Die Lippe. Laut Wikipedia “ein stets paarweise vorkommendes Organ am Mund des Menschen … Die beiden Lippen sind weich, wulstig und sehr beweglich und dienen primär der Nahrungsaufnahme und als Tastorgan für aufgenommene Gegenstände.”
Von einer Verwendung als durchlöcherter Träger von Silberringen (Piercing aka “Snakebite”) steht im Online-Lexikon nichts. Sehr wohl aber von der Funktion als erogene Zone. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Angefangen von der frühen Süße eines Labellos mit Kirsch-Geschmack, weiter über Cliff Richard in der Plattensammlung meiner Eltern hin zur Faszination sinnlicher Lippen als tertiäres Geschlechtsmerkmal (Lippenstift, knallrot) darf ich sagen: Schöne Lippen sind sehr attraktiv. Der Trend aus USA zum knalligen Blickfang im Gesicht ist daher: sehr cool!
Und als Vater einer demnächst pubertierenden Tochter ist mir so ein Leopardenmuster auf der Oberlippe ohnehin lieber als ein Tribal um den Unterarm.
Es ist ungewohnt ruhig in der Redaktion. Kein Wunder – ist ja auch kaum einer da. Die schreibende Belegschaft des Mutterschiffs streikt, das heißt, ein Teil der KollegInnen befindet sich mit rund 400 anderen Redakteuren aus Baden-Württemberg auf der Kundgebung der Gewerkschaft in Stuttgart. Der andere Teil hat rechtzeitig einen Urlaubsantrag eingereicht.
Und dann gibt es noch die Volontäre, die laut Ausbildungsstatut nicht streiken dürfen, sowie die so genannten Funktioner (Chefredaktion, Ressortleiter, Chefs vom Dienst, u.a.) von denen erwartet wird, dass sie nicht in den Ausstand gehen, sondern eine Zeitung zusammenbauen. Keine Notausgabe, aber, abgestimmt auf die Personalverhältnisse des heutigen Tages, eine Ausgabe mit verringertem Umfang.
Dennoch werden 24 20 aktuelle Seiten zusammen kommen, gefüllt mit den wichtigsten Infos der vergangenen Stunden und ergänzt um ein, zwei Erzählgeschichten aus dem Fundus, der im Redaktionsdeutsch “Stehsatz” heißt. Vermutlich sogar würde dem Gros der Leserschaft der Streik entgehen, würde er nicht mit einem kurzen Hinweis auf der morgigen Titelseite thematisiert.
56 Jahre nach seinem Tod ist eines der letzten Geheimnisse des gebürtigen Ulmers Albert Einstein endlich gelöst worden: Warum der Wissenschaftler auf seinem wohl berühmtesten Porträtfoto die Zunge herausstreckt. Die Wahrheit über den aus der Gosch hängenden Lappen freilich ist, fast war es zu vermuten, doch recht banal…