Auch wenn böse Zungen bisweilen anderes behaupten: Der gemeine Online-Redakteur ist ausgeglichen, aufgeschlossen, freundlich und nett zu seinen Mitmenschen. Er ist geduldig, kann jede Menge einstecken, bleibt stets gelassen und ist nur ganz schwer reizbar. Und Neid ist ihm generell völlig fremd.
Nur eines sollten seine Mitmenschen tunlichst unterlassen: diese Eigenschaften schamlos auszunutzen.
So wie etwa dieser geneigte Kollege (dessen Name in seinem eigenen Interesse hier unerwähnt bleiben soll), der in der Abwesenheitsnotiz seines Postfaches statt der üblichen Meldung “Ich bin zurzeit nicht im Hause, wenden Sie sich bitte an XY…” folgende Zeilen hinterlassen hat:
“Urlaub! Vom 25. August bis 13. September widme ich meine Zeit der persönlichen wie finanziellen Unterstützung der griechischen Wirtschaftskraft. Ich bin vor Ort und dort nicht erreichbar. Ihre E-Mail wird nicht weitergeleitet. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an: redaktion.online@swp.de”
Wenn der Online-Redakteur das liest, platzt er schier vor Neid. Und mit der Kollegialität ist es dann auch vorbei. Aber sowas von…
Als vor gar nicht all zu langer Zeit der Geräuschpegel im Großraumbüro von stern.de in Hamburg eklatant anstieg, ward als Lärmquelle schnell der neue Kollege Dirk Benninghoff ausgemacht. Der redete, telefonierte und organisierte als Chef der Nachrichtenredaktion einfach derart laut, dass sich offenbar einzelne Anwesende bei ihrem bedeutsamen Tun gestört fühlten.
Schließlich, so wird kolportiert, habe der Betriebsrat gar eine Dezibelmessung im Newsroom durchgesetzt. Das Resultat: Benninghoff war tatsächlich der Lautsprecher.
Welch göttliche Stille herscht dagegen im Newsroom der SÜDWEST PRESSE.
Nein, Basketball ist nicht immer das “körperlose Spiel”, von dem uns unsere Sportlehrer einst überzeugen wollten. Basketball ist harter Männersport, in dem neben den Bällen bisweilen auch Fäuste und sogar Stühle fliegen. Zuletzt bewiesen am Donnerstagabend (19. August), als die Nationalspieler von Griechenland und Serbien minutenlang aufeinander eindroschen, als ginge es um die Vorherrschaft auf den Straßen des Athener Problembezirk Exarchias – und nicht um ein Freundschaftsspiel!
Die TV-Bilder der ungewohnten Schlägerei sind fast närrisch. Denn kombiniert mit den aufgeregten Staccato-Kommentaren des griechischen Sprechers wirkt die herzhafte Prügelei mit ihren Umarmungseinlagen wie eine einstudierte Filmszene. Tatsache ist aber, dass mehrere Spieler hernach blutend vom Feld geleitet wurden.
Auslöser der Klopperei war offensichtlich ein Streit zwischen Antonis Fotsis (Nummer 9, Griechenland) mit Milos Theodosic (18, Serbien). Die Protagonisten kennen sich aus der griechischen Basketball-A1-Liga, wo Fotsis für Panathinaikos Athen und Theodosic für den Erzrivalen Olympiakos Piräus aufläuft.
Warum die beiden ihre vereinsbegründete Disharmonie ausgerechnet bei einem Länderspiel ausdiskutieren mussten, bleibt ihr Geheimnis. Die Begegnung wurde kurz vor Spielende beim Stand von 74:73 für Gastgeber Griechenland abgebrochen.
Ähnlich? Links: Ulmer Schachteln, rechts: NICHT unsere Online-Praktikantin
Der Ton in der Lokalredaktion der SÜDWEST PRESSE ist rau, aber überwiegend herzlich. Fiese Verbalattacken oder cholerische Anfälle (“Da krieg i koi Adrenalin von!!“, gebrüllt) sind selten. Als Enklave der Abteilung Online, als die ich meine Arbeit im Lokalressort versehe, habe ich mich an das Klima gewöhnt. Zumal hier immerhin noch lautstark kommuniziert und nicht nur totenstumm vor der Tastatur gebrütet wird.
All das hätte man der Online-Praktikantin Katrin*, um deren Unterstützung ich gebeten hatte, eventuell erklären sollen, bevor sie aus dem ruhigen Onlinebüro an meinen Schreibtisch in die Lokalredaktion eilte. Denn kaum betrat die junge Dame, in eine modische, schwarz-weiß-gestreifte Bluse gewandet, den Großraum, richtete sich das Interesse der Anwesenden auf sie. Schließlich sind Journalisten, allein schon von Berufs wegen, immer neugierig. Allerdings nicht immer diplomatisch. Weshalb Kollege Christoffel*, ein guter, altgedienter Redakteur und als verheirateter Familienvater der plumpen Anmache fast völlig unverdächtig, sein Interesse an der neuen Frau ein wenig ungetüm in den Raum stieß:
“HEEEY!
Wer bist DUU denn?
Du siehst ja aus wie ‘ne Ulmer Schachtel!“
Tja. Was als freundliche Kontaktaufnahme gedacht war, hatte die Wirkung eines außerordentlichen Kinnhakens: Kommunikations-K.o. bereits in der ersten Runde! Als Schachtel (oder auch Zille) werden in und um Ulm die historischen Lastkähne bezeichnet, mit denen in früheren Zeiten Passagiere und Waren die Donau hinab befördert worden sind. Üblicherweise trugen diese Boote ein schwarz-weißes Streifenmuster – die Stadtfarben Ulms. Christoffels Verbal-Eruption bezog sich daher lediglich auf die Farbgebung von Katrins Oberteil.
Dennoch explodierte das Großraumbüro in einem sich ausbreitenden Lachanfall. Nur eine wirkte eher irritiert denn amüsiert – Jungpraktikantin Katrin. Die sich alsbald entschuldigte und verständlicherweise ging. Und bislang nicht wieder gesehen ward…
Ulm hat nicht nur den höchsten Kirchturm der Welt, Ulm ist auch Produktionsstandort für Automobile. Hier werden große und teure Karossen gebaut – richtig große: Die dicken Brummis von Iveco brettern seit 1975 über die Kontinente und genießen rund um den Globus Ansehen.
Ein neues Sondermodell der norditalienischen Lkw-Bauer aus dem Donautal wird nun dafür sorgen, dass der Name “Ulm” bald auf allen Fernstraßen dieser Erde ein Begriff sein wird. Fette 450 PS, Zwölf-Gang-Getriebe, Retarder, Standheizung, Klimaanlage, ein zusätzliches Bett in der Fahrerkabine – und das alles für netto nur 78.700 Euro. Zum Vergleich: Dafür bekäme man in Stuttgart-Zuffenhausen noch nicht einmal einen einfachen Carrera, den billigsten 911er.
Der erwachsene PS-Gigant aus der Donaustadt bietet jedoch für weniger Geld nicht nur deutlich mehr Material als das flache PS-Spielzeug aus Zuffenhausen. Er wartet auch auf mit, obacht, jetzt Werbetext: den “Tugenden eines echten Schwaben: sparsam, vielseitig, äußerst leistungsorientiert”. An rächter Ulmer, halt.