12. Januar 2012

Schnelle Nummer mit Mandy

Aus unserer Reihe “Lebenshilfe” – heute: die Kfz-Ummeldung

Dieser Tage hatte ich das Vergnügen, eine junge Kollegin, die mich um meine Hilfe gebeten hatte, zum Landratsamt des Alb-Donau-Kreises in die Schillerstraße zu begleiten. Anlässlich ihres Umzugs nach Ulm war es der anonym bleiben wollenden Kollegin (nennen wir sie einfach Mandy) ein Herzensanliegen, ihrem Kleinwagen ein hiesiges Nummernschild zu verpassen. Eine Nummer, die laut Mandy nicht länger als zehn, zwanzig Minuten dauern sollte.

Der mir zugedachte Part dabei war zum einen die moralische Unterstützung (Mandy: “Ich hab’ doch so etwas noch nie gemacht!”). Zum anderen die Schonung der Mandy’schen Fingernägel, als es um das Herauslösen der alten Kennzeichen ging. Ein Vorgang, der nicht nur im strömenden Regen, bei lausiger Kälte, heftigem Wind und inmitten einer Pfütze stattfand, die Mandy zu ihrem Parkplatz erkoren hatte. Auch wehrten sich die mit ihren Halterungen verwachsenen Nummernschilder vehement dagegen, entfernt zu werden. Abgesehen davon, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, wie man die Teile üblicherweise richtig ablöst. Erst ungeeignetes Werkzeug und der Totalverlust von zwei Plastiklaschen, mit denen die Schilder fixiert waren, brachten die störrischen Kennzeichen zum Einlenkenbiegen.

Gut 20 Minuten nach der Ankunft also, durchnässt, aber mit den erlegten Blechtafeln in der Hand, betraten wir die Zulassungsbehörde. Aktuell angezeigt ward Nummer 133. Mandy, das patente Mädel, hatte unsere Mittagspause als genau jene Zeit des Tages bestimmt, in der am wenigsten Andrang herrschen sollte. Dies indes erwies sich als Fehlkalkulation. Wir zogen die Nummer 149 und fanden noch ein Plätzchen im rappelvollen Wartebereich.

134, 135. Zeit genug, um die Plakate an den Wänden zu lesen. “Keine EC-Kartenzahlung möglich” warnt die Lebenshilfe Donau-Iller. Sie hat im Saal einen Schalter, an dem sie neue Kfz-Schilder verkauft. Beim Schildermacher draußen gäbe es die frischbedruckten Tafeln sechs Euro günstiger, hatten wir zuvor mitgehört. 136.

Ich: Sach mal, hast du eigentlich genügend Bargeld dabei?

Mandy: “Nee, ich zahl’ mit Karte.”

137. Warten.

Ich: Und die Unterlagen, die hast du alle dabei?

Mandy: ” Ja, hab’ alles kopiert. Bis auf den Fahrzeugbrief. Den hat mein Autohändler. Ist doch ‘n Leasing-Fahrzeug.”

Ich: Bin mir nicht sicher, aber ich glaube, Du brauchst den Brief trotzdem.

Mandy: “Das kläre ich direkt am Schalter. Ich geh’ jetzt eine rauchen.”

138. Warten.

Ich: Du weißt aber schon, dass du die Originale mitbringen sollst? Alle?

Mandy, leicht genervt: “Jaaaha. Die liegen im Büro. Kopien reichen, glaub mir.”

139, 140, 141, 142. Warten.

Ich: Aber nicht, dass wir hier ‘ne halbe Stunde rumsitzen, nur um prompt wieder nach Hause geschickt zu werden. Weil die Unterlagen nicht vollzählig sind.

Mandy, ziemlich genervt: “Jetzt hör halt auf. Wir gehen zu Schalter zehn, die Frau sieht nett aus, mit der kann ich reden.”

143. Mandy beim Rauchen.

144. Warten.

145. 146. 147. Warten. Mandy: deutlich genervt. Ich: mal lieber ruhig.

148. Warten.

30 Minuten waren längst vorbei, als endlich auf der Anzeigentafel aufleuchtete: 149 – zu Schalter sechs. An dem standen wir exakt 45 Sekunden lang, dann war die Nummer beendet. In dieser Zeit ließ sich Mandy belehren, dass hier und heute ohne Kfz-Brief keine Ummeldung möglich sei, weil der beim Leasing-Händler hinterlegte Brief zuvor an die Zulassungsstelle geschickt werden müsse. Ich tat derweil so, als ob ich nicht dazugehörte und durchblätterte eines der ausliegenden Faltblätter. Darin stand:

Erforderliche Unterlagen bei Ummeldung eines Kfz ohne Halterwechsel – alle Dokumente müssen gültig sein und sind im Original vorzuweisen:

  • Personalausweis/Reisepass
  • (TÜV-)Prüfbericht der letzten Hauptuntersuchung
  • Einzugsermächtigung für die Kfz-Steuer
  • Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I)
  • Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II)
  • bisherige Kennzeichen
  • Versicherungsbestätigung der Kfz-Versicherung
  • ggf. Reservierungsbestätigung für ein Wunschkennzeichen

Zumindest letztere hätte Mandy dabeigehabt. Sogar im Original…

(Liebe Mandy, wenn Du das hier liest – in dem Faltblatt stand noch etwas, nämlich: “Reservieren Sie über das Internet oder das Telefon einen Termin. Wir bearbeiten Ihre Kfz-Zulassung dann auch während der regulären Öffnungszeiten ohne Wartezeit.” Klicke einfach hier: Terminvereinbarung für Privatkunden. – Bist Du mir jetzt böse?!)

2 Kommentare »

  1. Aber wehe, wehe, wehe! / Wenn ich auf das Ende sehe!

    Kommentar by Josef — 13. Januar 2012 @ 18:26

  2. [...] Manns bei Johann Hari: Schwindel über Schwindel?Moritz bei Berlinale, Randnotizen (III)Josef bei Schnelle Nummer mit MandyJosef bei Wo die Zeit ruhtAnonymHost Anonym Webhosting – Die Twitter-Welt schaut nach Neu-Ulm bei [...]

    Pingback by Vorurteile | Zwei Dinge — 15. März 2012 @ 16:18

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