31. August 2011

Bewerbungen und Kaffee

Ono more Cup of Coffee“Hast Du Kaffeeflecken auf den Bewerbungen gesehen?”, fragt ein Kollege mich*, als ich nach dem Durchsehen von zwei Dutzend Bewerbungen mal wieder im Büro stehe, um mir eine Tasse Kaffee zu holen. Habe ich natürlich nicht, wer bewirbt sich schon mit befleckten Unterlagen. Ohnehin: Die allermeisten Bewerbungen sind übers Internet gekommen. Kaffeeflecken hätte also am ehesten das Sekretariat draufmachen können, das die Bewerbungen ausgedruckt hat. Oder ich. Beides ist ausgeschlossen.

Ansonsten ist unter den knapp 40 Bewerbungen um ein Volontariat in unserem Medienhaus, die ich am Vor-, Nachmittag und Abend lese — weitere werden folgen –, wenig ausgeschlossen. “Südwest Presse”, das ist die richtige Schreibweise, wird auch mal “Südwestpresse” und “Süd West Presse” geschrieben. Ein Schreiben richtet sich im ersten und im letzten Absatz an uns, in den Absätzen dazwischen an eine ganz andere Firma. Und einer schreibt, er kenne von unseren Ausgaben nur den “XX” (den Namen der Konkurrenzzeitung lassen wir weg, es wäre zu peinlich …)

Irritierend ist die Zahl der Schreib- und Kommafehler. Gegen manche Tippfehler hülfe ja das Korrekturprogramm, wenn man es nur einschaltete. Andere darf man entweder nicht machen oder muss sie beim Durchlesen der Unterlagen sehen – wie die mit der Groß- und Kleinschreibung, dem falschen Fall, der falschen Präposition, die gleich oben auf dem Anschreiben auftaucht, wenn sich jemand “für” anstatt, wie es richtig hieße, “um” ein Volontariat bewirbt. Und für Kommas gibt es Regeln, keine Streuer.

Okay, jeder macht Fehler. Aber wenn jemand in Anschreiben, Lebenslauf, den Antworten auf unserem Fragebogen und in den Arbeitsproben konstant die gleichen Fehler macht? Dann wird‘s schwierig. Schließlich müssen wir dauernd und in hohem Tempo Texte umformulieren, kürzen, längen, ergänzen. Das verlangt eine gewisse Sicherheit in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung, von Stilsicherheit ganz zu schweigen.

Das war jetzt ein typischer Medientext: „Bad news are good news”. Wer das lieber das Gute liest: Gefühlte 70 Prozent der Bewerbungen sind fehlerfrei. Und Kaffeeflecken haben auch die paar nicht, die mit der Post gekommen sind.

* Das ist gerade eine geflügelte Frage unter einigen Kollegen

12. August 2011

…und tschüss!

Category: Familie und Frauen,Journalismus und Internet — Tags: , – Robert Dönges @ 17:13

Es ist zuletzt etwas still geworden in diesem Blog. Und es wird hier noch stiller: In wenigen Minuten werde ich meinen Rechner ausschalten, mich bei Facebook, Twitter und Google+ ausloggen und “Ade!” schreiben. Die Abschiedsposts sind bereits formuliert, die meisten Newsletter schon abgestellt, die Benachrichtigungsmails verschickt und der Abwesenheitsassistent ist eingerichtet.

Urlaub. Drei Wochen Ruhe.

Keine Mails, keine Statusnachrichten, keine Anfragen, keine SMS. Stattdessen werde ich mich um meine Familie kümmern. Und im Meer baden. Vielleicht gehe ich auch ein wenig tauchen. Oder jagen. Oder reiten. Obwohl: Es gibt da einen prominenten Urlauber, der macht das alles sehr viel besser, als ich es je könnte. Deutlich… medienbewusster, nicht zu sagen: pressegeiler. Womöglich bloggt er auch noch?!

Ich dagegen habe jetzt pressefrei. In diesem Sinne: Ade.

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2011 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2011 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2009 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2009 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2007 - Foto: dpa

Vladimir Putin im Sommerurlaub 2007 - Foto: dpa

Nachtrag, 14.09.2011 (mit Dank an @ubermarkus für den Linktipp):
Die US-amerikanische Zeitschrift “The Atlantic” hat noch viel mehr beeindruckende Bilder vom “Action Man” im Archiv gefunden – http://www.theatlantic.com/infocus/2011/09/vladimir-putin-action-man/100147/

8. August 2011

Johann Hari: Schwindel über Schwindel?

Der englische Journalist Johann Hari ist mir zum ersten Mal vor sieben Jahren in einer Kolumne des „Independent“ begegnet. Er schrieb sich unter Bezug auf Dan Browns Roman „Da Vinci Code“ die Seele über das Opus Dei aus dem Leib. Dünne Faktenlage, misslungener Umgang mit Quellen, entschiedenes Urteil – ich habe mich über ihn geärgert und gehofft, er bessere sich noch – er war ja erst 25.

Mittlerweile ärgert sich die gesamte britische Journaille über den „preisgekrönten Journalisten“ (Hari über Hari). Wessen er beschuldigt wird, gehört zum Übelsten, dessen man einen Journalisten beschuldigen kann: Erfindung von Fakten, Fälschung von Aussagen, Plagiatur, Angriffe auf Kollegen über Fake-Accounts im Internet.

Johann Hari, Quelle: Wikipedia

Am 17. Juli 2004 veröffentlicht Johann Hari ein Interview mit dem italienischen Linken Toni Negri. Am 17. Juni 2011 publizierte die linke Deterritorial Support Grouppppp (DSG) einen Blog unter dem Titel HARI KARI/HACKERY, in dem die Autoren ihre Verwunderung über ein Interview Haris mit dem italienischen Linken Toni Negri zum Ausdruck bringen. Sie haben nämlich, wie andere kurz vor ihnen, entdeckt, dass Negris Antworten auf Haris Fragen wortwörtlich aus dem 2003 veröffentlichten Buch „Negri on Negri“ der Philosophin Anne Dufourmentelle stammten. Mittlerweile sind ähnliche Fälle bekannt, Haris Wikipedia-Eintrag wächst täglich.

Hari leugnete nicht, sondern erklärt seinen Pfusch zur journalistischen Methode. In einem Blogbeitrag unter dem Titel Interview etiquette schreibt er sinngemäß, viele (!) Journalisten griffen auf alte Veröffentlichungen ihrer Interviewpartner zurück, wenn sie sie für prägnanter hielten als die Antworten im Interview. Ha! Er rechtfertigt das mit der Behauptung, seine Interviews seien „intellektuelle Porträts“. Das, mit Verlaub, ist intellektueller Käse.

Mehrere Journalisten berichten, ihre Wikipedia-Einträge seien gefälscht worden, nachdem sie Haris Werke kritisiert hätten. Vor allem von einem User namens „David r from Meth Productions“. So hat der „Observer“-Kolumnist Nick Cohen in seinem Wikipedia-Eintrag den Eintrag gefunden, er sei ein mutmaßlicher Alkoholiker, ein Heuchler und unterstütze Sarah Palin. Und „alle Rezensionen meines Buches waren weg außer der von Hari“. Dieser „David r …“ wird derzeit gesucht, eine Spur führt — über dessen IP-Adresse — in die Redaktion des „Independent“, wo Hari arbeitet.

Am 5. Oktober 2007 veröffentlicht Hari im „Independent“ einen Artikel über das Vorgehen französischer Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik. Darin zitiert er französische Soldaten mit den Worten: „Kinder brachten uns die abgetrennten Köpfe ihrer Eltern und schrieen um Hilfe. Aber unser Auftrag lautete nicht, ihnen zu helfen.“ Für die Reportage hat Hari den Orwell-Preis 2008 erhalten. Es ist der wichtigste Preis für politisches Schreiben in England

Das Zitat bezeichnet Damian Thompson in einem Artikel für den „Telegraph“ jetzt als Fälschung. Bei ihm hat sich die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation gemeldet, die damals für Hari übersetzt hat. Sie schreibt, kein Soldat habe so etwas zu Hari gesagt. Sie habe Hari und den „Independent“ darauf aufmerksam gemacht, das Zitat sei dennoch veröffentlicht worden.

Ebenfalls im „Independent“ veröffentlicht Hari am 7. April 2009 den Artikel „The Dark Side of Dubai“. Darin beschreibt er Dubai als eine Stadt, die „aus dem Nichts heraus gebaut worden“ sei, „auf Kredit und Umweltzerstörung, auf Unterdrückung und Sklaverei.“ Jetzt zitiert Jonathan Gornalls in einem Blog in „TheNational“  Zeugen dafür, dass es die Leute, die Hari in Dubai getroffen, gesprochen und gesehen haben will, gar nicht gibt. Und einer, den es wirklich gibt, fühlt sich von Hari getäuscht — falsch zitiert und falsch dargestellt. Hari hat für die Dubai-Reportage 2010 den Martha-Gellhorn-Preis erhalten.

Im Moment schreibt Hari nicht mehr für den „Independent“. Die Zeitung hat ihn am 12. Juli für zwei Monate von der Arbeit freigestellt. Bis dahin sollen die vielen Vorwürfe gegen ihn untersucht werden. Wenn die Untersuchung abgeschlossen ist, wird Hari der Orwell-Preis für 2008 aberkannt, hat das Orwell-Preis-Komitee beschlossen.Ob er den Martha-Gellhorn-Preis behalten wird, ist noch offen.

Derzeit ist Hari untergetaucht. Seinen bisher letzten Podcast hat er am 4. Juli veröffentlicht. Die Polizei von Dubai hat ihn vor einigen Tagen eingeladen. Hari braucht jedoch nichts zu befürchten. Er soll sich bloß ein besseres Bild von Dubai machen können.

4. August 2011

Hauptkopft of Ulm

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 12:29

Einst Gründungsmitglied der legendären Rockband Deep Purple (“Smoke on the Water”, “Child in Time”), hat sich Ritchie Blackmore heute der mittelalterlichen Folkmusik verschrieben. Mit seiner Band Blackmore’s Night war er zu Gast in Ulm; Anlass genug für das Kulturessort unseres Mutterschiffs, mit ihm ein Interview zu führen. Das Gespräch mündete in Blackmores Vorkenntnisse über die Donaustadt und mit dem Hinweis of einen alten Monty-Python-Sketch. Den gibt’s als Ergänzung zum Interview hier – inklusive der Transkription des Komponisten-Namens Johann Gambolputty de von Ausfern -schplenden -schlitter -crasscrenbon -fried -digger …

… -dangle -dungle -burstein -von -knacker -thrasher -apple -banger -horowitz -ticolensic -grander -knotty -spelltinkle -grandlich -grumblemeyer -spelterwasser -kürstlich -himbleeisen -bahnwagen -gutenabend -bitte -eine -nürnburger -bratwustle -gerspurten -mit -zweimache -luber -hundsfut -gumberaber -shönendanker -kalbsfleisch -mittler -raucher von Hautkopft of Ulm.