16. August 2010

Blickfang in der Blaubeurer Straße oder: Jung-Frauen unter sich
Sehr viel Gespür für ein passendes Umfeld hat ein hiesiger Reklameflächenbekleber bei der Standortwahl für die neue Werbung des katholischen Hilfswerks Misereor bewiesen: Das Plakat an der Blaubeurer Straße in Ulm korrespondiert trefflich mit den Farben des dahinter liegenden Animierbetriebs Pure Platinum.
Die doppelte Jungfrauen-Darstellung direkt an der Einfallstraße wirkt.
Interessanterweise verfolgen beide Institutionen die gleiche Farbästhetik in der Illustration ihrer (ge)werblichen Ziele. So ähneln sich nicht nur die Hintergründe (Plakat und Fassade), die attraktive Schriftfarbe (beides Mal ein gen Violett tendierendes Rosa) sowie die versale Schreibweise der jeweiligen Titel. Auch beider Damen Gewänder, übereinstimmend in schwarz-weiß, reizen zur näheren Betrachtung.
12. August 2010
Irgendwie, irgendwo geistert im Internet gerade die nach Aufmerksamkeit heischende Mär durchs Sommerloch, dass iPhone-Besitzer besseren Sex hätten. Oder war’s mehr Sex? Was auch immer – wer’s nötig hat…
Viel spannender finde ich eine Untersuchung, auf die mich in diesem Zusammenhang ein Hinweis auf Twitter geführt hat. OkTrends, das offizielle Blog von OkCupid, der nach eigenen Angaben natürlich besten Dating-Seite auf der Welt, hat die mehr als 550.000 eingestellten Porträtfotos all seiner User unter die Lupe genommen. Dazu hat man die Menschenbilder in wilden Variationen paarweise gegenübergestellt und sie von den Usern einschätzen lassen, à la “hot or not”.
Das Resultat waren 11,4 Millionen Einzelbewertungen, die wiederum mit den Metadaten, die jede Digitalkamera ihren Bildern mitgibt, verglichen worden sind. Das interessante Ergebnis: Nicht vom Motiv selbst, sondern von Marke und Model der Kamera hängt maßgeblich ab, wie attraktiv man auf seinen Bildern rüberkommt! Ein schöner Schwan, spontan per Handy abgelichtet, mutiert so zum häßlichen Entlein.
Ihre Befunde haben die Studienmacher netterweise in eine Ranglisten-Grafik gegossen, aufgedröselt nach Kameras mit und ohne Wechselobjektiv sowie einfache Foto-Handys. Falls ich also gute Fotos von meiner Familie schießen möchte, sollte ich dafür auf keinen Fall welche viel beworbene Kamera benutzen…? Genau!

Der Link zum vollständigen Studienbericht (englisch): Don’t Be Ugly By Accident!
9. August 2010

Bayerisches Idyll als Hort der Widerspenstigen (Foto: wullenstetten.de)
Wullenstetten? Ein Nest Dorf von 3400 Einwohnern (Stand: 2004), liegt in Bayern, ist ein Ortstteil von Senden und offensichtlich ein Hort zivilen Widerstands. Und das in einem Landstrich, wo ein Polizist noch Vollzugsbeamter genannt wird und nicht Bulle.
In Wullenstetten also hatte am Wochenende eine Vollzugsbeamteneinheit die hehre Absicht, im Sinne der Geschwindigkeitsbegrenzung nächtens eine mobile Blitzanlage in der Römerstraße, der örtlichen Hauptstraße, aufzubauen. Der Versuch indes scheiterte am massiven Einspruch (“Unverschämtheit! Abzocke!”) dreier Anwohner. Sie beharrten vehement darauf, dass die Beamten ihre Einfahrt verlassen sollten.
Zu Recht, denn: “Ein Fuß des Gerätedreibeins stand nämlich nicht auf öffentlichem Grund und Boden, sondern auf deren Grundstück”, teilte die Polizei am Montag mit. Klingt nach einem klassischen Fall von Platzverweis – den doch sonst üblicherweise die Ordnungsmacht erteilt… Dumm gestanden.
“Um weiteren Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen”, heißt es tapfer in der Pressemeldung, hätten die Beamten ihre Messstelle verlegt. “Dem Erfolg der Messung tat dies keinen Abbruch, da auch an der neuen Stelle eine ganze Reihe nicht unerheblicher Verstöße festgestellt wurden.”
So, so. Da hat ja wohl der Wunsch als Vater des Gedankens die Tastatur betätigt: Die Formulierung “eine ganze Reihe nicht unerheblicher” klingt eher wie eine Allegorie denn wie eine Erfolgsmeldung. In Wahrheit wird der neue Standort der Radaranlage in der breiten Römerstraße die potentiellen Blitzeropfer wohl kaum noch gejuckt haben.
Höchstens so viel, wie die widerborstigen Wullenstetter der mahnende Finger der Polizeipressestelle kratzen dürfte, die abschließend formulierte: “Es bleibt zu hoffen, dass die Gegner der Geschwindigkeitsüberwachung von Schäden durch Raser verschont bleiben.” Ein frommer Wunsch.
6. August 2010
Wie der Kollege bereits im vorangegangenen Blog-Eintrag schrieb, kann man mit einem Printmedium mühelos lästige Fliegen eliminieren.
Allerdings ist dies auch problemlos mit neuen Medien und Tablet-Computern möglich, wie das nachfolgende Bild anschaulich demonstriert:

Spezieller "use-case": Fliege mit dem iPad töten
5. August 2010

Die Zeitung ist der Mücke Tod... (Foto: Steffen Wolff)
Diese Liste wurde ursprünglich einmal als Antwort an all jene Blogger und unverbesserlichen Rechthaber formuliert, die das analoge Holzmedium längst schon virtuell begraben sahen sehen. Das war im November 2009. Gerade habe ich den Text wieder gefunden und Hah! mittlerweile betreiben wir selbst ein Blog und können den digitalen Besserwissern angemessen antworten.
Die Zeitung soll also keine Zukunft mehr haben? Hat sie sehr wohl doch (wenn auch vielleicht nicht in der Charakteristik, wie sie heutzutage im Briefkasten steckt). Zumindest aber währt ihre Zukunft so lange, wie die Leser noch Neuigkeiten mit Händen greifen und Kindergärtnerinnen noch mit Pappmachee basteln wollen.
Zehn bierernste Gründe, warum die gedruckte Zeitung niemals sterben wird:
Erstens
Weil sich Salatköpfe traditionell noch immer am besten von Schlagzeilen einwickeln lassen.
Zweitens
Es ist die leichteste Art, Nachrichten zu begreifen.
Drittens
Weil es nichts Dienlicheres gibt, um sich beim Sonntagsfrühstück zu verstecken.
Viertens
Aus einem PC oder iPad lassen sich weder Papierhüte noch Schiffchen falten.
Fünftens
Weil man Wichtiges weiterhin Schwarz auf Weiß vor sich sehen will.
Sechstens
Mit was soll man denn sonst Glasscheiben putzen, Öfen anfeuern, Porzellan einwickeln und Vogelkäfige auslegen?
Siebtens
Weil ein Morgen ohne Zeitung so fade ist wie ein Espresso ohne Zucker.
Achtens
Mücken mit der Tastatur zu erschlagen hinterlässt unschöne Macken in der Wand.
Neuntens
Weil das Wort “Zeitung” den Begriff “Zeit” beinhaltet – die Grundvoraussetzung für Genuß.
Zehntens
Haben Sie schon mal versucht, nasse Schuhe mit einem Laptop auszustopfen?!