12. Oktober 2011

Das Mutterschiff hat heute mit einem bemerkenswerten Foto aufgemacht, wie wir Redakteure sagen. Es zeigt eine Gefechtszene vom Krieg in der libyschen Stadt Sirte. Während zwei uniformierte Kämpfer, der eine davon übrigens in Badelatschen, auf einer mit Geschosshülsen übersäten Straße in die Ferne schießen, steht daneben ein Kamerad mit Gitarre und besingt offensichtlich das Geschehen.
Das Foto erinnert mich an Darstellungen (Asterix?!) von Caesars Legionen, die, angeführt von Schalmeien-Bläsern, im Karree ins Gefecht ziehen. Oder an alte Hollywood-Schinken von bösen Indianern und guten Cowboys, denen in allergrößter Bedrängnis im allerletzten Moment die Kavallerie zur Seite eilt (spätestens jetzt sollte der Leser in seiner Vorstellung Fanfarenstöße hören – ungefähr so, exakt bei 0:29).
Auf der anderen Seite stelle ich mir aber auch wichtige Nachrichten-Magazine vor, die das Bild alarmiert hat. Und die in wenigen Wochen, nach langer Recherche, die wirklich berührende Personality-Story hinter diesem Foto veröffentlichen, à la: “Was war da in diesem Momemt los, Herr Mahmud Han bin Abdülhamid Muzaffer Daima?”
Dadurch berühmt geworden, würde der Krieger mit der Gitarre nur wenig später als der “Singende Rebell” im Musikantenstadl aufkreuzen. Um uns danach bis ans Ende unserer Tage zu verfolgen. Rein musikalisch.
5. Oktober 2011
Sehr geehrter Herr Doenges,
heute schreibe ich Ihnen im Auftrag von Frau Krug, Abteilung Geschenke und Prämien. Sie hat mich gerade darauf hingewiesen, dass hier bereits seit einiger Zeit ein fantastischer Artikel bereit liegt. Es handelt sich um:
Ihr Dankeschön: die elegante Jacke WunderWarm
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Sehr geehrte Frau Aydt,
von Herzen Dank für Ihr freundliches Schreiben, das mich dieser Tage doch etwas überraschend erreicht hat. Ich hatte bisher keine Ahnung, dass wir uns kennen bzw. zwischen uns eine geschäftliche Beziehung besteht. Daher war mein erster Impuls nach Öffnen Ihres Briefes, diesen ungelesen in die Tonne zu stopfen. Doch dann streifte mein Blick flüchtig Ihre Botschaft – und ich konnte nicht mehr loslassen!
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Zusätzlich hatte ich Ihnen vor einigen Wochen, am 19. August 2011, den neuen Katalog mit außergewöhnlichen Angeboten zugeschickt.
Ja genau! Erinnern Sie sich Herr Doenges! Sie hatten die Chance, diese fantastische Jacke WunderWarm zu erhalten.
Aber ich habe bis heute daraufhin keine Antwort von Ihnen erhalten, es sei denn, unsere Post hat sich gekreuzt.
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Liebe Frau Aydt, das tut mir so leid. Im August weilte ich unvorsichtigerweise anlässlich eines Urlaubsaufenthalts im Ausland. Hätte ich geahnt, dass Sie mir schreiben, gar außergewöhnliche Angebote unterbreiten würden, nie wäre ich nach Kreta geflogen! Von daher konnte ich Ihnen gar nicht antworten, auch wenn sich die Vorstellung, unsere Briefe, wenn nicht gar wir, hätten uns gekreuzt… Verzeihen Sie meine Torheit!
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Und ich mache mir Sorgen, weil Sie vielleicht meinen Brief Mitte August nicht bekommen haben.
Es würde mir nicht gefallen, wenn Sie jetzt alle Ihre Vorteile verlieren, Herr Doenges!
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Ihre Zeilen berühren mich sehr, Frau Aydt. Mein tief empfundener Dank dafür.
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Deshalb ist es mir gelungen, eine außergewöhnliche Verlängerung Ihrer Rechte hinsichtlich dieses tollen Dankeschöns und Ihrer anderen Vorteile zu veranlassen.
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Dass Sie das für mich tun! Ich bin … sprachlos und weiß im Moment wirklich nicht, wie ich Ihnen danken soll, hochverehrte Frau Aydt!
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Also warten Sie nicht länger! Senden Sie Ihren gelben Coupon, die “Verlängerung Ihrer Anrechte”, mit Ihrer Anforderung zurück.
Nur so erhalten Sie Ihre Jacke WunderWarm. Versäumen Sie auch nicht das Superangebot: den passenden, schicken Schal in der Trendfarbe Beere.
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Ja, Verehrteste, das werde ich tun. So rasch wie möglich, ach was: gleich jetzt!!
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Wenn Sie Ihre Jacke WunderWarm und den passenden, schicken Schal nicht erhalten möchten, was ich mir nicht vorstellen kann, dann schicken Sie mir die Verzichtserklärung (den grauen Coupon) zurück. Dann werde ich veranlassen, dass eine andere Person Ihre Jacke WunderWarm und Ihre Vorteile bekommt.
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NEIN! Bitte, tun Sie das nicht, Frau Aydt! Ich gehorche! Ich will! Unbedingt! ICH WILL!
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Und zusätzlich können Sie bald den absoluten Kaffee-Genuss genießen!
Voll automatisch und traumhaft lecker!
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Äääh… Moment. Wieso Kaffee? Kaffee-Ge-was? Wie? Was hat denn…
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Gratis für die schnellsten Einsender: Einen Kaffeevollautomaten von Bosch!
Ja, es ist wirklich wahr, Sie erhalten einen Kaffeevollautomaten, wenn Sie einer unserer ernannten Gewinner sind!
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Oh.
Ach so…
Es gibt also auch noch … andere Gewinner. Außer mir.
Ihre Botschaft … hatte mir das Gefühl vermittelt, ich sei der einzige. Ausgewählt von Ihnen und Ihren zarten Händen… Dem ist ja dann wohl… nicht so?
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Ich hoffe, dass ich schnell Nachricht von Ihnen erhalte. Aber falls sich unsere Post gekreuzt hat, machen Sie sich keine Sorgen. Ihr Auftrag wird zweifellos mit Vorrang behandelt.
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Ich mache mir keine Sorgen, ich mache mir Gedanken. Etwa darüber, wie viele (vermutlich ältere) Ihrer Kunden auf dieses Schreiben reagieren werden. Darüber, wo meine persönliche Schamgrenze liegen würde, müsste ich als Marketingmensch solche Werbebriefe formulieren. Und darüber, wer sich eigentlich diesen bescheuerten Namen für diese billige Vollsynthetik-Jacke ausgedacht hat.
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Mit freundlichen Grüßen, Gudrun Aydt, Geschäftsleitung
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Sie mich auch. Ich empfehle mich. Robert Dönges, Gelegenheits-Blogger

Das Wunschobjekt: Die Jacke WunderWarm (ohne Inhalt) Foto: 3pagen.de