von Messmethoden im Laufe der Zeit ist auch an der Größe der Einheiten abzulesen, mit denen Zeit ausgeglichen wird. Seit 1972 sind 24 Schaltsekunden in die Zeit eingefügt worden, entweder an einem 30. Juni oder einem 31. Dezember, jeweils nach 23:59:59 Uhr.

Die Schaltsekunde auf Youtube

Das hängt damit zusammen, dass die Sekunde seit 1967 nicht mehr als ein 86400tel eines durchschnittlichen Sonnentags definiert wird. Das erschien Wissenschaftlern zu ungenau, weil die Erde sich unregelmäßig rasch dreht und die Drehung sich sowieso stetig, wenngleich langsam, verlangsamt. Die Sekunde wird seitdem definiert durch die Zeit, in der ein Cäsiumatomkern 9192631770mal schwingt.

Der Unterschied zwischen dieser Atomzeit und der Sonnentagszeit ist allerdings so klein, dass sich Widerstand gegen die Schaltsekunden regt, die im Schnitt alle zwei Jahre eingefügt werden sollen. Das Hauptargument: Es sei zu viel Aufwand, die Computer jedesmal von Hand umzustellen. Einige bekannte Systeme ignorieren die Atomzeit ohnehin völlig; das Zeitsystem des GPS zum Beispiel ist 1980 eingestellt worden – und wird nicht nachgestellt.

Nichtsdestotrotz wird die Schaltsekunde wenigstens bis 2015 beibehalten, dann will die Internationale Fernmeldeunion noch einmal darüber beraten. Die nächste Schaltsekunde wird am 30. Juni dieses Jahres eingefügt, so dass dieses Jahr 2012 nicht nur einen Tag, sondern einen Tag und eine Sekunde länger dauert als normal.

1. Februar 2012

Bitterer Witz

Category: Allgemein,Kreta und Griechenland — Tags: , , – Robert Dönges @ 18:03
Um Himmels Willen... (Foto: Lars Schwerdtfeger)

Um Himmels Willen... (Foto: Lars Schwerdtfeger)

Weder in der Altpapiertonne, noch im Internet: Ich finde das Original der folgenden Geschichte nicht mehr. Das tut mir leid. Gelesen habe ich den Text in einer älteren Ausgabe der Griechenland Zeitung, in die ein Buch eingewickelt war, dass ich in Athen bestellt hatte. Lange Rede, kurzer Beschluss: Die Story nacherzählt, so, wie ich sie in Erinnerung habe.

Im Auftrag des lieben Gottes soll Petrus die Himmelspforte neu streichen lassen. Dazu bittet er drei Handwerker, einen Albaner, einen Deutschen und einen Griechen, um ihre Kostenvoranschläge.

Der Albaner verlangt 600 Euro: 200 fürs Material, 400 für die Arbeit.

Der Deutsche verlangt 1000 Euro: 300 fürs Material, 300 Euro Steuer für das Finanzamt und 400 Euro als Lohn für seine Arbeit.

Der Grieche dagegen verlangt 3000 Euro und flüstert Petrus die Details seines Angebots ins Ohr: “1000 für Dich, 1000 für mich. Dem Deutschen zahlen wir 300 dafür, dass er sein Angebot zurückzieht. Bleiben 300 Euro fürs Material und 400 für den Albaner – irgendeiner muss ja schließlich die Arbeit machen!”

In jedem Witz steckt eine bittere Prise Wahrheit. Verdammtes Finanzamt!