Obwohl ich kein Spanisch verstehe, ist eines meines Lieblingslieder “Sabor a mi” von Álvaro Carrillo (1921 -1969), einem mexikanischen Komponisten (fragt nicht – es hat etwas mit Erinnerungen an eine bestimmte Person zu tun). Ab und an durchstreife ich Vimeo, YouTube und Co. auf der Suche nach Variationen des Liedes, die ich noch nicht kenne. Dabei stieß ich vor einiger Zeit auf eine in Englisch gesungene Version – live interpretiert von einer jungen Frau mit einer hinreissenden Stimme: Elisa Gastellum.
Fasziniert davon, wie mühelos sie sang, begann ich, im Internet nach weiteren Liedern von Elisa zu suchen. Das Ergebnis war bestürzend. Es wurde mir klar, dass sie bereits 2006, mit nur 18 Jahren, bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.
Was damals geschah, lässt sich anhand von Zeitungsberichten und Blogs ziemlich genau nachverfolgen. Vom Unfall-Hergang (“Mariachi rising star killed in car crash“) über den Beitrag von ihrer Beerdigung (“Mourners pay last respects to young mariachi singer“) hin zum toxologischen Untersuchungsbericht der Polizei (“Singer was drunk, had cocaine in her system“). Ihre Mutter, mit der ich während der Recherchen in Mailkontakt stand, glaubt dagegen an ein Komplott der Medien und dass ein geplatzter Reifen an Elisas Wagen Ursache des Unfalls war:
“Since to this day we believe there was some kind of cover up and the media portrayed our daughter in a negative way. The way that they assumed the accident happened was not true. We were told that there were no witnesses, and by the grace of God we met a man 9 months ago who was driving 100 feet behind Elisa and saw the accident. He told us that Elisa was traveling normally when all of a sudden he saw the vehicle swerving and it crossed the center line up against the hill which was on an incline. …
The police failed to tell us that there was a flat tire. We believe that she had a blow out and lost control of the car, which caused her to cross the center line. The media also portrayed Elisa as a drunk teen, driving recklessly and at a high speed, hitting the other girl head on. None of that was true, because of witnesses who were with Elisa shortly before the accident.
…
There are other things in which this case was handled that give us reason to believe that there was a cover up, but we didn’t want to take legal action. The loss of Elisa was more than we could handle.”
Ihrer verstorbenen Tochter hat die Familie im Internet ein Andenken geschaffen. Unter esoelisa.com beschreibt die “Elisa Gastellum Memorial Foundation” ihre Ziele: Die Stiftung soll die Erinnerung an Elisa bewahren und Stipendien für junge Mariachi-Talente vergeben. Ein jährliches Golfturnier und der Verkauf von “Devotionalien” bilden dafür die finanzielle Basis. Ich habe mir die CD “Memorias” bestellt. Mariachi, die sentimentale, manchmal ins Schluchzende abgleitende mexikanische Volksmusik, entspricht nur selten meinem Geschmack. Aber wie Elisa das ruhige Lied “Costumbres” singt, das wohl schönste Stück der Sammlung, ist schlicht – überwältigend.
Auf Youtube ist das Lied leider nicht zu finden. Doch Belege von der spielerischen Leichtigkeit, mit der die junge Elisa Gastellum zu singen vermochte, gibt es zuhauf. Ein – weiteres – Beispiel dafür trägt den Titel “Nunca Jamas”:
“Vergeudet” war das Attribut, das mir während der Recherche ständig in den Sinn kam; welch tragisch vergeudetes Talent. Ich fand Elisas Geschichte zu eindrucksvoll, um nicht erzählt zu werden. Für die Printausgabe (21.07.2011) des Mutterschiffs ist daraus ein Feature entstanden: “Vom kurzen Leben der Elisa Gastellum“.
Ein role model in Diensten der Gladbacher: Dante (Foto: dpa)
Ach was, es stört mich nicht im Geringsten, dass Andreas Bourani gerade die Hitlisten erobert (“Nur in meinem Kopf ” – eingängige, gut gemachte Mucke, übrigens). Mich irritiert vielmehr seine Frisur. Sie erinnert mich an Lenny Kravitz. Oder an den jungen Michael Jackson. Oder an Diana Ross heute. Aber auch an Dante, den brasilianischen Abwehrspieler von Borussia Mönchengladbach. Obwohl der nach erfolgreich bestandenem Bundesliga-Abstiegskampf vorübergehend ganz ohne Haare herumlief.
Was zurück führt zu meiner Irritation. Denn ließe ich meine Haare wachsen, sähe ich aus wie Rainer Langhans. Daher habe ich mir schon vor Jahren einen Kurzhaarschnitt zugelegt. Praktisch. Pflegeleicht. Zeitlos. Eine Frisur, die mich optisch jünger hält, als ich wirklich bin. Nur: wenn sich Pudel aufm Kopf à la Paule Breitner 1972 jetzt tatsächlich wieder durchsetzt, dann sehe ich alt aus. Richtig alt. Und das stört mich.
Zwei Trendsetzer: Paul Breitner (links!) und Rihanna (Fotos: SWP-Archiv, dpa)
Liebe ARD, Entschuldigung, dass ich mich gerade aufrege. Aber selten hat mich ein Beitrag in der altehrwürdigen Tagesschau so genervt wie der gerade eben über eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs. Demnach können künftig auch Prozesskosten aus zivilen Gerichtsverfahren als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden.
Leider kenne ich mich damit nicht aus. Aber es geht mir gar nicht um die Sache an sich. Gestört am Beitrag hat mich vielmehr der Kommentar der TV-Redakteurin, dass das gleiche Gericht vor nur 15 Jahren genau anders herum entschieden habe. Der Sprecher des Finanzhofs erklärte den erstaunlichen Wandel sinngemäß mit seiner Vermutung, dass die Angelegenheit diesmal von einer anderen Kammer des Gerichts behandelt worden wäre.
Wie bitte? Das ist die lapidare Erklärung dafür, dass eine der höchsten juristischen Instanzen in diesem Land mal hü, mal hott entscheidet? Heißt das, ich muss nur lange genug warten, bis die Richter wechseln, um meine Sicht der Dinge doch noch durchzusetzen? Liebe ARD – kann man da nicht genauer nachfragen?
Dann aber kam’s noch dicker. Die Redakteurin machte eine Beispielrechnung auf – anhand eines “Alleinstehenden mit einem Jahresgehalt von 70.000 Euro”. Stopp. 70.000? Umgerechnet also mehr als 5800 Euro im Monat! In welchen Dimensionen müssen sich nur die Gehälter der Fernsehleute bewegen, wenn sie dieses Gehalt als beispielhaft empfinden. Oder bin ich jetzt nur schief gewickelt (und seit Jahren unterbezahlt, ohne es zu wissen)?
Von diesen 70.000, so der mit einer erklärenden Grafik unterstützte Beitrag weiter, müsse der Alleinerziehende nun einen Teil seiner Zivilprozesskosten selbst tragen – nämlich “sieben Prozent, also 10.000 Euro”.
Liebe ARD. Auch ich habe mich für den Redakteursberuf mit deswegen entschieden, weil mir Buchstaben viel näher als Zahlen lagen. Man frage meine ehemaligen Mathematiklehrer. Aber dass sieben Prozent von 70.000 Euro nicht 10.000 Euro sind, sondern – Taschenrechner, an meine Seite – 4900, war sogar mir Rechenpfeife sofort klar.
Nur der ARD-Redakteurin offenbar nicht. Und auch nicht der Tagesschau-ModeratorinSprecherin Judith Rakers, die den Fehler sofort hätte korrigieren können.
Sobald ich den Beitrag nachher in der ARD-Mediathek finde, werde ich ihn hier verlinken. Mal schauen, ob die Redaktion der Tagesschau zumindest nachträglich aufgepasst hat. Oder der hanebüchene Schwachsinn dann noch immer vermeldet wird.
Nachtrag: Die ARD hat den Clip nicht mehr veröffentlicht – zumindest finde ich ihn nicht. Via Twitter weiß ich aber, dass nicht nur mir der Beitrag auffiel – beispielhaft sei der Tweet von Kai Obermüller (@Kai_Obi) dazu erwähnt. Und @schmuffel hat sogar einen Screenshot der blamablen Beispielrechnung gepostet – Danke!
Nachtrag, II, und Danke!, II: @schmuffel hat mich auf den Youtube-Clip zur Tagesschau hingewiesen (der Beitrag läuft ab 9:25, die Beispielrechnung ab 10:46).
Es war einmal, vor langer, langer Zeit… als der Autor dieser Zeilen noch ein kleines Kind war. Da sah er in einer Illustrierten eine Zeichnung des Universums. Winzig darin: die Position der Erde, am Rande der Milchstraße markiert. Das ganze Universum sah aus wie ein großer Diskus und wurde beschrieben als eine Art Wolke, die sich seit dem Urknall immer weiter vergrößerte.
Die Frage, die mir damals sofort durch den Kopf schoß: Wenn das weite Weltall der Bereich im Universum ist – was ist dann außerhalb des Diskus? Denn irgendetwas musste da ja sein, sonst könnte sich das Universum dort nicht hineinvergrößern.
Ein Problem, das mich während meiner Kindheit und Jugend oft zum Wahnsinn getrieben hat. Meistens vorm Einschlafen.
Zeitsprung.
Heute habe ich den Blogbeitrag “Wie funktioniert eigentlich das Griechenland-Rettungspaket?” auf radio-kreta.de gelesen. Er handelt von Folgendem:
Es ist ein trüber Tag auf Kreta. Es regnet und alle Straßen sind wie leergefegt. Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.
An diesem Tag fährt ein reicher Europäer durch Kreta und hält bei einem kleinen Hotel. Er sagt dem Eigentümer, dass er gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100-Euro-Schein auf den Tresen.
Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel.
Als der Besucher die Treppe hinaufgegangen ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger, und bezahlt seine Schulden.
Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Strasse hinunter und bezahlt den Bauern.
Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung bei der Genossenschaft.
Der Mann dort nimmt den 100-Euro-Schein, rennt zu seiner Kneipe und bezahlt dort seine offenen Rechnungen.
Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehenden Zimmerrechnungen mit den 100 Euro.
Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen.
In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter , nimmt seinen Geldschein, meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt – und verlässt Kreta.
Aber alle Beteiligten sind ihre Schulden los und schauen mit großem Optimismus in die Zukunft.
Eine amüsante Geschichte. Die mich prompt wieder vor mein persönliches Das-sprengt-mein-Denkvermögen-Problem stellt: Wie ist es möglich, dass am Ende alle schuldenfrei sind?
Ich bin doch nicht blöd. Aber den logischen Fehler finde ich trotzdem nicht.
Eure Lösungen Einschlafhilfe bitte unter “Kommentare/Comments” verfassen. Danke!