31. Mai 2011

Kachelmann wird kein Teilzeit-Ulmer

Category: In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , , , – Robert Dönges @ 16:37

Jörg Kachelmann am 12. Jänner 2010 in Ulm (Archivfoto: Volkmar Könnecke)Jörg Kachelmann am 12. Jänner 2010 in Ulm (Archivfoto: Volkmar Könnecke)

Jörg Kachelmann am 12. Jänner 2010 in Ulm (Archivfoto: Volkmar Könnecke)

Aus Ulmer Sicht ist der Freispruch für Jörg Kachelmann ein schwerer Verlust: doch kein neuer Promi für die Stadt! Der Spatz pfiff es längst vom Dach des Justizgebäudes: Hätte der Wettermoderator einrücken müssen – dann höchstwahrscheinlich in der Talfinger Straße 30.

Der Knast dort ist einer der wenigen Justizvollzugsanstalten im Land, die mit Aussicht auf offenen Vollzug und, in ihrer Außenstelle am Frauengraben, Plätzen für Freigänger aufwartet. Vorteile des hiesigen Strafvollzugsrechts, die auch Steffis Grafs Vater Peter zu schätzen lernte, als er 1997/1998 in Ulm seine Strafzeit zu verbüßen hatte.

Kachelmann selbst wäre der Zwangsaufenthalt an der Donau sicher die angemehmste der 17 Gefängnis-Optionen im Land gewesen. Zum einen kennt er Ulm spätestens seit 12. Januar vergangenen Jahres. Damals, wenige Wochen vor seiner Festnahme in Frankfurt, hatte der prominente Schweizer das Publikum im ausverkauften Stadthaus als Gast beim Forum unseres Mutterschiffs begeistert.

Zum anderen hätte Kachelmann hier einen der wichtigen Mitarbeiter seiner Firma Meteomedia in seiner Nähe gewusst: Sven Plöger, neben Claudia Kleinert und Alexander Lehmann einer der Moderatoren der täglichen ARD-Prognose “Wetter im Ersten”, hat seinen Wohnsitz im Stadtteil Söflingen.

Womit das Urteil für Kachelmann also doch etwas Angenehmes für Ulm hat: Dieser Stadt reicht ein guter Meteorologe. So viel Umtrieb, wie der Schweizer Wetterfrosch hier verursacht hätte, würde man rund ums Münster ohnehin nicht vertragen.

24. Mai 2011

Trinkspiele

Category: Essen und Kochen — Tags: , , , – Robert Dönges @ 15:48

Liebe Pressestelle der Ergo-Versicherungsgruppe, herzlichen Dank für Ihre Korrektur einer von vielen Menschen falsch gehandhabten Praxis des Tequila-Saufens. Entgegen landläufiger Ansicht geht es mitnichten darum, sich Zitronensaft auf den Handrücken zu träufeln, die nasse Stelle zu salzen und abzulecken, um mit Hilfe eines hinterher gekippten Tequilas und dem Auslutschen des Zitronenschnitz’ eine Geschmacksexplosion im Munde auszulösen.

Dieses Verfahren stellen Sie zu Recht als inkorrekt dar.

Ihre heutige Stellungnahme erfolgt auf die unappetitlichen Vorwürfen, denen sich Ihre ausgezeichneten Versicherungsvertreter seit Tagen in der Boulevardpresse ausgesetzt sehen. Für alle uneingeweihten Leser dürfen wir Sie der Einfachheit halber zitieren:

“Zur Darstellung in der heutigen BILD-Zeitung mit dem Titel
Hier kokst der Kollege von Herrn Kaiser“:

Die Berichterstattung …, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sog. Top 5 Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die … veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase. Bei den Handlungen … handelt es sich nicht um den Konsum von Kokain.”

Liebe Pressestelle, wir freuen uns, Sie in Ihrer wichtigen Aufklärungsarbeit unterstützen zu können! Tatsächlich war es uns möglich, einen Ihrer damaligen Kollegen ausfindig machen zu können, der sofort bereit war, den von Ihnen geschilderten Ablauf des Tequila-Trinkspieles vor der Kamera zu demonstrieren:

Der filmische Beweis, dazu die Ihrem Unternehmen vorliegenden “eidesstattlichen Versicherungen von auf den Lichtbildern abgebildeten Personen” lassen nur einen logischen Schluss zu: Da will uns jemand verarschen. Aber ganz gewaltig!

20. Mai 2011

“Endlich Papa!” – ein Plagiat

Category: Allgemein,In Ulm und um Ulm — Tags: , , , , , – Robert Dönges @ 18:22

Gewisse Politiker, die gerne einen Doktortitel tragen möchten, schreiben ab. Auch die Solo-Kommödie “Hi Dad! Hilfe! Endlich Papa!“, die vergangene Woche im Ulmer Roxy gastierte, ist zu großen Teilen lediglich kopiert. Der Autor ist nicht, wie im Programm angegeben, der Isländer Bjarni Haukur Thorsson. Die geistigen Väter der Bühnenproduktion heißen Paul Reiser und Bill Cosby.

Im Januar 2010 erschien im Kulturressort des Mutterschiffs die Kritik zu “Endlich Papa!”. Das Nachfolgestück zur Erfolgskommödie “Caveman” hatte damals in Stuttgart Premiere und nicht nur der Rezensent war begeistert. Auf Grund der Empfehlung besuchte ich sechs Wochen später mit meiner Holden ebenfalls die Show – und wurde gewaltig enttäuscht. Allerdings schien außer mir kein anderer der Zuschauer im ausverkauften Theaterhaus gelangweilt.

Mein Frust hatte jedoch einen einfachen Grund: Die meisten Gags, Szenen und Episoden kannte ich bereits. Entweder ich hatte sie lange zuvor schon gehört oder wenige Jahre zuvor bereits gelesen. Das Buch des amerikanischen Comedians Paul Reiser, “Babyhood“, erstmals erschienen 1997, besetzte Ende des 20 Jahrhunderts monatelang die Bestsellerlisten der New York Times.

Sein Kollege Cosby, mit der amüsanten Familienserie “Die Bill Cosby Show” einst täglich im deutschen Fernsehen zu sehen, veröffentlichte bereits in den 70ern Schallplatten und Bücher, unter anderem den Verkaufsschlager “Fatherhood“. Wer die (englischen) Texte von Reiser und Cosby kennt, und dummerweise tue ich das, kann nur den Kopf schütteln ob der Dreistigkeit, mit der Bjarni H. Thorsson als Urheber von “Endlich Papa!” dargestellt wird.

Natürlich trügt im Rückblick die Erinnerung. Exakt beschreiben kann ich die identischen Szenen aus den alten Büchern und dem aktuellen Bühnenstück nicht mehr. Vielleicht bin ich als Mitglied der schreibenden Zunft auch übersensibilisiert für das Thema. Aber am 2. Juni macht “Hi Dad! Hilfe! Endlich Papa!” erneut Station im Roxy. Wer also rechtzeitig bei Amazon bestellt und danach die Show besucht, darf den Plagiatsvorwurf gerne selbst nachprüfen.

Wer die Inszenierung dagegen bereits gesehen hat, wird sich an die Einstiegsszene erinnern können. Da erzählt der Hauptdarsteller, wie er nach mehreren Jahren glücklicher, kinderloser Ehe mit seiner Frau im Flugzeug sitzt. Fassunglos beobachten die beiden ein gestresstes Elternpaar, das mit seinen zwei kleinen Kindern und deren Essverhalten, Windelinhalt und sonstigen Auswürfen kämpft. Das ist echt urkomisch. Aber leider nicht von Bjarni H. Thorsson. Sondern im Original hier nachzulesen.

Das Plakat zur Show - Quelle: hidad.de

Das Plakat zur Show - Quelle: hidad.de

Nachtrag: Gerade gefunden – ein paar Videoclips aus Bill Cosbys einstigen Solo-Programmen sind auf Youtube zu belachen. Hier zu Lande “verfügbar” sind, unter anderen, “Understanding Children“, “Poo Poo” – oder, legendär, “Grandparents”:

Virtuos

Category: Kreta und Griechenland — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 13:29

Der folgende Videoclip vereint vieles von dem, wofür sich der Autor dieses Beitrags begeistern kann: Musik. Niveauvolle Fernseh-Unterhaltung. Gutaussehende Menschen. Die griechische Hochkultur. Und außerdem weiß ich sogar, wie sie es getan haben…!

(Gefunden via und mit Dank an www.spiegeloffline.de – “Griechenlands Supertalent”)

11. Mai 2011

Ulms Schmuddelkinder

Category: Allgemein — Tags: , , , , – Robert Dönges @ 16:32

Twitter sei Dank schlug Dienstag ein TV-Clip auf YouTube in der Lokalredaktion auf. Der gut fünfminütige Beitrag aus der Sendung “taff” (auf Pro7) vom Vorabend stellt die Zustände um alkoholtrinkende Teenager auf der Ulmer Donauwiese vor und fragt, warum sich niemand um die Halbwüchsigen kümmert, bzw. zu kümmern traut. Unter anderem sieht man in dem Film eine Polizeistreife, die langsam an den besoffenen Kids vorbeifährt und deren Besatzung nicht einschreitet. Auch nicht, als sie von einem offensichtlich bekifften Jugendlichen angemacht wird.

Am Dienstag Vormittag hatten 127 Leute den Clip auf YouTube gesehen. Einen Tag später sind es schon mehr als 9800, die sich den Fernsehbeitrag angeschaut haben. Die Frage, wie es ausgerechnet die Donauwiese ins Lifesytle-Magazin von Pro 7 geschafft hat, bleibt unbeantwortet. Beantwortet worden allerdings ist die leichte Kritik der TV-Redakteure an den hiesigen Ordnungsbehörden – und zwar, laut Ulmer Polizeibericht vom Mittwoch, umgehend. Die Pressemitteilung aus der Polizeidirektion am Münsterplatz bezeugt Tatkraft – wir dürfen gerne zitieren:

Ulm / Polizei schreitet auf Donauwiese ein
Gegen mehrere junge Männer, die sich auf der Donauwiese daneben benommen haben, musste die Ulmer Polizei am Dienstag einschreiten. Kurz nach 15:00 Uhr hatte eine Streife dort einen betrunkenen 17-Jährigen bemerkt. Der Ulmer war nicht mehr ansprechbar, der Rettungsdienst musste ihn ins Krankenhaus bringen. Eine Stunde später nahmen Polizeibeamte einem 16-Jährigen zwei Flaschen Schnaps weg. Den Alkohol schütteten sie aus und übergaben den Burschen aus dem Alb-Donau-Kreis seinem Vater. Einem weiteren 16-Jährigen, nahmen die Beamten seinen hochprozentigen Mix aus Wodka und Limo weg. Den hatte der Ulmer von einem 19-Jährigen aus Ulm bekommen, der dafür einem Bußgeldverfahren entgegensieht. Seine Zigaretten büßte ein 17-Jähriger ein. Der minderjährige Ulmer hatte dort öffentlich geraucht. Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei bestreiften die Beamten auch andere Treffpunkte in der Innenstadt, wie die Büchsengasse, das Blauufer, den Kobelgraben und die Fußgängerzonen. Dort gab es keine Beanstandungen.

Auf Nachfrage der Redaktion erklärte der Sprecher der Ulmer Polizei, die Einsätze hätten nichts mit dem Fernsehbeitrag auf Pro 7 zu tun.

Ein Schelm, wer anderes vermutet.